Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.

Anna Wolkenhauer
Anna Wolkenhauer
Anna Wolkenhauer vom InIIS vertritt Alex Veit bis Ende März 2021 in Teilprojekt B09. Wir stellen sie in einem Interview kurz vor.

Du hattest Mitte September deine Verteidigung. Wie ist es gelaufen, kann man dir gratulieren?

Ja, ihr könnt mir gerne gratulieren! Den Titel (PhD) trage ich ja erst mit der Publikation meiner Monografie, aber die Verteidigung ist schonmal sehr gut gelaufen.

Es ist wahrscheinlich unmöglich, aber dennoch: Kannst du in wenigen Sätzen erklären, worum es in deiner Dissertation ging?

Ich bin in meiner Dissertation der Frage nachgegangen, wie Sozialpolitik und Staatswerdung (state formation) im Zeitalter des "Neoliberalismus 2.0" zusammenhängen. Während meiner, sich mittlerweile über viele Jahre erstreckenden, Arbeit und Forschung in Sambia wurde mit der Zeit deutlich, dass hier spannende Dynamiken am Werk sein könnten. So habe ich dort dann Angestellte des Staates, Empfänger*innen von Sozialpolitik, sowie auch Menschen aus der Zivilgesellschaft und aus internationalen Organisationen interviewt, um die vielschichtigen Auswirkungen der neuen sozialpolitischen Programme auf den Staat besser zu verstehen. In einem qualitativen Analyseprozess habe ich verschiedene Mechanismen herausgearbeitet, durch die Staatlichkeit sich vom Zentrum in die Peripherien des Landes ausbreitet, was sich bspw. in der diskursiven Einbeziehung und der Bürokratisierung und Standardisierung der Bevölkerung äußert sowie in politischen Verbindungen und Möglichkeiten der Einflussnahme. Es lässt sich hierbei jedoch eine gewisse Ambivalenz konstatieren: In diese Ausweitung von Staatlichkeit sind die ideologischen sowie praktischen und als natürlich wahrgenommenen Grenzen des Staates bereits eingebaut.

In den kommenden Monaten vertrittst du Alex Veit (Vertretungsprofessor in Marburg)  im SFB-Teilprojekt B09 "Transnationale Wohlfahrt. Aufstieg, Zerfall und Renaissance der Sozialpolitik in Afrika". Welche Aufgaben wirst du im Projekt übernehmen?

Ich werde meine Ergebnisse aus Sambia für vergleichende Diskussionen mit den anderen Länderstudien des Projekts einbringen und bin außerdem dabei, an Publikationen mitzuwirken.

Welche Lehrveranstaltungen übernimmst du im Wintersemester?

Ich biete ein BA-Seminar zu "Politik auf dem Land" sowie eine Übung zur Vorlesung "Internationale Beziehungen" an.

Welche fachlich-beruflichen Pläne hast du für die nächsten Jahre?

Ich fange gerade an, mich noch eingehender mit Politik im ländlichen Raum und ihrer Wechselwirkung mit staatlicher Sozialpolitik zu befassen. Mich interessiert die Frage, wie sich Veränderungen, die mit Globalisierung der Landwirtschaft und der neoliberalen Wende in der Sozialpolitik zusammenhängen, auf die Art und Weise der politischen Beteiligung und des politischen Selbstverständnisses auf dem Land auswirken.


Kontakt:
Anna Wolkenhauer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67463
E-Mail: anna.wolkenhauer@uni-bremen.de

Der Datensatz, an dem Nils Düpont vom SFB 1342 mitgewirkt hat, versammelt Informationen zu politischen Positionen von Parteien seit 1970. Demnach werden demokratische Regierungsparteien weltweit illiberaler, ganz vorn dabei die Republikaner in den USA.

Gemessen am "V-Party Illiberation Index" hat sich die Republikanische Partei seit dem Jahr 2006 schrittweise davon verabschiedet, demokratische Normen hochzuhalten. Der illiberale Schwenk war 2016 so groß, dass die Wahlkampfrhetorik der Republikaner seither derjenigen der AKP in der Türkei und des Fidesz in Ungarn näher steht als der durchschnittlicher Regierungsparteien in demokratischen Ländern der Welt.

