News aus dem Teilprojekt A06

Simone Tonelli
Simone Tonelli
Der Politikwissenschaftler promovierte im Teilprojekt A06 zur Diffusion von familienpolitischen Programmen, unter anderem in Ost- und Südostasien.

Simone Tonelli hat am Montag, 24. Januar 2022, seine Doktorarbeit "The Politics of Family Policy in a Global Perspective" erfolgreich verteidigt. Die Verteidigung fand hybrid statt: Tonelli präsentierte seine Arbeit vor Ort in Bremen vor der 7-köpfigen Prüfungskommission, die Zuhörer*innen konnten die PRäsentation und anschließende Diskussion per Videokonferenz verfogen.

Simone Tonelli ist seit 2018 Mitglied des SFB 1342 und promovierte im Teilprojekt A06 Entwicklung und Diffusion von Familienpolitik in globaler Perspektive, das Ende 2021 abgeschlossen wurde. Seine kumulative Doktorarbeit basiert unter anderem auf folgenden Aufsätzen:

Tonelli, Simone, 2022: What Curbs Social Investment? The Effect of Foreign Electoral Outcomes on Childcare Expenditure Levels, in: Journal of Social Policy, First View , pp. 1 - 21.

Tonelli, Simone; Drobnič, Sonja; Huinink, Johannes, 2021: Child-related family policies in East and Southeast Asia: An intra-regional comparison, in: International Journal of Social Welfare, 30 (4), S. 385 – 395.

Böger, Tobias; Son, Keonhi; Tonelli, Simone, 2022: Origins of Family Policy: Prerequisites or Diffusion, in: Windzio, Michael; Mossig, Ivo; Besche-Truthe, Fabian; Seitzer, Helen (Hg.), Networks and Geographies of Global Social Policy Diffusion. Culture, Economy and Colonial Legacies, Global Dynamics of Social Policy, Cham: Palgrave Macmillan, S. 169 - 193.


Kontakt:
Simone Tonelli
Keonhi Son, Helen Seitzer
Keonhi Son, Helen Seitzer
Seitzer hat ihre Doktorarbeit in Teilprojekt A05 zu transnationaler Bildungspolitik geschrieben, Son in Teilprojekt A06 zur Inklusivität von Mutterschutzprogrammen im weltweiten Vergleich.

Helen Seitzer hat ihre Doktorarbeit mit dem Titel "Conceptualizing the Transational Education Policymaking Process from a Relational Perspective" Anfang Oktober verteidigt. Teile ihrer Arbeit hat sie bereits in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Keonhi Son hat ihre Arbeit ("The Influence of the ILO Maternity Protection Conventions on the historical development of paid maternity leave in the world") am 25. Oktober 2021 verteidigt. Darin argumentiert Son, dass Beschäftigte im informellen Sektor, insbesondere Frauen, im Globalen Süden von der Anwendung internationaler Arbeitsnormen ausgeschlossen sind aufgrund der Art und Weise, wie die Staaten diese Normen übersetzen und umsetzen. Dieses Argument konnte Son testen anhand einer Datenbank zu bezahltem Mutterschutz in 165 Ländern zwischen 1883 und 2018, die sie in Zusammenarbeit mit weiteren Mitgliedern des Teilprojektes A06 aufgebaut hatte.

Weitere Verteidigungen von Doktorarbeiten im SFB 1342 folgen in den nächsten Tagen und Wochen.


Kontakt:
Dr. Helen Seitzer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57065
E-Mail: seitzer@uni-bremen.de

Dr. Keonhi Son
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58541
E-Mail: son@uni-bremen.de

Keonhi Son
Keonhi Son
Für ihren Journal-Artikel über die statistische Analyse von Privatisierung und die Rolle der dabei gewählten Indikatoren erhielten Son und ihr Co-Autor Reimut Zohlnhofer den JCPA Best Comparative Article Award.

In ihrem Paper "Measuring Privatization: Comparing Five Indicators of the Disposition of State-Owned Enterprises in Advanced Democracies", erschienen in Volume 21:4 des Journal of Comparative Policy Analysis, untersuchen Son und Zohlnhofer die Anwendung von Indikatoren zur Bestimmung von Privatisierung.

