Archiv

News filtern
Suchergebnis:

Hubertus Heil und Eva Quante-Brandt
Hubertus Heil und Eva Quante-Brandt
Hubertus Heil war Gast beim SOCIUM und SFB 1342. Der Bundesminister diskutierte über Rentenreformvorschläge und die Zukunft der Sozialpolitikforschung.

Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, hat am Freitag mit Mitgliedern des Sonderforschungsbereichs "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und des SOCIUMS diskutiert. Themen waren dabei renten- und arbeitsmarktpolitische Reformvorhaben sowie die Lage der Sozialpolitikforschung.

Niedrige Renten und wachsende Altersarmut sind ein drängendes Problem, das die Legitimation der Gesetzlichen Rentenversicherung insgesamt in Frage stellt. Heil sagte, er warte gespannt auf die Empfehlungen der Rentenkommission, die für März 2020 erwartet werden. Die Regierung könne aber bis dahin aber nicht "keine Rentenpolitik" machen. Im Zusammenhang mit seinem jüngsten Rentenreformvorschlag, der Einführung einer sogenannten Grundrente, fragte Heil die anwesendem Sozialpolitikforscherinnen und -forscher, ob sie eine Bedürftigkeitsprüfung für ratsam hielten. Frank Nullmeier, Sprecher des SOCIUMS und Vorstandsmitglied im SFB 1342, sagte, eine Bedürftigkeitsprüfung sei nicht ratsam, die Wissenschaft sei sich in diesem Punkt einig.

Die Grundrente erfasse, so Nullmeier, die wachsende Gruppe der prekären Selbständigen nicht, die aber in besonderem Maße von Altersarmut bedroht seien. Um deren Altersarmut zu begegnen, brachte Nullmeier eine "Digitale Sozialversicherung" ins Spiel: Betriebsstätten der Digitalwirtschaft, z.B. Internetknotenpunkte, könnten mit einer ans Datenvolumen gekoppelten Abgabe belegt werden, um arbeitgeberäquivalente Beitragszahlungen zur Gesetzlichen Rentenversicherung prekärer Selbständiger zu generieren (ähnlich wie die Künstlersozialversicherung). Heil sagte daraufhin, wie Abgrenzung der Selbständigkeit sei in vielen Fällen schwierig, das Konzept sei aber interessant.

"Als Arbeits- und Sozialminister bin ich auf Sozialpolitikforschung über den tagespolitischen Zeithorizont hinaus angewiesen, um Probleme frühzeitig zu erkennen und lösen zu können", sagte Hubertus Heil. Sein Ministerium habe mit dem Fördernetzwerk interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) einen ersten wichtigen Schritt zur Förderung der Sozialpolitikforschung getan. Weitere Vorhaben sollen folgen. Konkret wurde der Minister in diesem Punkt nicht. Er sagte lediglich: "Ich träume von einem DIW der Sozialpolitikforschung." Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist eines der größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute und wird als eingetragener Verein vom Land Berlin und der Bundesregierung finanziert, weitere Mittel stammen aus Drittmittelprojekten und Spenden.

Prof. Dr. Klaus Schlichte
Prof. Dr. Klaus Schlichte
Klaus Schlichte berichtet von seinem Forschungsaufenthalt in Uganda, bei dem er durch systematische Recherche, geplante Irritationen und nicht zuletzt durch Zufälle vieles über die dortige Sozialpolitik erfuhr.

Lieber Herr Schlichte, für das Teilprojekt B09 waren sie kürzlich für rund zwei Monate in Uganda. Was war das Ziel des Aufenthalts?

Es ging mir darum, ein allgemeines Mapping zu machen. Denn die Sozialpolitik in Afrika ist bei Weitem nicht so erforscht wie in der OECD oder Europa. Und es gibt dort Formen von Sozialpolitik, die im Globalen Norden weniger präsent sind, wie etwa die Subventionierung von Grundnahrungsmitteln oder die Vorbeugung von Epidemien. Mein Ziel war also, dazu Stimmen zu sammeln: Was denken die Menschen über die sozialpolitischen Verhältnisse in Uganda? Wie sind die Positionen der Regierungsseite? Was denken die Krankenschwestern, Ärzte oder Lehrergewerkschaften? Ich wollte aber auch wissen, wie "ordinäre" Leute, also Nicht-Experten, im Alltag mit der Frage von Krankheit und Gesundheitsvorsorge umgehen. Es gab dabei keine übergeordnete Fragestellung: Beim Mapping versucht man, eine Collage zusammenzustellen und offen zu sein für alles, was sich ergibt.

Aber Sie sind doch sicher nicht unvorbereitet nach Uganda geflogen ...

Das natürlich nicht. Ich habe früher schon in Uganda zu anderen Themen gearbeitet und habe deshalb eine ganze Reihe von Kontakten. Dennoch wollte ich nicht mit einer engen Fragestellung auf die Materialsuche gehen. Wir nennen das Feldforschung, hochtrabend könnte man es auch Ethnographie nennen. Natürlich mache ich auch Experteninterviews, aber die Alltagsgeschichten gehören genauso dazu wie all das, was in der Zeitung steht und was die Leute beiläufig erzählen. Außerdem sammle ich alle möglichen Dokumente, informelle Papiere zum Beispiel von in Uganda tätigen Entwicklungshilfeorganisationen. Die Annahme ist: Alles ist Material. Alles, was man sieht, hört und findet. Es gibt da keine Grenze.

