Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.

Dr. Alex Veit
Dr. Alex Veit
Veit hat eine "Special Section" zu "The Politics of Intervention Against (Conflict-Related) Sexual and Gender Based Violence" publiziert.

Alex Veit hat als Gastherausgeber eine "Special Section" zu "The Politics of Intervention Against (Conflict-Related) Sexual and Gender Based Violence" im Journal of Intervention and Statebuilding (Vol. 13,4) publiziert. Die Publikation ist Teil des Forschungsprojekts "Internationale Interventionen gegen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten. Intendierte und unintendierte Konsequenzen", finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Projektmitglied Lisa Tschörner hat einen der Artikel gemeinsam mit Alex verfasst.

Inhalt:

Feminism in the Humanitarian Machine. Introduction to the Special Section on "The Politics of Intervention Against (Conflict-Related) Sexual and Gender-based Violence"

by Alex Veit

Abstract: The prevention and mitigation of sexual and gender-based violence in (post-) conflict societies has become an important humanitarian activity. This introductory article examines the analytical discourses on these interventions, the institutionalization of SGBV expertise in international politics, and the emancipatory potential of anti-SGBV practices. It argues that the confluence of feminist professional activism and militarized humanitarian interventionism produced specific international activities against SGBV. As part of the institutionalization of gender themes in international politics, feminist emancipatory claims have been taken up by humanitarian organizations. The normal operating state of the humanitarian machine, however, undercuts its potential contribution to social transformation towards larger gender equality in (post-) conflict societies.

"A Real Woman Waits" – Heteronormative Respectability, Neo-Liberal Betterment and Echoes of Coloniality in SGBV Programming in Eastern DR Congo

by Charlotte Mertens and Henri Myrttinen

Drawing on archival and field research, this article critically examines the production and distribution of gender roles and expectations in SGBV programming, in particular in eastern Democratic Republic of Congo (DRC). We find the underlying currents in some of these programmes reinscribe heteronormativity and focus on individual betterment which resonates with regulating gender and sexuality during colonialism. In some cases, strongly western-inspired norms of individual agency have been introduced, disregarding structural constraints of people’s lives. To conclude, we explore alternative approaches to SGBV prevention, ones in which international approaches are re-defined and vernacularized for local use – but which also at times inform global understandings.

"Without Education You Can Never Become President": Teenage Pregnancy and Pseudo-empowerment in Post-Ebola Sierra Leone

by Anne Menzel

This article analyses the emergence of ‘teenage pregnancy’ as a new policy focus in post-Ebola Sierra Leone and explores how Sierra Leoneans interpret the problem of ‘teenage pregnancy’. I argue that the new policy focus is not indicative of changing or new problems. Rather, ‘teenage pregnancy’ has created opportunities for donors and the Government of Sierra Leone to continue cooperation in gender politics. At the same time, Sierra Leoneans are clearly concerned about ‘teenage pregnancy’, and many agree with sensitization campaigns that responsibilize young women and girls while downplaying structural factors that render them vulnerable to arrangements involving transactional sex.

Creative appropriation: academic knowledge and interventions against sexual violence in the Democratic Republic of Congo

by Alex Veit and Lisa Tschörner

Recent academic research has questioned assumptions about sexual violence in (post-) conflict contexts. Gender norms rather than military decision-making have been found to constitute a major underlying reason for wartime sexual violence. In this contribution, we investigate whether international organisations seeking to prevent sexual violence in the Democratic Republic of Congo have accordingly changed their analytical perspectives and modified policies and programming. We find that many, but not all, such organisations creatively appropriate new academic work in their policy and project documents. However, incentives for continuity in the humanitarian field have slackened the pace of any substantive practical changes.