In der wissenschaftlichen Literatur kursieren zahlreiche solcher Indikatoren, die meist als Äquivalente behandelt würden. Dabei werde kaum darauf geachtet, ob sie tatsächlich eng miteinander übereinstimmen. In ihrem Paper stellen Son und Zohlnhofer fest, dass die Korrelationen zwischen diesen Indikatoren erschreckend gering sind. In der Folge habe sich gezeigt,dass die Ergebnisse statistischer Analysen deutlich voneinander abweichen könnten, abhängig davon, welcher Privatisierungsindikator verwendet werde. Son und Zohlnhofer schlagen daher vor, die verschiedenen Indikatoren nicht als Äquivalente, sondern als Messung verschiedener Aspekte von Privatisierung zu betrachten.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für die Auszeichnung Sons und Zohlnhofers mit folgenden Worten:

"'Measuring Privatization' by Son and Zohlnhöfer takes comparative policy analysis seriously and advances the field by shedding light on the multiple dimensions of different dependent variables/indicators that often have been seen as substitutes for each other. The authors highlight the importance of choosing the right indicators to explain phenomena that analysts seek to understand. They illustrate why scholars using large-N data sometimes end up with inconclusive or mixed results when they ignore this fundamental issue. More importantly, this study of state-owned enterprises has implications for other sectors and comparative approaches to important policy issues. The focus on indicators is widely used in comparative policy analysis, and this article contributes to the policy literature on privatization and to the development of methods in the broader field of comparative policy studies."


Kontakt:
Dr. Keonhi Son
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58541
E-Mail: son@uni-bremen.de

Prof. Rueyming Tsay
Prof. Rueyming Tsay
Rueyming Tsay ist derzeit Gastwissenschaftler im Projekt A06 „Entwicklung und Diffusion von Familienpolitik in globaler Perspektive“.

Rueyming Tsay, Professor für Soziologie an der Tunghai-Universität in Taiwan und ein führender Experte für Familienfragen, insbesondere des Alterns, ist derzeit Gast im Projekt A06 des SFB 1342. Seine Forschungsinteressen umfassen zudem die Themenbereiche Bildungssoziologie, Lebensqualität und soziale Ungleichheit. Kürzlich hat er an einer vergleichenden Studie gearbeitet, in der die Auswirkungen des familiären und sozialen Engagements auf die Lebensqualität und Gesundheit der Ältesten in Taiwan, China und den USA untersucht wurden. Die Daten wurden von Forschungsteams der Tunghai University und der University of Hawaii in Manoa gesammelt, um den Alterungsprozess von Chinesen in verschiedenen Gesellschaften und über kulturelle Grenzen hinweg zu vergleichen.

Professor Tsay wird bis Juli 2020 in Bremen bleiben. Sein Fachwissen über asiatische Gesellschaften, insbesondere in Bezug auf die Familienkultur, liefert einen wertvollen Hintergrund für die am SFB durchgeführten Forschungsarbeiten.

Länder in Ost- und Südostasien haben sich in den letzten fünf Jahrzehnten in bezug auf Themen des demografischen und sozialen Wandels rasant verändert. Vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung und familienpolitische Forschung in dieser Weltregion sind jedoch trotzdem rar. Es wurde argumentiert, dass Trends in Bezug auf Ehe und Geburtenrate die Spannung zwischen schnellen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen einerseits und begrenzten Veränderungen der familiären Erwartungen und Verpflichtungen andererseits widerspiegeln. Auch die Altersvorsorge in asiatischen Familien ist für die politischen Entscheidungsträger zu einem wichtigen Thema geworden. Die demografische Entwicklung und der asiatische Ansatz in Bezug auf Sozial- und Familienpolitik hängen daher stark von den traditionellen Familienwerten und -praktiken ab.

Eine Gelegenheit, mehr über die Arbeit von Professor Tsay zu erfahren, bietet sich auch, wenn er im Mai im Rahmen der Jour Fixe Reihe einen Vortrag hält.


Kontakt:
Prof. Sonja Drobnič
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66360
E-Mail: sonja.drobnic@bigsss.uni-bremen.de

Keonhi Son
Keonhi Son
Keonhi Sons kam über den Umweg der Literatur- zu den Sozialwissenschaften. Ihr Interesse gilt dabei der Sozialpolitik von Schwellenländern. Warum die Mängel des südkoreanischen Sozialsystems für sie eine große Motivation sind, erzählt sie im Interview.

Du hast in Südkorea studiert und einen Bachelor-Abschluss gemacht, aber dann hast du deine Karriere komplett umgekrempelt. Bitte erzähl' mal.

Nach meinem Bachelor-Abschluss in Südkorea habe ich ein völlig neues Fach in einem völlig neuen Land begonnen.

Was war dein erstes Thema?

Mein erstes Fach war Englische Literatur, dabei habe ich mich auf englisches Theater spezialisiert. Ich war damals ziemlich begeistert bei der Sache. Aber ich kam an einen Punkt, als ich etwas anderes machen wollte.

Warum? Hast du auf diesem Gebiet gearbeitet und es gefiel dir nicht?