Wenngleich die Republikaner unter Trump ein extremes Beispiel sind, steht es doch stellvertretend für einen Trend: Laut dem V-Party Illiberation Index sind in den letzten Jahrzehnten die Regierungsparteien in Demokratien weltweit im Mittel illiberaler geworden. Das bedeutet, dass sie sich tendenziell dem Pluralismus weniger verpflichtet fühlen, politische Gegner eher dämonisieren, Minderheitenrechte ignorieren und sogar zu politischer Gewalt ermutigen.

Der Datensatz "Varieties of Party Identity and Organization Dataset (V-Party)" wurde vom V-Dem Institute an der Universität Göteborg zusammengestellt und umfasst Angaben zu 1560 Wahlen und 1955 politischen Parteien weltweit zwischen 1970 und 2019. 665 internationale Länderexperten haben die politischen Positionen der Parteien über die gesamten Zeitspanne anhand von 30 Indikatoren analysiert und codiert.

Die wichtigsten Ergebnisse aus der Analyse des V-Party-Datensatzes hat das V-Dem Institute in einem Kurz-Report zusammengefasst: V-Dem Institute Briefing Paper #9.

Der gesamte Datensatz kann kostenlos heruntergeladen werden.

Informationen zur Beteiligung von Nils Düpont und dem SFB 1342 an der Erstellung des V-Party-Datensatzes finden Sie hier.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57060
E-Mail: duepont@uni-bremen.de

Gabriela Molina León, Michael Lischka
Gabriela Molina León, Michael Lischka
Gabriela Molina León und Michael Lischka haben 20 Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler befragt, wie thematische Karten für ihre Zwecke beschaffen sein sollten. Die Studie präsentierten sie auf der IEEE Visualization Conference.

Choroplethenkarten (auch Flächendichtekarten genannt - z.B. Bevölkerungsdichtekarten) sind ein gängiges Mittel, um Forschungsergebnisse grafisch darzustellen. Es gibt dabei eine Vielzahl von Variablen, die die Dastellung beeinflussen, darunter die Projektionsart, den Maßstab, das Zentrum der Karte und die Farbskala. Gabriela Molina León und Michael Lischka haben in Zusammenarbeit mit Andreas Breiter mit einer Befragung untersucht, welche Varianten thematischer Karten Sozialwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler für ihre Arbeit bevorzugen. Dafür hatten die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, eine thematische Karte anhand der oben genannten Variablen nach ihren Bedürfnissen und Vorlieben anzupassen.

In einem kurzen Interview erläutern Gabriela Molina León und Michael Lischka ihre Ergebniss, die sie am 28. Oktober 2020 auf der IEEE Visualization Conference vorgestellt haben (eine Preprint-Version des Artikels, der in den Conference Proceedings veröffentlicht werden wird, gibt es hier).


Die beliebtesten Weltkarten - zumindest in Europa - basieren auf der genannten Mercator-Projektion. Sie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erfunden und ist auch heute noch weit verbreitet (mit einigen Variationen), z.B. in Nachrichtensendungen. Ist es Zeit für eine neue Art von Weltkarte, wenn es um die sozialpolitische Forschung geht?

Michael Lischka: Es ist nicht die Zeit für eine neue Art von Weltkarte, aber man sollte ein Gespür für die Eigenschaften einer Karte haben, wenn man sie als Informationsmedium versteht. Jede Karte ist der Versuch, ein dreidimensionales Objekt (Globus) zweidimensional abzubilden. Eine direkte Übertragung aller Eigenschaften ist schlichtweg unmöglich, daher ist jede Weltkartenprojektion ein Kompromiss. Dementsprechend können je nach Verwendungszweck der Karte bessere oder schlechtere Entscheidungen getroffen werden. Grundsätzlich kann man zwischen Karten unterscheiden, die jeweils eine von drei Eigenschaften korrekt darstellen: Flächen (flächengleiche Projektionen), Winkel (konform) oder Abstände (äquidistant). Da wir uns nicht mit Entfernungsmessungen an irgendeinem Punkt befassten, schlossen wir äquidistante Karten von vornherein aus.