Sie sind also mit einem Koffer nach Kampala geflogen und mit fünf Koffern heimgekehrt? Oder ernsthaft: Wie dokumentieren Sie beim Mapping Ihre Arbeit?

Früher, als alle Unterlagen noch gedruckt waren, habe ich tatsächlich Postsäcke gepackt und nach Deutschland verschickt. Aber das ist natürlich heute auch in Uganda fast alles digitalisiert und passt alles auf einen USB-Stick und in ein paar Mappen.

Und die Gespräche mit Menschen schneiden Sie mit?

Manchmal. Die meisten allerdings nicht. Viele Gespräche sind Alltagskonversationen, da wäre es sehr merkwürdig, anderen mit dem Mikro vor der Nase herum zu hantieren. Ich mache mir in der Regel in Gesprächen Notizen und schreibe hinterher alles ausführlich auf. Das ergibt dann später ein Transkript des Gesprächs. Entscheidend ist, dass ich mich gleich hinsetze. Deshalb gehe ich nach Gesprächen sofort ins Café, nach Hause oder in die Bibliothek und schreibe ein Gesprächsprotokoll auf der Grundlage der Notizen.

Gab es etwas auf Ihrer Reise, dass Sie überrascht hat?

Was mich überrascht hat ist, dass sämtliche „policies“ unheimlich stark der Demokratiemaschine Ugandas unterworfen ist. Das geht so weit, dass viele ugandische Experten mittlerweile an der Demokratisierung zweifeln, weil der politische Wettbewerb so scharf geworden ist, dass er Interferenzen in allen möglichen Politiken kreiert.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen wir die Polizeiarbeit in Uganda. Während der Wahlkämpfe ist die gesamte Polizei im Auftrag der Regierung unterwegs. Alles wird eingesetzt, damit der Präsident geschmeidig durch das Land reisen kann und die Massen organisiert werden können, um ihm zuzujubeln. Dabei bleibt die normale Polizeiarbeit auf der Strecke, wobei die Ressourcen der Polizei ohnehin nicht üppig sind. Dieses Prinzip erstreckt sich aber auch auf die Schulen und die Gesundheitsversorgung. Man generiert politische Unterstützung über die Verteilung der ohnehin knappen öffentlichen Ressourcen. Das kennen wir zwar auch aus Deutschland auch: bestimmte Regionen und Fraktionen werden mit Mitteln ausgestattet, um Loyalität zu erzeugen. In Uganda geschieht das in radikaler Form, was mit der verbreiteten Armut zu tun hat. Die Amtsinhaber setzen den gesamten Staat für den politischen Wettbewerb in Gang. Sogar intellektuelle, liberale und fortschrittliche Leute sagten mir, man sollte weniger wählen und in größeren Abständen, weil zu viel Geld und zu viele Ressourcen verpulvert werden für die Herstellung von Loyalität. Mich hat überrascht, wie kritisch die Stimmung mittlerweile gegenüber demokratischen Verfahren ist.

Wahlen finden in Uganda finden alle fünf Jahre statt.

Ja, in der Regel amtiert der Präsident fünf Jahre, auch das Parlament wird alle fünf Jahre gewählt. Das klingt nach einem entspannten Rhythmus. Aber die Loyalität muss auch zwischendrin gesichert werden. Man braucht Parlamentsmehrheiten. Und das Parlament nicht so stark durch Parteien diszipliniert wie bei uns, sondern die Loyalität von Abgeordneten wird auch gesteuert über den Bau von Krankenhäusern, Straßen und dergleichen. Denn die Abgeordneten stehen unter einem gewissen Druck, ihrem Wahlkreis etwas liefern zu müssen.

Womit wir bei der der Sozialpolitik wären.

Wo werden die Krankenhäuser gebaut? Wo sie nötig sind, oder wo der Abgeordnete wohnt, dessen Unterstützung gebraucht wird? Diese Logik hat mich überrascht. Ich glaube, Uganda ist da kein Einzelfall, man wird das in ganz vielen Staaten beobachten können, auch weit über Afrika hinaus: Das politische Establishment ist gleichzeitig auch unternehmerisches Establishment. Zum Beispiel ist der Permanent Secretary of State im Bildungsministerium gleichzeitig der Besitzer von mehreren privaten Secondary Schools. Ähnliches sieht man bei vielen Parlamentsabgeordneten. Das sind politische Unternehmer, die mit der Privatisierung von Bildung und Gesundheit stark verknüpft sind. So ist eine Oligarchie entstanden, die gar kein Interesse daran haben kann, Bildung und Gesundheit wieder zum öffentlichen Gut zu machen. Der boomende Markt gerade für Bildung in Uganda ist fest in der Hand derer, die auch politisch das Sagen haben. Eine Locked-in-Situation, die so arretiert ist, dass man sich fragt: Wie soll sich das jemals wieder ändern? Das ist vielleicht eine zweite These, die aus dem Aufenthalt hervorgegangen ist.