Kontakt:
Dr. Alex Veit
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67471
E-Mail: veit@uni-bremen.de

Die Aufgaben umfassen u.a. Literaturrecherchen, Aufbereitung vorhandener Daten (10 Std./Woche)

An der Universität Bremen ist im Sonderforschungsbereich 1342 im Projekt A06 „Entwicklung und Diffusion von Familienpolitik in globaler Perspektive“ die folgende Stelle zu besetzen:

Studentische Hilfskraft mit bis zu 10 Std./Woche

Beginn:

  • Zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
  • Die Stelle ist zunächst bis Ende 2019 befristet, eine längerfristige Weiterbeschäftigung ist angestrebt.

 

Das Projekt ist ein Teilprojekt des von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichs 1342 „Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik“ und wird geleitet von Prof. Sonja Drobnič und Prof. Johannes Huinink.

In diesem Projekt geht es darum, die historische Entwicklung familienpolitischer Maßnahmen in allen Ländern der Welt zu erheben und die Verbreitung über Ländergrenzen hinweg zu erklären. Dabei wird auch die Rolle internationaler Organisationen in den Blick genommen.

Aufgaben:

  • Datenbank- und Literaturrecherchen
  • Erhebung von statistischen Daten aus Textdokumenten
  • Aufbereitung der bereits erhobenen Daten

 

Voraussetzungen:

  • Gute Englischkenntnisse (weitere Sprachkenntnisse sind willkommen)
  • Erfahrungen im Bereich Literaturrecherche und/oder Dokumentenanalyse
  • Selbstständiges, zuverlässiges und strukturiertes Arbeiten
  • Kenntnisse in R (insbesondere Datenmanagement)
  • Interesse an makro-komparativen Daten sowie Fragestellungen


Bewerbungen mit CV und kurzem Motivationsschreiben senden Sie bitte bis zum 27.09.2019 an

UNIVERSITÄT BREMEN
SOCIUM
Tobias Böger
Mary-Somerville-Str. 9
28359 Bremen

Bei postalischer Zusendung bitten wir, uns von Ihren Bewerbungsunterlagen nur Kopien einzu-reichen, da wir sie aus Kostengründen nicht zurücksenden können; sie werden nach Abschluss des Auswahlverfahrens vernichtet. Oder elektronisch bitte als pdf-Anhang an:
Email: boeger@uni-bremen.de

Immanuel Wallerstein (Screenshot von www.iwallerstein.com)
Immanuel Wallerstein (Screenshot von www.iwallerstein.com)
Mit seinem Hauptwerk "Das moderne Weltsystem" analysierte der US-amerikanische Soziologe die Entwicklung und die Auswirkungen des globalen Kapitalismus. Wallerstein wurde 88 Jahre alt.

Der US-amerikanische Soziologe Immanuel Wallerstein ist am 31. August 2019 gestorben. Wallersteins Hauptwerk, "Das moderne Weltsystem", umfasst vier Bände, in denen er die Entwicklung des globalen Kapitalismus vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart analysierte. Die Akkumulation von politischer Macht und Kapital habe globale Asymmetrien verfestigt und verstärkt, und zur Herausbildung von Zentren, Peripherien und Semiperipherien geführt.

Besonders an Wallersteins Arbeit war unter anderem, dass er Nationalstaaten als Einheit zur Analyse von Gesellschaft für ungeeignet hielt. "I sought to produce … a detailed critique of why both national development and developmentalism as an explanatory model (modernization theory) are illusions" (Immanuel Wallerstein: The Development of an Intellectual Position). Internationale Abhängigkeiten und Wechselwirkungen machten an Staatsgrenzen nicht Halt und müssten daher in die sozialwissenschaftliche Analyse einbezogen werden. Diese müsse zudem historisch und systemisch („historic and systemic“) erfolgen, denn nur so ließen sich soziale Wirklichkeit und Veränderungen erklären.

Wallerstein lehrte und forschte u.a. an der Columbia University, der McGill University, Binghamton University und der Yale University. In den 1990er Jahren war er zudem Präsident der International Sociological Association.