Für die Navigation sind konforme Projektionen sinnvoll. Bei kleinen Kartenausschnitten sind Winkel- und Flächengenauigkeit nahezu identisch mit der Realität. Dies ist vor allem bei der Routenplanung (z.B. Google Maps), bei Straßenkarten, im Luft- und Seeverkehr ein großer Vorteil. Aber auf globaler Ebene sieht man starke Größenverzerrungen. Da du gerade Mercator erwähnt hast: Diese Projektion stellt räumliche Einheiten größer dar, je näher sie an den Polen liegen. So scheinen Russland, Kanada, die USA, China und Europa viel größer zu sein. Zumal Europa im Zentrum der Darstellung liegt und damit im Vergleich zu Afrika dominant erscheint. Dies kann auch in einer eurozentrischen Berichterstattung sinnvoll sein. Einige Nachrichtenformate haben sogar Rubriken wie "Europa und die Welt". Aber eine solche Projektion kann nicht für eine Forschung verwendet werden, die Länder des "Globalen Südens" gleichberechtigt einbezieht. Zumindest nicht, wenn Karten als Informationsmedium zur Wissensverbreitung genutzt werden. Projektionen eröffnen eine Perspektive auf die Welt.

Für Choroplethenkarten werden allgemein flächentreue Karten empfohlen. Kannst du kurz erläutern, warum das so ist?

Lischka: Flächengleiche Karten stellen die Größe von Landmassen und räumlichen Einheiten korrekt dar. Auf der negativen Seite wird die Form der Landmassen zwangsläufig verzerrt. Wenn man aber Länder auf der Grundlage bestimmter Daten einfärbt, ohne ihre korrekte Fläche darzustellen, verliert man die Möglichkeit, Länder hinsichtlich der Dichte der dargestellten Variablen zu vergleichen. Die Darstellung der richtigen relativen Flächen ist daher eine wesentliche Eigenschaft von Karten, um zuverlässige vergleichende Aussagen zwischen Weltregionen und Ländern treffen zu können. Die einfachsten Beispiele sind Bevölkerungsdichte, Waldbedeckung und landwirtschaftliche Nutzung. Derartige Informationen auf Karten, die nicht flächengetreu sind, können zu Fehlinterpretationen durch den Betrachter führen.

Da flächengleiche Karten Länder so stark verzerren können, dass sie nicht erkannt werden, werden oft Karten verwendet, die einen Kompromiss zwischen Flächengröße und Form eingehen. Zum Beispiel die Winkels-Projektion, die in deutschen Schulatlanten verwendet wird. Weltkarten dieser Art bieten sowohl Gebiets- als auch Formtreue und ermöglichen das Wiedererkennen von räumlichen Einheiten.

Ihr habt die Präferenzen von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern untersucht. Wie sieht ihre Lieblings-Choroplethenkarte aus und warum?

Lischka: Für ihre eigenen Forschungsprojekte war die Equal-Earth-Projektion die dominierende Wahl unter den Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern, die an unserer Studie teilgenommen haben. Sie hatten ein ganzes Konglomerat von Gründen - von "ästhetisch ansprechend" bis "sieht richtig aus", "formgetreu" und "flächengetreu". Letztendlich zielte die erste Aufgabe unserer Studie auf die individuellen Bedürfnisse der Forscher ab. Einige von ihnen konzentrierten ihre Forschung auf bestimmte Regionen der Welt, so dass sie die Zoom-Funktion nutzten und genau auf die Wiedererkennbarkeit der jeweiligen Region achteten.