Ich stelle es mir schwierig vor, solche Dinge wie die Verquickungen des Permanent Secretary of State im Bildungsministerium vor Ort zu verifizieren.

So etwas sagen einem die Menschen natürlich nicht ins Mikrofon, sondern im Vertrauen. Aber man kann so etwas genauso verifizieren wie beispielsweise in Deutschland, indem man zur Handelskammer geht und nachschaut, wer dort als Unternehmer für was eingetragen ist.

Ich frage deshalb, weil Ihr Kollege Roy Karadag in Ägypten ein ähnliches Mapping versucht hat und zumindest bei Behörden und Ministerien abgeblockt wurde.

Das ist in Uganda ganz anders. Bei Behörden und Ministerien muss man sich am Empfang registrieren, aber dann kann man sich – und das macht es für die Forschung eben unheimlich leicht - im Gebäude völlig frei bewegen. Man klopft einfach an die Türen. Man muss vielleicht warten oder am nächsten Tag wiederkommen, aber es gibt grundsätzlich immer Gesprächsbereitschaft. Uganda ist da viel liberaler als zum Beispiel Deutschland.

Bei Ihrer Mapping-Methode sind Sie auch auf Zufälle angewiesen. Ein solcher Zufall hat Sie mit dem ugandischen Krankenhaussystem vertraut gemacht. Würden Sie das kurz erzählen?

In Kampala habe ich bei einer ehemaligen Doktorandin gewohnt, die Zimmer untervermietet. In dem Haus wohnte neben einer Nachrichtensprecherin auch der Onkel meiner Vermieterin, der vom Land nach Kampala gekommen war, weil er Zungenkrebs hatte. Sein Beispiel machte mir deutlich, wie das Gesundheitssystem Ugandas System funktioniert und welche Rolle Familie, Verwandtschaft und Freundschaft als Funktionsprinzip der sozialen Sicherung spielen. Uganda hat etwa 40 Millionen Einwohner. Für Menschen, die keine private Krankenversicherung haben und sich Operationen nicht leisten können – also etwa 98 Prozent der Bevölkerung -, gibt es im gesamten Land genau eine Station, wo Krebsoperationen möglich sind. Der Onkel wäre gestorben, wenn seine Nichte nicht einen Job hätte, durch den sie den Krankenhausaufenthalt finanzieren konnte. Das war die erste Bedingung, warum er heute noch lebt. Die zweite war, dass in dem Krankenhaus 20 Ärzte aus Chicago zwei Wochen lang ohne Entgelt operierten - Tag und Nacht im Wechselschichtbetrieb. Nur deshalb war die Operation zu dem Zeitpunkt möglich. Denn die meisten Ärzte und Pfleger, die in den öffentlichen Krankenhäusern Ugandas arbeiten, können von ihrem Gehalt nicht leben, weshalb sie auch noch in Privatkliniken tätig sind. Das erklärt, warum Krebsoperationen in Uganda nicht in der Geschmeidigkeit ablaufen, wie das bei uns der Fall ist.

Wie ging es mit dem Mann weiter?

Es gibt keine Reha-Kliniken in Uganda, daher wurde er ein paar Tage nach der Operation entlassen. Für jemanden vom Land stellt sich dann die Frage: Wie kommt man aus dem Krankenhaus wieder nach Hause? Das Medianeinkommen in Uganda liegt bei 55.000 Schilling im Monat, umgerechnet etwa 25 Euro. Der Transport von Kampala aufs Land, sagen wir mal 400 Kilometer weit, kostet etwa 30.000 Schilling, also ein mittleres Monatseinkommen. Viele Patienten sind deshalb auf Hilfe angewiesen. Und so schießen wildfremde Menschen noch am Krankenhaus solchen Patienten etwas zu. Das klingt jetzt romantisch, hat aber auch eine Schattenseite: Denn diese Art von moralischen Verpflichtungen sind auch der Hintergrund dessen, was wir als Korruption denunzieren. Irgendwo muss das Geld schließlich herkommen. Wenn es Massenarmut gibt, gibt es auch Korruption – nicht, weil die Leute schlecht sind, sondern im Gegenteil: Weil umverteilt werden muss und der Zugang zu öffentlichen Ressourcen der wichtigste Zugang zu Ressourcen überhaupt ist.
Wie all das im Gesundheitssektor miteinander verschränkt ist, war mir vorher nicht so klar. Das ist vielleicht der wichtigste Grund für diese Form von Forschung. Für Experteninterviews müsste ich nicht nach Kampala fliegen. Was ich dort suche, sind eher „geplante“ Irritationen. So entdecke ich Dinge und Zusammenhänge, von denen ich vorher wenig wusste, die aber wichtig sind.

Wie schließt sich jetzt Ihre weitere Arbeit daran an?