Ich habe ein wenig für eine Theatergruppe gearbeitet und dann bin ich nach London gegangen, um noch ein wenig mehr zu lernen. Anschließend zog ich nach Deutschland, um weiter zu studieren. Aber ich mochte das Theaterstudium in Deutschland wirklich nicht. Da wurde mir klar, dass Literatur und Theater nicht das Richtige für mich sind. Also habe ich überlegt, was mein zweites Lieblingsfach war, nämlich Verwaltungs- bzw. Politikwissenschaften - in Südkorea sind beide sehr gemischt.

In den Fächern hast du also deinen Master in Heidelberg gemacht.

Ja, in Public Policy.

Politik- oder Verwaltungswissenschaften unterscheiden sich sehr von Literatur und Theater - was gefällt dir an dem Thema so gut?

Das Studium der Politikwissenschaft hat mir viel Spaß gemacht. Aber vor allem muss Südkorea seine Sozialpolitik entwickeln. Unser Land hat seine Wirtschaft schnell entwickeln können, die anderen gesellschaftlichen Bereiche aber hinken hinterher. Zu diesen notwenigen Reformprozessen wollte ich beitragen. Ein konkretes Beispiel: Meine Eltern und Verwandten leiden darunter, dass es kein vernünftiges Rentensystem gibt. Ich habe mir gedacht: Vielleicht kann ich in dem Bereich etwas voranbringen. Deutschland war für mich in der Hinsicht der perfekte Studienort, weil es eine lange Geschichte der Sozialversicherungssysteme hat.

Ich habe gelesen, dass Südkorea kürzlich einige Fortschritte in der Sozialpolitik gemacht hat: Die Wochenarbeitszeit wurde reduziert - von 68 auf 52 Stunden!

Immer noch sehr viel!

Arbeiten die Leute tatsächlich so lange?

Ja, das tun sie. Die Menschen haben eine völlig andere Denkweise als die meisten Europäer. Früher hatten die Menschen ein sehr hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit und gleichzeitig dachten sie, sie gehörten zu dem Unternehmen, bei dem sie arbeiteten - sie widmeten ihr Leben ihrem Arbeitgeber. Auch wenn das Unternehmen seine Angestellten ausbeutet hat. Aber lange Zeit waren die Leute damit einverstanden und dachten: Das ist der Ort, an den ich gehöre. Aber jetzt gibt es kaum noch Arbeitsplatzsicherheit in Südkorea. Die junge Leute wollen nicht mehr so lange arbeiten: "Du beschäftigst mich nicht mehr ewig, warum sollte ich also ewig für dich arbeiten?" Die Verkürzung der Arbeitszeit ist also ein gutes Zeichen, aber gleichzeitig auch traurig, da die Arbeitsplätze nicht mehr sicher sind. Wie überall sonst auch.

Was möchtest du in in den nächsten 30 bis 40 Jahren erreichen?

Das ist eine sehr lange Zeit. Ich denke, in unserer Generation werden wir unsere Jobs oft wechseln müssen. Aber ich möchte Wissenschaftlerin bleiben. Ich möchte die Sozialpolitik der Schwellenländer erforschen. Der SFB ist das perfekte Projekt für mich, weil ich dieses Thema schon immer in meiner Heimatregion untersuchen wollte. Ich bin mir nicht so sicher, welche Porsition ich beruflich erreichen will, aber ich weiß, was ich tun will.

Heißt das, dass du die südkoreanische Gesellschaft verändern willst?

Ich möchte dabei ein wenig helfen. Veränderung ist ein großes Wort. Ich möchte zumindest ein gutes Modell für die Sozialpolitik entwerfen, das funktionieren könnte. Als Europa seinen Wohlfahrtsstaat entwickelte, war die Konstellation völlig anders als in Südkorea heute. Wir müssen ein neues Modell der Sozialpolitik entwickeln, wir können das europäische System nicht einfach kopieren. An der Entwicklung eines solchen neuen Systems zu arbeiten ist, was ich tun möchte.

Wenn du alles hättest, was du brauchst: genügend Forschungsgelder, das nötige Wissen, gute Kolleginnen und Kollegen, ausreichend Zeit - welche Forschungsfrage würdest du gernlösen?

Das ist eine sehr große Frage. Ich denke, es ist ziemlich ähnlich zu dem, was ich dir bereits gesagt habe. Die Schwellenländer befinden sich in einer Situation, in der sie unter der Finanzkrise, der raschen Globalisierung, der Deindustrialisierung, der Postindustrialisierung usw. gelitten haben - gerade mit Blick auf diese Probleme müssen diese Länder ihre Sozialpolitik entwickeln. Denn sie haben die Sozialversicherungssysteme viel langsamer entwickelt als ihre Wirtschaft. Und bevor private Unternehmen das gesamte System dominieren werden, sollten sie einen Weg finden, ein funktionierendes öffentliches Sozialsystem zu etablieren.


Kontakt:
Dr. Keonhi Son
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
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