Abbildung 1: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Equal-Earth-Projektion

Abbildung 1: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Equal-Earth-Projektion

Für die beste Darstellung der Forschung über den Globalen Süden setzte sich in unserer Studie die Gall-Peters-Projektion durch, allerdings nur mit knappem Vorsprung. Tatsächlich war die Verteilung sehr ausgewogen. Diese kleine Abweichung ist wahrscheinlich auf die Aufgabe zwei, die wir den Teilnehmern gestellt haben, und den dort erwähnten Hinweis auf die Karte zurückzuführen. Gall-Peters verzerrt am offensichtlichsten die Länderformen und zeigt ein strenges Koordinatensystem, das demonstrativ die Treue zur Gebietsgröße suggeriert. Die Forscher wussten nicht, dass alle Projektionen, die wir ihnen anboten, flächengleich waren, und entschieden daher "im Sinne der Objektivität", teilweise gegen ästhetische Überzeugungen und den Wiedererkennungswert.

Abbildung 2: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Gall-Peters-Projektion

Abbildung 2: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Gall-Peters-Projektion

Es ist nicht nur die Art der Projektion, die eine "gute" Choroplethenkarte der Welt ausmacht - wie sieht es mit den Farben aus?

Gabriela Molina León: Es gibt bekannte Werkzeuge, die mehrere Farbschemata für Choroplethenkarten empfehlen und zum Testen anbieten, wie z.B. Color Brewer. Deshalb haben wir die fünf Farbschemata unserer Studie entsprechend ihren Empfehlungen ausgewählt.

Da die Choroplethenkarte unserer Studie Daten zur Lebenserwartung visualisierte, haben wir sequenzielle Skalen verwendet. Bei der Wahl eines Farbschemas bestimmen die Daten, welche Art von Skala am besten passt: Wenn die visualisierte Variable zwei entgegengesetzte Richtungen kodiert (z.B. negative und positive Temperaturwerte), dann ist eine Skala mit divergierenden Farben (z.B. von dunkelrot bis dunkelblau) am besten geeignet. Wenn die Daten kategorial sind, wird ein kategoriales Schema empfohlen.

Für den Fall von sequentiellen Skalen wurde kürzlich bestätigt, dass Leser dazu neigen, dunklere Farben mit höheren Werten zu assoziieren, daher haben wir Farbschemata bevorzugt, die dieser Assoziation folgen.

Welches waren die Farben der Wahl unter den Wissenschaftlern, mit denen Sie zusammengearbeitet haben?

Molina León: Das gelb-grün-blaue Farbschema (YlGnBu, verfügbar unter https://observablehq.com/@d3/color-schemes) war das am häufigsten gewählte Schema. Von den 40 Karten, die von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt wurden, verwendeten 23 dieses Schema.

Interessanterweise erwähnten sie in ihrer Argumentation etwas, das wir nicht erwartet hatten: Sie wünschten sich ein graues Farbschema (oder eines, das in Graustufen gut aussieht), weil sie oft nicht die Möglichkeit haben, in ihren Publikationen Farben zu verwenden.


Kontakt:
Michael Lischka
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57061
E-Mail: lischka@uni-bremen.de

Gabriela Molina León
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57067
E-Mail: molina@uni-bremen.de

In einem dreitägigen SFB/ERC-Workshop erörtern internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einfluss der Politik und Strukturen europäischer Kolonialmächte auf die Entwicklung sozialer Sicherung im Globalen Süden.

In ihrer Keynote zum Auftakt des Workshops "Colonialism and Social Protection" am 26. September sprach Gurminder Bhambra von der University of Sussex über die Varianten des europäischen Kolonialismus, der zu Beginn vor allem von Handelsinteressen geprägt gewesen sei. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts stand die Ausweitung des beherrschten Territoriums im Vordergrund. Der Wohlstand der europäischen Nationalstaaten – damals wie heute - basiere auf dem Kolonialismus, sagt Bhambra, der bis heute die Wurzel globaler Ungleichheiten sei. Bezogen auf die Kolonialmächte hält sie den Begriff Nationalstaat für unpassend, imperiale Staaten bzw. koloniale Empire seien treffender.