Nach dem Sammeln des Materials in Uganda gibt eine Phase der Distanzierung. Vieles entdeckt man erst, wenn man sich das Material später wieder anguckt, auch weil man inzwischen andere Sachen gelesen und sich mit anderen unterhalten hat. Ich habe vor 20 Jahren angefangen, mich mit Uganda zu beschäftigen, und die Aufzeichnung von damals sind immer noch auskunftsreich. Ich werde jetzt einen Aufsatz zu Uganda [Anmerkung: Könnten Sie das etwas genauer sagen, worum es in dem Aufsatz gehen wird?] und einen zur kolonialen Sozialpolitik schreiben. Bis Sommer werden die Manuskripte fertig sein. Unsere Forschung in dem Teilprojekt B09 hat aber auch eine historische Dimension. Wir wollen das Auf und Ab von Sozialpolitiken in sechs afrikanischen Ländern erfassen und analysieren. Dann halten wir die Analysen nebeneinander. Gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede? Was geschieht zeitgleich, was phasenversetzt und warum? Welche äußeren Einflüsse gibt es? Sind sie gleichgerichtet oder widersprüchlich? Das sind die Fragen, die wir in der ersten SFB-Förderphase klären werden. Aber wir wollten jetzt schon durch das Mapping erkunden, welche Entwicklungen es in der Sozialpolitik in Afrika gibt und welche Fragen sich daraus ergeben, die wir in der zweiten Phase des SFB bearbeiten können.


Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Schlichte
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67475
E-Mail: kschlich@uni-bremen.de

Kristin Noack und Greta-Marleen Storath
Kristin Noack und Greta-Marleen Storath
Kristin Noack und Greta-Marleen Storath, Doktorandinnen am SFB 1342, erzählen im Interview, warum sich ihre Teilnahme an der 10. NordWel Summer School in Helsinki 2018 für sie gelohnt hat.

Greta-Marleen und Kristin, ihr wart letztes Jahr in Helsinki zur 10. NordWel Summer School. Könnt ihr anderen PhD-Studentinnen und -Studenten die Summer School empfehlen?

Greta-Marleen Storath: Ja, auf jeden Fall. Die Atmosphäre in Helsinki war total nett und offen und sehr unterstützend. Es war ja unsere erste Summer School, gleich zwei Monate nachdem wir unsere Doktorarbeiten angefangen hatten. Alle haben verstanden, dass wir noch ganz am Anfang waren.

Die Nordwel Summer School eignet sich also für sowohl für PhD-Studierende, die gerade anfangen, als auch für solche, die schon weiter sind?

Great-Marleen Storath: Ja. Die Summer School war darauf ausgerichtet, alle PhDs zu unterstützen und ein offenes Forum zu schaffen. Ich habe mich sehr wohlgefühlt.

Kristin Noack: Das kann ich unterstreichen. Was ich außerdem besonders an der Summer School fand, war der interdisziplinäre Ansatz. Durch die Vorträge bekamen wir Input aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Wir sind danach mit neuen Ideen nach Hause gegangen.

Auf der NordWel Summer School präsentieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils ein Paper, das anschließend diskutiert wird. Ihr hattet zu dem Zeitpunkt ja gerade erst eure Doktorarbeiten angefangen - habt ihr dennoch etwas präsentiert?

Greta-Marleen Storath: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sehr unterschiedliche Arbeiten vorgestellt: Manche haben Artikel, manche einen Teil aus der Dissertation präsentiert. Wir haben unseren ersten Proposal-Entwurf vorgestellt und darauf sehr hilfreiches Feedback bekommen.

Hat euch das Feedback weitergeholfen, wenn ihr jetzt ein Jahr später darüber nachdenkt?

Kristin Noack: Ja, absolut. Bei der NordWel Summer School wird das eingereichte Paper von einem Senior researcher und einer anderen promovierenden Person kommentiert und dann in der größeren Runde diskutiert. Die Kollegin, die mein Proposal kommentiert hat, kam aus einem ähnlichen Bereich und hat mir sehr detailliertes Feedback gegeben und dabei sehr konkrete Sachen aus dem Proposal herausgepickt. Das war wirklich gut.

Greta-Marleen Storath: Ich schreibe meine Arbeit zu Schweden, und in Helsinki war auch eine schwedische Forscherin dabei, die mir ein sehr gutes Feedback gegeben hat. Was ich außerdem sehr hilfreich fand: Während der Summer School kommentiert man ein Paper einer Kollegin oder eines Kollegen. Das fand ich genauso lehrreich, wie mein eigenes Proposal vorzustellen.

Und wie war die Atmosphäre zwischen euch Doktorandinnen und Doktoranden - konstruktiv oder konkurrierend?

Kristin Noack: Super-unterstützend. Wir haben zwar schon Kritik bekommen, aber immer konstruktiv und ermutigend.

Greta-Marleen Storath: Ja, ich empfand auch gar keine Konkurrenz. Abends waren wir immer alle zusammen essen und saßen beieinander, es gab ganz viel Unterstützung und Wertschätzung für die Arbeit der anderen.

In diesem Jahr nehmt ihr aber wahrscheinlich nicht teil, oder?