Wallerstein war bis ins hohe Alter aktiv, er veröffentlichte mit eiserner Diziplin an jedem 1. und 15. eines Monats Aufsätze ("commentaries") zu gesellschaftlichen Themen auf seiner Webite. Er hatte sich vor einiger Zeit das Ziel gesetzt, 500 commentaries zu veröffentlichen und die Reihe anschließend zu beenden. Zwei Monate nach dem 500. Eintrag ist Wallerstein im Alter von 88 Jahren gestorben.

Zu den Aufgaben zählen die Transkription von Interviews, Literaturrecherche und Hilfe bei der Datenerfassung (10 Stunden/Woche).

Der DFG geförderte Sonderforschungsbereich "Global Dynamics of Social Policy" (Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik)“ (SFB 1342) sucht zum 01. November 2019 eine studentische Hilfskraft mit 10 Std./Woche für das Teilprojekt "Transnationale Dienstleistungserbringung in der Langzeitpflege zwischen West- und Osteuropa".

Das Ziel des von Prof. Dr. Karin Gottschall und Prof. Dr. Heinz Rothgang geleiteten Teilprojekts B07 ist es, die Einführung und Expansion von Sicherungssystemen bei Langzeitpflege in Bezug auf die Dienstleistungserbringung und die Rolle von Arbeitsmigration zu beschreiben und zu erklären. Untersuchungsländer sind ausgewählte Zielländer von Migration (Deutschland, Italien, Polen und Schweden) wie auch Herkunftsländer von Migrant*innen (Polen, Rumänien und Ukraine).

Die Einstellung erfolgt voraussichtlich zum 01.11.2019 für einen Zeitraum von zwei Monaten (eine Verlängerung wird angestrebt).

Aufgaben:

  • Transkription von Interviews in deutscher und englischer Sprache
  • Mithilfe bei der Datenerfassung, -aufbereitung und –analyse
  • Literaturrecherche und -verwaltung


Voraussetzungen:

  • Interesse an theoretischen und empirischen Fragestellungen im Bereich der vergleichenden Wohlfahrtsstaats- und Arbeitsmarktforschung
  • Gute Deutsch- und Englischkenntnisse, da die zu transkribierenden Interviews in diesen Sprachen sind


Wir bieten:

  • Einblicke in ein interessantes Arbeits- und Forschungsfeld
  • Mitarbeit in einem freundlichen, interdisziplinären Team
  • Vergütung nach den für Studentische Hilfskräfte üblichen Sätzen an der Universität Bremen
  • Ggf. längerfristige Beschäftigungsperspektive und Möglichkeit das Thema der Abschlussarbeit projektnah zu wählen


Ihre Bewerbung mit kurzem Lebenslauf, einem Motivationsschreiben sowie einem aktuellen Transcript of Records senden Sie bitte als PDF-Dokument bis zum 15.09.2019 an Kristin Noack (knoack@uni-bremen.de).

Franziska Deeg mit Koperationsartnern in Brasilien
Franziska Deeg mit Koperationsartnern in Brasilien
Die zweite der beiden Umfragen in Lateinamerika durch die Kölner SFB-Mitglieder fand im Sommer im Staat Sao Paulo in Brasilien statt.

Im Kölner Teil des Teilprojektes B03 wurden zwei Befragungen durchgeführt – eine in Mexiko und eine in Brasilien –, um Einblicke in die Verbindung von Handel und Sozialpolitik auf Mikroebene zu erhalten. Mit der Umfrage wurden verschiedene Dimensionen abgedeckt: Die Befragten hatten die Möglichkeit, Auskünfte zu Themen wie Sozialpolitik, Handel, Migration, Sicherheit und Korruption zu geben. Mit den Daten hofft das Kölner Team den Link zwischen Globalisierung und sozialpolitischen Präferenzen in Brasilien zu erforschen, aber auch viele weitere interessante Fragestellungen können adressiert werden.