Bastian Becker vom SOCIUM erläuterte in einem Vortrag, warum ein akteurszentrierter Forschungsansatz wichtige Erkenntnisse liefern kann. Schließlich sei der Kolonialismus durch verschiedenste Akteure auf verschiedenen Ebenen beeinflusst worden (sowohl innerhalb der Kolonien als auch auf transnationaler Ebene).

Michele Mioni vom SOCIUM erläuterte den Einfluss Großbritanniens und Frankreichs sowie Internationaler Organisationen auf die Sozialpolitik in den (ehemaligen) Kolonien nach 1945. Mioni sagte, die Kolonialmächte und die IOs (ILO und UN) hätten zwar unterschiedliche sozialpolitische Auffassungen vertreten, es sei aber auch zu Kooperationen gekommen.

Jessica Lynne Pearson vom Macalester College skizzierte die koloniale Gesundheitspolitik. Die ersten Public-Health-Programme seien Massenimpfungen und Mutter-Kind-Programme gewesen. Generell habe der Schwerpunkt kolonialer Gesundheitspolitik auf der Prävention gelegen.

Marlous van Waijenburg von der Harvard Business School analysierte die Fiskalpolitk der Kolonialmächte. Ein Ziel sei gewesen, die Kosten sozialpolitischer Programme in den Kolonien durch lokal erhobene Steuern zu decken. Das Ergebnis sei eine große Bandbreite unterschiedlicher Besteuerungssysteme innerhalb der Kolonialstaaten gewesen, typisch aber sei eine Besteuerung der Arbeitskraft gewesen (bis hin zu Zwangsarbeit).

Der Workshop "Colonialism and Social Protection", organisiert von Carina Schmitt, geht am 2. Oktober in die zweite Runde und endet mit einer dritten Sitzung am 9. Oktober.


Kontakt:
Prof. Dr. Carina Schmitt
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58603
E-Mail: carina.schmitt@uni-bremen.de

Keonhi Son
Keonhi Son
Für ihren Journal-Artikel über die statistische Analyse von Privatisierung und die Rolle der dabei gewählten Indikatoren erhielten Son und ihr Co-Autor Reimut Zohlnhofer den JCPA Best Comparative Article Award.

In ihrem Paper "Measuring Privatization: Comparing Five Indicators of the Disposition of State-Owned Enterprises in Advanced Democracies", erschienen in Volume 21:4 des Journal of Comparative Policy Analysis, untersuchen Son und Zohlnhofer die Anwendung von Indikatoren zur Bestimmung von Privatisierung.

In der wissenschaftlichen Literatur kursieren zahlreiche solcher Indikatoren, die meist als Äquivalente behandelt würden. Dabei werde kaum darauf geachtet, ob sie tatsächlich eng miteinander übereinstimmen. In ihrem Paper stellen Son und Zohlnhofer fest, dass die Korrelationen zwischen diesen Indikatoren erschreckend gering sind. In der Folge habe sich gezeigt,dass die Ergebnisse statistischer Analysen deutlich voneinander abweichen könnten, abhängig davon, welcher Privatisierungsindikator verwendet werde. Son und Zohlnhofer schlagen daher vor, die verschiedenen Indikatoren nicht als Äquivalente, sondern als Messung verschiedener Aspekte von Privatisierung zu betrachten.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für die Auszeichnung Sons und Zohlnhofers mit folgenden Worten:

"'Measuring Privatization' by Son and Zohlnhöfer takes comparative policy analysis seriously and advances the field by shedding light on the multiple dimensions of different dependent variables/indicators that often have been seen as substitutes for each other. The authors highlight the importance of choosing the right indicators to explain phenomena that analysts seek to understand. They illustrate why scholars using large-N data sometimes end up with inconclusive or mixed results when they ignore this fundamental issue. More importantly, this study of state-owned enterprises has implications for other sectors and comparative approaches to important policy issues. The focus on indicators is widely used in comparative policy analysis, and this article contributes to the policy literature on privatization and to the development of methods in the broader field of comparative policy studies."