Kristin Noack: Dieses Mal lassen wir anderen den Vortritt.

 

Die 11. NordWel Summer School findet vom 19. bis 23. August 2019 in Bremem statt. Den Call for Papers finden Sie hier.


Kontakt:
Kristin Noack
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58604
E-Mail: knoack@uni-bremen.de

Greta-Marleen Storath
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57068
E-Mail: gm.storath@uni-bremen.de

Prof. Dr. Ndangwa Noyoo
Prof. Dr. Ndangwa Noyoo
Ndangwa Noyoo, Leiter der Abteilung "Social Development" an der University of Cape Town, war vergangene Woche zu Gast beim SFB 1342 in Bremen. In einem Vortrag plädierte für eine "Global Social Policy", um Armutsmigration zu verringern.

Professor Ndangwa Noyoo (University of Cape Town) hielt am Dienstag, 12.2, am SFB 1342 einen Vortrag zum Thema "Global Social Policy in an Era of Increasing Unilateralism, Narrow Nationalism and Xenophobia". Noyoo plädierte in dem Vortrag für eine Erneuerung der internationalen Solidarität. Er erinnerte an programmatische Entwicklungszusammenarbeit insbesondere in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, die anders als heutiger "Band aid"-Humanitarismus einer transformativen Agenda verpflichtet war.

Der gegenwärtige "enge Nationalismus" in Industriestaaten ist unter anderem durch starke Migrationsbewegungen ausgelöst worden, so Noyoo, der in Kapstadt zu Social Development arbeitet. "Global Social Policy" als transformative internationale Solidarität sei daher ein wichtiges Instrument, um Armutsmigration zu verringern und so die politischen Diskurse im Globalen Norden zu entzerren.


Kontakt:
Dr. Alex Veit
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67471
E-Mail: veit@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz Rothgang im Interview
Prof. Dr. Heinz Rothgang im Interview
Weltweit werden technische Lösungen und Hilfsmittel für die Langzeitpflege entwickelt. In einem Interview mit dem Fernsehsender Radio Bremen hat SFB-Mitglied Heinz Rothgang eingeordnet, ob Roboter und IT geeignet sind, dem Pflegenotstand beizukommen.

"Der Einsatz von Robotern und IT in der Pflege sind sicher ein Teil der Zukunft, aber nicht die alleinige Lösung des Pflegenotstandes", sagte Heinz Rothgang, Leiter der Teilprojekte A04 und B07, in der Sendung "buten und binnen" des Senders Radio Bremen. "Die Technik kann unterstützen, aber nicht die Menschen ersetzen. Denn Pflege ist Kommunikation, menschliche Zuwendung." Dies könne Technik nicht übernehmen. Sie könne die Pflegenden jedoch unterstützen und entlasten durch Sensorik, Fernüberwachung und ähnliches.

Sorge, dass die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, sobald Roboter und IT in der Pflege eingesetzt würden, hat Rothgang nicht. Er hat eher Zweifel, dass sinnvolle technische Lösungen in der Pflege Einzug überhaupt halten, da in diesem Bereich der Einsatz von Technik generell skeptisch gesehen werde. Daher untersucht Heinz Rothgang mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Socium, welche Wünsche und Bedarfe an technischer Hilfestellung es bei Pflegebedürftigen und Pflegenden tatsächlich gibt. So soll sichergestellt werden, dass technische Lösungen entwickelt werden, die auch tatsächlich gewinnbringend angewendet werden.

Rothgang betonte in "buten und binnen" auch, dass angesichts des Pflegenotstandes die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden muss, damit mehr Menschen in diesem Feld arbeiten wollen.

Das gesamte Interview mit Heinz Rothgang: „buten und binnen“ vom 14.02.2019


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Dr. Roy Karadag
Dr. Roy Karadag
Roy Karadag blickt auf zwei kurze Forschungsaufenthalte in Ägypten zurück und berichtet von bürokratische Hürden, vielversprechenden Archiven und dem verheerenden Zustand des ägyptischen Bildungssystems.

Du bist für Teilprojekt B09 nach Ägypten gereist. Wo und für wie lange bist du dort gewesen?

Ich war für zwei kürzere Aufenthalte in Kairo: einmal von Ende September bis Mitte Oktober und dann noch einmal von Mitte November bis Anfang Dezember. Ich war als Visiting Fellow am Department of Political Science der American University in Cairo.

Was hattest du dir vorab für diese beiden Forschungsaufenthalte vorgenommen?

Ich wusste, dass der Zugang zu Behörden, Ministerien und Politikern in Ägypten heikel geworden ist. Mit der harten Repression, die seit 2013 vorherrscht, ist die Lage auch für Wissenschaftler immer schwieriger geworden, vor allem für europäische oder US-amerikanische Wissenschaftler. Es ist sehr schwierig, fundierte Netzwerke vor Ort aufzubauen, wenn man bislang noch nicht zu Ägypten geforscht und publiziert hat, wie das bei mir der Fall ist. Daher dienten meine Reisen nach Kairo vor allem dazu auszuloten, ob ich überhaupt Zugang in die Ministerien bekomme, um erfahren, wie dort Sozialpolitik verhandelt und umgesetzt wird.