Franziska Deeg in sao Paulo

Um die Implementation in Brasilien zu begleiten, verbrachte Franziska Deeg, die Kölner Doktorandin des Projektteams B03, fast drei Wochen in Sao Paulo. Dort konnte sie mit dem Meinungsforschungsinstitut IBOPE den Fragebogen vollständig an den brasilianischen Kontext und die portugiesische Sprache anpassen. Weiterhin wurden 30 Pre-Tests mit einkommensschwachen Haushalten durchgeführt, um die Fragestellungen zu testen, und ein Interviewertraining implementiert, um Interviewer-Effekte zu reduzieren.

Damit hat das Team einen weiteren wichtigen Meilenstein des Projekts erreicht und kann sich nun vollständig auf die Auswertung der umfangreichen Datensätze aus den Umfragen in Mexiko und Brasilien konzentrieren. Die Daten liegen dem Kölner B03-Team seit Mitte August vor.


Kontakt:
Dr. Sarah Berens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Cologne Center for Comparative Politics
Herbert-Lewin-Str. 2
50931 Köln
Tel.: +49 221 470-2853
E-Mail: sarah.berens@uni-koeln.de

Franziska Deeg
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Cologne Center for Comparative Politics
Herbert-Lewin-Str. 2
50931 Köln
Tel.: +49 221 470-2853
E-Mail: fdeeg@uni-koeln.de

The New School in New York City.
The New School in New York City.
Heiner Fechner, Jean-Yves Gerlitz und Jenny Hahs präsentierten drei Paper auf der Jahreskonferenz der Society for the Advancement of Socio-Economics, die Ende Juni in New York stattfand.

Unser Teilprojekt A03 konnte bei der 31. Jahreskonferenz der Society for the Advancement of Socio-Economics (SASE), die an der New School in New York City stattfand, gleich drei Vorträge unterbringen:


Heiner Fechner, Jean-Yves Gerlitz und Jenny Hahs bekamen jeweils sehr gutes Feedback auf ihre Vorträge, wie Hahs berichtet. Bemerkenswert war aus ihrer Sicht auch die "inspirierende, wenngleich sicher nicht ganz unumstrittene Keynote" von Marie-Laure Salles-Djelic (Sciences Po, Paris) - "Prometheus to Dionysus: Can We Re-Enchant the Future?", in der sie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu mehr Aktivismus aufrief mit den Worten: "We cannot only keep reading the world and lament ist state, we have to take an active part in changing too!"


Kontakt:
Dr. Heiner Fechner
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57070
E-Mail: hfechner@uni-bremen.de

Jean-Yves Gerlitz
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57088
E-Mail: gerlitz@uni-bremen.de

Jenny Hahs
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57069
E-Mail: jenny.hahs@uni-bremen.de

Julia Moses, PhD
Julia Moses, PhD
32 Doktorandinnen und Doktoranden aus 14 Ländern präsentieren und diskutieren in den kommenden Tagen ihre Forschungsprojekte im Haus der Wissenschaft Bremen. Julia Moses von der University of Sheffield hielt am Montag den Eröffnungsvortrag.

Am Montagnachmittag eröffnete Herbert Obinger die 11. NordWel Summer School, die im Haus der Wissenschaft in Bremen stattfindet und vom SFB 1342 ausgerichtet wird. An der Summer School nehmen 32 Doktorandinnen und Doktoranden aus 14 Ländern teil. Sie alle forschen zu sozialpolitischen Fragen und werden ihre Forschungsprojekte in den kommenden fünf Tagen präsentieren und in kleinen Gruppen diskutieren. Dabei bekommen sie Feedback sowohl von anderen Doktorandinnen und Doktorenden als auch von renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Den Eröffnungsvortrag im Olbers-Saal im Haus der Wissenschaft hielt Julia Moses, Reader am Department of History der University of Sheffield. Sie sprach über die Entwicklung der Familienpolitik in Europa vom 18. bis 20. Jahrhundert, deren Ziele und Werkzeuge nicht zuletzt davon abhingen, welches Idealbild von Familie vorherrschend war. Die weiteren Keynotes werden Daniel Béland, Stephen Devereux, Patrick Emmenegger, Asa Lundqvist, Carina Schmitt und Reimut Zohlnhöfer halten.