Kontakt:
Keonhi Son
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58541
E-Mail: son@uni-bremen.de

Dr. Alex Veit (Foto: Caroline Wimmer)
Dr. Alex Veit (Foto: Caroline Wimmer)
Der Co-Leiter von Teilprojekt B09 wechselt für die kommenden sechs Monate ans Zentrum für Konfliktforschung. Seine Arbeit im SFB 1342 bleibt davon unberührt.

Lieber Alex, du gehst als Vertretungsprofessor an die Universität Marburg - herzlichen Glückwunsch! Wen vertrittst du dort?

Alex Veit: Danke! Ich vertrete den Kollegen Thorsten Bonacker am Zentrum für Konfliktforschung.

Für wie lange?

Von Oktober bis März kommenden Jahres, also für das Wintersemester.

Was sind deine Pläne für die Zeit am ZfK?

In der Lehre unterrichte ich die Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung sowie Seminare zu humanitären militärischen Interventionen und zur politischen Ökonomie und sozialen Bewegungen im Globalen Süden.

In der Forschung befasse ich mich mit der Internationalisierung von Staatlichkeit in Afrika durch die Einbindung internationaler Akteure in staatliche Kernaufgaben. Leitfragen sind dabei: Wie kann die Rolle internationaler Organisationen, bilateraler Geldgeber und von Entwicklungsorganisationen in der Organisation von Sicherheit, Wohlfahrt und Entwicklung theoretisch verstanden werden? Welche Auswirkungen hat die Machtposition internationaler Akteure auf das Verhältnis von Staaten zu ihren Bürgern? Und welche Konflikte entstehen durch die Internationalisierung von Staatlichkeit, welche Muster von Konfliktaustragung sind zu beobachten?

Was bedeutet all das für deine Arbeit bei uns im SFB?

Die Forschung im Teilprojekt B09 geht natürlich weiter, in der gegenwärtigen Phase vor allem durch die Vorbereitung von Publikationen.


Kontakt:
Dr. Alex Veit
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67471
E-Mail: veit@uni-bremen.de

Kristin Noack, Dr. Anna Safuta
Kristin Noack, Dr. Anna Safuta
Anna Safuta und Kristin Noack analysieren in einem Podcast-Interview die Arbeitsbedingungen migrantischer Live-in-Pflegekräfte in Deutschland, die sich in einer rechtlichen Grauzone zu einem Pfeiler der Langzeitpflege entwickelt haben.

Anna Safuta und Kristin Noack forschen in Teilprojekt B07 zu transnationaler Dienstleistungserbringung in der Langzeitpflege. Mit dem feministischen Lila Podcast sprachen sie über die Situation überwiegend osteuropäischer Pflegekräfte, die in geschätzt 300.000 deutschen Privathaushalten Pflegebedürftige betreuen – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, bis zu drei Monate am Stück.

"Die Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen sind durch die permanente Bereitschaft schwierig, Ruhezeiten sind kaum einzuhalten und die Abgrenzung von der Arbeit ist schwer möglich", sagt Kristin Noack. 90 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse seien nicht regulär, die Pflegerinnen sind meist als Selbständige oder als entsendete Arbeiterinnen gemeldet. "Dadurch kommt es zu rechtlichen Problemen", sagt Noack: etwa dass kein Mindestlohn gezahlt wird oder die Höchstarbeitszeit überschritten werde.