Und wie ist es gelaufen?

Ich habe zunächst acht, neun Interviews geführt, vor allem mit Lehrern und Ärzten, außerdem hatte ich mehrere Hintergrundgespräche mit Akademikern. Ich wollte zunächst einmal mit den Leuten sprechen, die in den sozialpolitischen Feldern, die wir untersuchen, tätig sind. Ich wollte erfahren, was diese Menschen mir erzählen können zum Umgang mit Krankenversicherungen oder mit den Apparaten, den Ministerien. Ich wollte wissen, welche politischen Entscheidungen für ihren Alltag relevant sind und welche Entwicklungen ihren Alltag am meisten bestimmen.

Wie sieht der Zugang zu Behörden und Ministerien aus?

Ich komme ein bisschen ernüchtert zurück. Bei meinem ersten Aufenthalt war habe ich die Uni-Experten für die sozialpolitischen Felder angesprochen. Eine war sogar Beraterin des Bildungsministers. Aber für den Zugang zu den Ministerien und Politikern war das leider nicht hilfreich. Ich werde mich wahrscheinlich von der Idee verabschieden müssen, Experteninterviews in den Ministerien führen zu können. Das ist sehr schade, denn die Forschung zu Ägypten in den 1990ern und 2000ern von Leuten, die ihre Netzwerke über viele Jahre ausbauen konnten, war richtig stark: tolle Bücher über Machtnetzwerke, Korruption, islamistische und andere Oppositionsgruppen; aber leider sehr wenig über Policy-Felder wie Gesundheit und Bildung.

Heute gibt es unüberwindliche bürokratische Prozeduren, um unliebsame Forschung und Recherchen zu Opposition und Widerstand zu verhindern. Und leider auch harte Gewalt, wie die Ermordung des italienischen Doktoranden aus Cambridge gezeigt hat. Solche Gewalt muss nur ein oder zwei Mal angewendet werden, damit die Botschaft wirklich sitzt und man die Finger von der Untersuchung von gewerkschaftlichem Aktivismus lässt. Kairo ist in der Hinsicht wirklich unfrei geworden.

Was folgt für deine Arbeit daraus?

Wir werden uns darauf beschränken, das historische Material, die Zeitungsarchive zu durchstöbern, um gewisse Phasen und gewisse sozialpolitische Entscheidungen zu rekonstruieren. Darauf aufbauend wollen wir sehen, was das für einen Effekt hatte auf Fragen von Staatsbildung, Staat-Gesellschaft-Beziehungen, Erwartungen von Menschen an Regierungen und Staatsebene. So können wir am ehesten etwas entwickeln wie eine historische Theorie von Sozialpolitik in Afrika, um zu zeigen, was Afrika-spezifisch ist und welche Rolle der Kontinent in Diskursen zu globaler Sozialpolitik spielt bzw. spielen kann.

Die Zugänge zu den Archiven sind sichergestellt?

Die Zeitungsarchive sind inzwischen relativ gut online verfügbar. Ich versuche natürlich noch an Zentralarchive zu kommen. In Kairo wäre da die zentrale Stelle das Dar al-Watha’iq, das ägyptische Nationalarchiv. Das läuft alles nur über formale Anfragen und wird vermutlich ein längerer bürokratischer Prozess. Aber es sollte möglich sein. Es wäre schön, so an Material zu Dekreten zu kommen, weil diese Dekrete am ehesten zeigen, wie politischer Alltag in Ägypten aussieht.

Ihr untersucht drei Politikfelder: Gesundheit, Bildung und Ernährung. Welchem Zeitraum widmet ihre euch?

Vorgesehen ist das ganze Jahrhundert: 1918 bis 2018. Natürlich ist es schwer, drei Politikfelder über 100 Jahre abzuarbeiten. Daher konzentrieren uns bei der Analyse der Zeitungsarchive, des anderen Materials und der Sekundärliteratur vor allem auf die großen Schübe, die in Nordafrika in den 1950er- und 1960er-Jahren stattgefunden haben. In Ägypten sind die späten 40er- und frühen 50-Jahre sehr interessant, weil damals Sozialpolitik zum ersten Mal zur Legitimierung der neuen Staatsbürokratie diente.

Du hast erwähnt, dass du mit Lehrern und Ärzte interviewt hast. Was das Interessanteste, das du von diesen Menschen erfahren hast?