Das vollständige Programm der 11. NordWel Summer School finden Sie hier.

Die NordWel Summer School ist ein Gemeinschaftsprojekt des Sonderforschungsbereichs 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik", der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS), dem Danish Centre of Welfare Studies und der Faculty of Social Sciences der Universität Helsinki.


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

Der SFB 1342 und Palgrave McMillan geben eine neue Buchserie heraus. Die ersten Bände werden Anfang 2020 erscheinen.

Der SFB 1342 und der Verlag Palgrave McMillan haben diese Serie ins Leben gerufen, um Forschungsergebnisse aus dem SFB 1342 sowie von externen Kollegen zu veröffentlichen.

Diese Serie wird von Studien veröffentlichen über die Wellen, Brüche und transformativen Perioden der Expansion und des Rückgangs des Wohlfahrtsstaates weltweit, d.h. in Nationalstaaten, Großregionen und weltweit. Es bedarf einer umfassenden und globalisierten Perspektive der Sozialpolitik; dieser Ansatz wird dazu beitragen, Episoden von Einschnitten, Sparmaßnahmen und Tendenzen des Abbaus des Wohlfahrtsstaates in bestimmten Ländern, Politikbereichen und in Bezug auf bestimmte soziale Risikogruppen zu lokalisieren und zu erklären, und zwar unter Bezugnahme auf vorherige, gleichzeitige oder erwartete Episoden der Expansion oder Kontraktion in anderen Ländern und Bereichen.

Eines der Ziele dieser Reihe ist es, die verschiedenen Konstellationen anzusprechen, die sich zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren ergeben, einschließlich internationaler und zwischenstaatlicher Organisationen, politischer Akteure und Gremien sowie Wirtschaftsunternehmen. Ein besseres Verständnis dieser Dynamiken verbessert das Verständnis für sozialpolitische Entscheidungen, sozialpolitische Entscheidungen und letztlich die Ergebnisse der Sozialpolitik.

Herausgeber der Serie sind die SFB-1342-Mitglieder Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels und Kerstin Martens sowie Marianne Ulriksen (University of Southern Denmark/University of Johannesburg).


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Prof. Dr. Delia González de Reufels
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67200
E-Mail: dgr@uni-bremen.de

Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Dr. Teresa Huhle
Dr. Teresa Huhle
Teresa Huhle hat in Montevideos Bibliotheken und Archiven recherchiert, welche internationalen Einflüsse und Kontakte die Entwicklung der uruguayischen Gesundheitspolitik beeinflusst haben.

Teresa, du warst im Frühjahr für euer Teilprojekt unterwegs. Wo warst du genau?

Ich war für acht Wochen in Uruguay, genauer gesagt in der Hauptstadt Montevideo. Für meine Arbeit an der Uruguay-Fallstudie sind insgesamt vier Monate Archivarbeit vor Ort vorgesehen – diese Reise war also die erste Hälfte. Ich war aber vor zwei Jahren, bevor der SFB angefangen hatte, schon einmal dort und habe erste Erkundungen gemacht, deswegen konnte ich jetzt direkt loslegen.

Welche Archive hast du dir angeschaut?

Ich habe vor allem in der Nationalbibliothek gearbeitet. Dort gibt es auch Archivmaterial, aber ich habe in erster Linie mit alten Zeitschriften gearbeitet, die am vollständigsten in der Nationalbibliothek liegen. Es gibt dort auch Nachlässe, alte Karten, Fotos … Letztendlich habe ich aber die meiste Zeit mit Zeitschriften verbracht.