Die Covid-19-Pandemie, während der migrantische Pflegekräfte im Zuge von Quarantänebestimmungen Probleme bei der Einreise nach Deutschland hatten, rückte dieses sonst kaum sichtbare Segment der Pflegewirtschaft in den Fokus. Und damit die schlechten Bedingungen, zu denen die Frauen arbeiten. "Feministinnen haben über dieses Thema schon seit Jahrzehnten gesprochen", sagt Anna Safuta, "aber es war eine Pandemie nötig, damit einer breiten Öffentlichkeit klar wird: Migrantische Pflegearbeit findet unbeachtet statt, wird geringgeschätzt und ist unterbezahlt." Der demografische und sozioökonomische Wandel finde seit vielen Jahren statt und bringe Probleme mit sich, zu deren Bewältigung migrantische Pflegekräfte beitrügen – "aber auf wessen Kosten?" Langzeitpflege dürfe kein Privatproblem von Familien sein, das durch die Ausbeutung unterbezahlter Migrantinnen gelöst werde. "Die Arbeitsverhältnisse der migrantischen Live-in-Pflegekräfte sollten auf nationaler und europäische Ebene reguliert und normalisiert werden", sagt Safuta.

"Das System der 24-Stunden-Pflege ist offensichtlich nicht nachhaltig", sagt Noack. Es müsse mit ambulanten Pflegeangeboten anderer Träger, Nachbarschaftshilfen und auch Arbeit von Familienangehörigen kombiniert werden. Einige Initiativen in dieser Richtung gebe es bereits.

Das gesamte Interview mit Anna Safuta und Kristin Noack ist auf der Website des "Lila Podcasts" zu hören (Ausgabe vom 24. September 2020, ab Minute 35:00).


Kontakt:
Kristin Noack
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58604
E-Mail: knoack@uni-bremen.de

Dr. Anna Safuta
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58597
E-Mail: anna.safuta@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz Rothgang
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB-Mitglied Heinz Rothgang begrüßt den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Die Stellen könnten aber nur besetzt werden, wenn die Bundesländer ihre verbindlichen Fachkräftequoten änderten.

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, wonach in Deutschland 20.000 zusätzliche Stellen für Hilfskräfte in der vollstationären Altenpflege über die Pflegeversicherung finanziert werden sollen. Der Eigenanteil der Pflegebedürftigen soll dadurch nicht steigen.

SFB-Mitglied Heinz Rothgang, der mit Kolleginnen und Kollegen ein Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Pflegeeinrichtungen entwickelt hat, bewertet den Gesetzentwurf positiv: „Es ist ein erster Schritt – nicht mehr und nicht weniger. Der Vorschlag an sich ist erstmal gut und in Ordnung“, sagte er im Interview mit buten un binnen. Das neue Bemessungsverfahren ergab jedoch, dass in der Langzeitpflege bundesweit insgesamt 100.000 zusätzliche Vollzeitstellen nötig sind, was einem Personalzuwachs von einem Drittel im Vergleich zu heute entspricht. „Wir brauchen in Deutschland etwa drei bis vier Prozent mehr Fachkräfte“, sagte Rothgang, „aber 70 Prozent mehr Hilfskräfte.“

Die geplante Finanzierung der 20.000 Hilfskraftstellen über die Pflegeversicherung ist eine notwendige Vorrausetzung, aber der praktischen Umsetzung stehen Regelungen auf Bundesländerebene entgegen. „In fast allen Ländern … verlangen wir einen Fachkräfteanteil unter den Pflegekräften von 50 Prozent. Wenn eine Einrichtung sie unterschreitet, drohen rechtliche Schritte und eventuell die Schließung“, sagte Rothgang im Interview. Die Bundesländer müssten daher diese Regelungen ändern, sonst riskiere man, dass die Stellen nicht besetzt würden.

Eine Verringerung der Pflegequalität erwartet Rothgang nicht, wenn die Fachkräftequote sinkt: „Wenn Hilfskräfte zusätzlich hinzukommen, ohne dass Stellen für Fachkräfte gestrichen werden, sollte das nicht zu Nachteilen führen. Wenn zusätzliche Hilfskräfte die Fachkräfte entlasten, resultiert daraus eine gestiegene Pflegequalität – bei einer sinkenden Fachkraftquote.“

Der Abschlussbericht des Projektes zur Entwicklung und Erprobung des wissenschaftlichen fundierten Verfahrens zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Pflegeeinrichtungen ist am 23.09.2020 abgenommen und veröffentlicht worden.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de