Der Schwertpunkt der Gespräche lag auf Bildung, und es ist kam ein deprimierendes Bild entstanden. Ägypten ist ein armes Land mit sehr großer sozialer Ungleichheit. Das zeigt sich auch im Feld der Bildung und der Bildungspolitik. Obere Mittelschichten und die Reichen haben sich abgekoppelt und können ihren Kindern vielfältige und gute Bildungschance bieten. Schon früher haben sie ihre Kinder auf deutsche, amerikanische oder britische Schulen geschickt, inzwischen sind auch die Japaner dabei. Es gibt eine starke Ausdifferenzierung und einen Wettstreit innerhalb der ökonomischen und bürokratischen Eliten und ihren Kindern um Machtchancen für nächsten Jahrzehnte. Dieser Wettstreit ist brutal. Es gibt zwar so etwas wie ein Zentralabitur, aber auch Vorwürfe von Korruption und Betrug. Es gibt viel Raum, um Geld in Bildungschancen zu verwandeln, während untere Schichten mit überfüllten Klassen, schweren Transportwegen und Schulen mit schwacher Infrastruktur zu kämpfen haben. Deshalb kratzen die Eltern jeden Cent zusammenkratzen, um ihren Kindern Nachhilfe zu bieten - und diese Nachhilfe wird von Lehrern angeboten, die selber nicht viel verdienen. Für die Lehrer ist es nicht entscheidend, an einer öffentlichen Schule zu unterrichten, sondern Privatunterricht zu geben. Das schmälert natürlich die Qualität des allgemeinen Unterrichts. Sämtliche Ideen, die in globalen Bildungsdiskursen entwickelt werden zu interaktiver Lehre und ähnlichem, prallen einfach an diesen harten sozioökonomischen Realitäten ab.

Du hast jetzt Netzwerke ausgekundschaftet. Wie gehst du nun weiter vor?

Ich werde noch weitere Male nach Ägypten bzw. Kairo fahren, um mich mit dem Material aus dem aus den 1940er- bis 1970er Jahren auseinandersetzen. Ich werde das Material über relevante politische Entscheidungen systematisch zusammenstellen, um damit innerhalb unseres Teilprojekts die größten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erörtern und bewerten.


Kontakt:
Dr. Roy Karadag
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67468
E-Mail: karadag@uni-bremen.de

Tao Liu, Tobias ten Brink und Armin Müller stellten ihre Forschungarbeit auf einer internationalen Konferenz des Centre for Chinese Public Administration Research in Guangzhou vor.

Vom 24. bis 25. November 2018 nahmen die Mitglieder des Teilprojekts B05 an der "Poverty, Inequality and Social Policy International Conference 2018" in Guangzhou, China, teil. Das Centre for Chinese Public Administration Research an der Sun Yat-sen University organisierte die Konferenz mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Singapur, Hongkong, Taiwan, dem chinesischen Festland, Korea, Australien, Deutschland und Großbritannien.

Prof. Tao Liu, Prof. Tobias ten Brink und Dr. Armin Müller präsentierten während der Konferenz. Müller bewertete die Wirksamkeit der Krankenversicherung bei der Prävention krankheitsbedingter Armut in China bei älteren Menschen, während Liu digitale Risiken definierte und ihre Auswirkungen auf soziale Sicherungssysteme diskutierte. Prof. ten Brink stellte den Sonderforschungsbereich 1342 vor, seine beiden Projektbereiche A und B und das Projekt B05. In der Einleitung erwähnte er auch, wie das chinesische Dibao (garantiertes Grundeinkommen) unterschiedliche Vorstellungen vom europäischen Wohlfahrts-Universalismus, von der Arbeit der Amerikaner und von der chinesischen Tradition des Pragmatismus und Regionalismus zusammengefasst hat. Das Projektteam B05 hatte auch ein internes Treffen in Guangzhou.


Kontakt:
Prof. Dr. Tao Liu
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Soziologie
Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Tel.: +49 203 379-3747
E-Mail: tao.liu@uni-due.de

Dr. Armin Müller
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3473
E-Mail: arm.mueller@jacobs-university.de

Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Prof. Dr. Tao Liu
Prof. Dr. Tao Liu
Der Co-Leiter von Teilprojekt B05 erklärt im Kurzinterview, welche Vorteile die Auszeichnung durch die chinesische Spitzenuniversität für den SFB 1342 hat.

Du bist kürzlich von der Zhejiang University als Distinguished Professor ausgezeichnet worden - herzlichen Glückwunsch! In welcher Abteilung ist die Professur angesiedelt?
In der School of Public Affairs. Die Auszeichnung ist auf drei Jahre begrenzt: von Dezember 2018 bis Dezember 2021.

Welchen Stellenwert hat die Zhejiang University in China und international?
Die Zhejiang University ist eine der Spitzenuniversitäten Chinas. Derzeit rangiert sie auf Platz drei, hinter der Beijing University und der Tsinghua University. Im QS World University Ranking liegt die Zhejiang University momentan auf Platz 68. Zum Vergleich: Die Technische Universität München liegt in diesem Ranking auf Platz 61.

Wirst du jetzt häufiger an der Zhejiang University sein?
Ich werde die Zhejiang University jährlich besuchen und eine Serie von Vorträgen zur Sozialpolitik halten.

Welche praktischen Vorteile hat diese Auszeichnung für dich persönlich als Wissenschaftler und für den SFB?
Ich bin nun formelles Mitglied der Zhejiang University, habe einen Universitätsausweis und kann damit die gesamte Infrastruktur nutzen: von der Mensa bis zur Bibliothek. Ebenso wichtig ist der Kontakt und Zugang zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, insbesondere zu bedeutenden Sozialpolitikforscherinnen und -forschern. Langfristig gesehen wird der Status als Distinguished Professor unsere Sozialpolitikforschung in der Yangtse-Delta-Region und unseren Zugang zu regionalen und subnationalen Daten der Sozialpolitik erheblich erleichtern.