Sind das wissenschaftliche Zeitschriften?

Ja, wissenschaftliche bzw. staatliche Zeitschriften, die für meine Arbeit zur Entwicklung der Gesundheitsversorgung in Uruguay maßgeblich sind. 1932 wurde dort das Gesundheitsministerium gegründet, aber schon vorher gab es zwei wichtige staatliche Institutionen: Die Asistencia Pública Nacional und der Consejo Nacional de Higiene. Beide Institutionen hatten eine eigene Zeitschrift, die ich auswerte. Im Rahmen des SFBs untersuchen wir ja auch transnationale Einflüsse auf nationalstaatliche Sozialpolitik, und dazu findet sich viel in der Zeitschrift. Es geht hier zum Beispiel um Konferenzen und explorative Reisen hochrangiger Vertreter der genannten Institutionen.

Welche Zeitspanne schaust du dir an?

Ich habe mir bei diesem Aufenthalt vorgenommen, die kompletten Jahrgänge der Zeitschrift des Consejo Nacional de Higiene anzugucken, also 1906 bis 1931, um nachzuvollziehen, wie sich die Institution verändert hat.

Das sind 26 Jahrgänge. Wie umfangreich sind die?

Die Zeitschrift ist monatlich erschienen, insgesamt mit rund 800 bis 1.000 Seiten pro Jahr. Ich habe also schon ordentlich geblättert.

Konntest du alles sichten?

Am Anfang habe ich am ersten Band getestet, ob es machbar ist und es hat sich herausgestellt, dass ich tatsächlich die Zeitschrift komplett sichten konnte. Was interessant für mich war, habe ich fotografiert und Notizen dazu gemacht. Die Notizen wegzulassen, ist fatal, denn dann hat man am Ende ein paar tausend Fotos auf dem Rechner und weiß nicht, was das jeweils ist. Deswegen war ich relativ diszipliniert. Jeden fotografierten Text habe ich direkt bibliographiert und idealerweise drei Sätze dazu geschrieben.

Was hast du in den rund 300 Ausgaben der Zeitschrift gefunden?

Ich habe nach internationalen Einflüssen und verschiedenen inter- und transnationalen Netzwerken gesucht, in denen die Akteure und Institutionen eingebettet waren, als Reformen umgesetzt wurden. Daher habe ich zum Beispiel Ausschau gehalten nach allen internationalen Konferenzen mit uruguayischer Beteiligung. Das Material dazu war sehr unterschiedlich. Manchmal steht dort nur, dass jemand aus Uruguay dabei war und manchmal findet man lange Berichte, in denen der uruguayische Delegierte ganz genau die Panels zusammengefasst und geschrieben hat, was er auf der Konferenz gelernt hat.

Das sind also gewisse Inputfaktoren – kontrollierst du auch den Output? Also: Ob diese Einflüsse irgendwelche Konsequenzen hatten?

Das punktuell feststellen zu können, ist langfristig mein Ziel. Ich finde es augenblicklich noch sehr schwierig, zwischen Rhetorik und tatsächlichem Einfluss zu unterscheiden. Es gibt derzeit noch nicht viele Stellen, wo ich mich darauf festlegen würde zu sagen: "Diese Konferenz, diese Europareise oder dieser Besuch in Argentinien hat dafür gesorgt, dass Uruguay jenes Gesetz eingeführt hat." Das ist methodisch gar nicht so einfach, aber es wäre sicherlich der nächste Schritt.

Wie wertest du jetzt aus?

Derzeit stelle ich zusammen, welche Verbindungswege, Netzwerke und Austauschformen es überhaupt gab. Ich schaue mir auch an, wie die uruguayischen Reformer ihr Handeln selber reflektiert haben, wie zum Beispiel die Einschätzung: "Ich war in Holland, mir wurde Folgendes gezeigt, aber das ist nichts, was wir umsetzen können." Aber es findet sich auch das gegenteilige Urteil: "Ich glaube, genau das müssen wir jetzt auch umsetzen." Ob und wie sie das dann gemacht haben, ist noch eine andere Frage, aber es ist schön zu sehen, dass diese internationalen Austauschprozesse in den Quellen explizit thematisiert werden.

Welche Länder und internationalen Organisationen hatten denn den größten Einfluss auf die Gesundheitspolitik Uruguays?

Sehr wichtig waren internationale Kongresse, sowohl in Europa als auch in den Amerikas.

An Universitäten?

Nein, das waren zum Beispiel die "Internationalen Kongresse für Hygiene und Demographie". Die fanden seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa statt mit jeweils mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern – es waren weltweit die wichtigsten Kongresse für alle Fragen der Hygiene und der öffentlichen Gesundheit. Wichtig waren auch andere internationale Medizinkongresse, die mit der öffentlichen Gesundheit zu tun hatten, wie Tuberkulosekongresse oder internationale Kongresse zu Geschlechtskrankheiten. In den 1920er Jahren wurde dann der Völkerbund relativ wichtig als internationales Forum, so organisierte die Gesundheitsorganisation des Völkerbundes internationale Austauschreisen. Was einzelne Länder betrifft, gab es beispielsweise einen sehr engen Austausch mit Argentinien.

War Argentinien ein Vorbild oder war Uruguay Partner auf Augenhöhe?

Geopolitisch war Uruguay der kleine Pufferstaat zwischen den zwei großen Mächten Argentinien und Brasilien. Aber im Austausch zu gesundheitspolitischen Reformen war Uruguay definitiv auf Augenhöhe.

Gab es noch andere Länder, die wichtig waren?

Ja, Brasilien, und in Europa spielt Frankreich eine besondere Rolle, weil es eine lange Tradition gab, dass uruguayische Mediziner ihre Ausbildung oder Teile davon in Frankreich absolviert haben.

Erstaunlich, dass es nicht Spanien war …

Frankreich war das große kulturelle Vorbild und Modell für die uruguayische Elite, und in der Medizin ganz besonders. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte es dazu, dass uruguayische Mediziner – staatlich finanziert – nach Paris gingen. Diese Mediziner konnten alle Französisch, ebenso die Politiker. Es gibt auch medizinische Bücher, die nur auf Französisch erschienen sind. Das ist ganz bemerkenswert. Deswegen spielt Frankreich in diesem Gesundheitsbereich eine große Rolle.

Was waren noch wichtige Punkte deiner Reise?

Es gibt noch andere Bibliotheken, die für mich wichtig sind, die aber nicht gut katalogisiert sind. Man muss also wissen, was man dort finden kann und sich mit den Bibliothekaren absprechen. Um diese Informationen vorab zu bekommen, habe ich Kolleginnen und Kollegen vor Ort kontaktiert, vor allem auch aus der Medizingeschichte.

Wie geht es jetzt weiter mit deiner Arbeit und eurem gesamten Teilprojekt?

2019 sind alle Mitglieder des Teilprojektes inklusive der Leiterin des TPs Delia González de Reufels viel unterwegs und kommen mit viel Material aus Archiven und Bibliotheken sowie Ideen zurück. Außerdem haben wir ein neues Teammitglied: Simon Gerards Iglesias, der nun seinerseits zu Archivreisen aufbricht. Derzeit arbeite ich einen Vortrag aus und werde im August in den USA weiterrecherchieren. Im März 2020 fahre ich dann noch einmal nach Uruguay. In diesem Frühjahr hatte ich ja noch den Luxus zu wissen: Ich komme noch einmal wieder. Im nächsten Jahr wird es dann aber ernst: Ich muss mir vorher genau überlegen, was ich von dort noch brauche.


Kontakt:
Dr. Teresa Huhle
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Sommerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57062
E-Mail: teresa.huhle@uni-bremen.de