Kontakt:
Prof. Dr. Tao Liu
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Soziologie
Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Tel.: +49 203 379-3747
E-Mail: tao.liu@uni-due.de

Tao Liu und Tobias ten Brink, die gemeinsam das Teilprojekt B05 leiten, haben eine Sonderausgabe des "Journal of Chinese Governance" herausgegeben. Die sechs Artikel der Ausgabe beleuchten Chinas Sozialpolitik aus international-vergleichender Perspektive.

Liu und ten Brink argumentieren in ihrer Einführung, dass die sozialpolitische Expansion in China in den letzten Jahrzehnten durch Einflüsse auf internationaler und supranationaler Ebene beeinflusst und befördert wurde. Liu führt dies in seinem Beitrag "Epistemological globalization and the shaping of social policy in China" weiter aus. Die Logik der chinesischen Sozialreformen, so Liu und ten Brink, sei nicht zu verstehen, wenn diese externen Faktoren in der Analyse unberücksichtigt blieben. Wie genau der Wissens- und Ideentransfer zwischen Ländern des Globalen Nordens und China abgelaufen ist und wie Konzepte aufgegriffen, übernommen oder abgewandelt wurden, bedürfe weiterer Untersuchungen.

Lius und ten Brinks Einführung ist online als Volltext abrufbar.


Kontakt:
Prof. Dr. Tao Liu
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Soziologie
Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Tel.: +49 203 379-3747
E-Mail: tao.liu@uni-due.de

Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Irene Dingeldey und Jean-Yves Gerlitz in Genf.
Irene Dingeldey und Jean-Yves Gerlitz in Genf.
Mitglieder des Teilprojektes A03 diskutierten ihr Forschungsvorhaben zur Regulierung von Arbeitsstandards und deren Segmentationswirkung mit Expertinnen und Experten der Internationalen Arbeitsorganisation.

Vertreten durch Dr. Heiner Fechner, Jean-Yves Gerlitz, Jenny Hahs und PD Dr. Irene Dingeldey war das Teilprojekt A03 vom 3. bis 7. Dezember zu einem Forschungsbesuch bei der International Labour Organisation (ILO) in Genf. Die internationale Arbeitsorganisation versucht u.a. Mindeststandards der Arbeitsregulierung und des Arbeitsschutzes in allen Ländern der Welt umzusetzen. Um dies zu unterstützen, erhebt und sammelt die ILO entsprechende Daten weltweit und treibt vielfältige Studien und Forschungsaufgaben rund um das Thema Arbeit voran. Die ILO ist damit eine wichtige Partnerorganisation des SFB 1342 und insbesondere des Teilprojektes A03 "Welten der Arbeit".

Das Forschungsvorhaben des Teilprojektes zur Regulierung von Arbeitsstandards und deren Segmentationswirkung wurde mit den Expertinnen und Experten aus der ILO-eigenen Forschungsabteilung (RESEARCH), dem International Labour Standards Department (NORMES), dem Labour Law and Reform Department (LABOUR LAW) und dem Statistics Department (STATISTICS) diskutiert. Dabei stießen sowohl die Annahmen zur Segmentationswirkung von rechtlichen Normen als auch die geplante Analyse des Einflusses von Kolonialismusbeziehungen auf die Entwicklung von spezifischen Regulierungsmustern auf großes Interesse. Auch der segmentationswirksame Einfluss von ILO-eigenen Instrumenten wurde reflektiert. Die Verwendung von Leximetrics als Methode zur Analyse von Arbeitsregulierungen wurde dabei sowohl unterstützend als auch kritisch kommentiert.

Von Seiten der ILO wurden Möglichkeiten zur Kooperation sowohl in methodischer als auch inhaltlicher Hinsicht angeboten. Ganz wichtig: Auch der Datenaustausch mit dem Projekt bzw. der vom SFB 1342 geplanten Datenbank „WeSIS“ wird begrüßt. Geplant ist, den Austausch mit den verschiedenen Departments sowie der Forschungsabteilung zukünftig zu vertiefen.

Ein erstes Datum wird dabei die Feier zum 100. Geburtstag der ILO im Juni 2019 sein. An dem großen Symposium „Globalization and Social Justice: A Century of ILO Action, 1919 – 2019“ , das an der Universität Paris I Panthéon-Sorbonne in Paris stattfindet, ist das Teilprojekt A03 mit einem Beitrag von Prof. Dr. Ulrich Mückenberger vertreten.


Kontakt:
PD Dr. Irene Dingeldey
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut Arbeit und Wirtschaft
Wiener Straße 9 / Ecke Celsiusstraße
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-61710
E-Mail: dingeldey@uni-bremen.de

Prof. Dr. Ulrich Mückenberger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Fachbereich Rechtswissenschaft
Universitätsallee, GW1
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-66218
E-Mail: mueckenb@uni-bremen.de

Suchergebnis: