News aus dem Teilprojekt B06

Covid-19-Fälle in Zentralasien (Quelle: Zentralasien-Analysen Nr. 140)
Covid-19-Fälle in Zentralasien (Quelle: Zentralasien-Analysen Nr. 140)
Das SFB-Teilprojekt bietet regelmäßig aktualisierte Informationen zur Lage in Osteuropa und Zentralasien. Die Analysen zu Russland wurden in das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen.

Das Team um Projektleiter Heiko Pleines stellt umfangreiche Daten zur Entwicklung der Covid-19-Pandemie in Osteuropa und Zentralasien zusammen und bereitet sie auf. Zudem bietet der Themenschwerpunkt Chroniken auf Länderebene zu den jeweiligen sozialpolitischen Reaktionen auf die Entwicklung der Pandemie. Diese Informationen werden regelmäßig aktualisiert und um Analysen von Länderexperten ergänzt.

Den Themenschwerpunkt zur Covid-19-Pandemie finden Sie auf den Seiten der Forschungsstelle Osteuropa.

Die Analysen zur Situation in Russland finden sich auch auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de

Verteilung der Covid-19-Fälle in der Ukraine (Quelle: Ukraine-Analysen Nr. 232)
Verteilung der Covid-19-Fälle in der Ukraine (Quelle: Ukraine-Analysen Nr. 232)
In den "Ukraine-Analysen" untersuchen Experten, wie die ukrainische Regierung auf die Verbreitung des neuartigen Coronavirus reagiert.

Pavlo Illiashenko und Olena Levenets von der Technischen Universität Tallin analysieren in ihrem Beitrag in Ausgabe 232 der Ukraine-Analysen, wie sich der neuartige Corona-Virus in der Ukraine verbreitet und wie die Regierung darauf reagiert hat. Dabei berücksichtigen sie Daten bis zum 18. März 2020.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass sich die ukrainische Regierung und die Behörden bis zum 11. März relativ passiv verhalten haben: Es wurden vor allem Maßnahmen angekündigt, aber nur zum Teil umgesetzt, die darauf zielten, den Eintrag des Virus aus dem Ausland zu verhindern (v.a. Reisewarnungen, Temperaturmessungen bei Einreisenden aus Italien). Tests auf Covid-19-Infektionen wurden nahezu gar nicht durchgeführt (nur 43 Tests bis 11. März).

Ab dem 11. März wurden die Maßnahmen der Regierung deutlich verschärft. Die Schulen und Grenzen wurden geschlossen, Versammlungsverbote ausgesprochen, Läden mussten schließen, lokale Ausnahmezustände wurden ausgerufen. Lediglich bei den Tests auf Infektionen hinkt die Ukraine weiter hinterher, die in den Nachbarstaaten um ein vielfaches häufiger durchgeführt worden sind.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Regierung der Ukraine zumindest in der Anfangsphase der Krise unvorbereitet war. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Handlungsfähigkeit der Regierung durch die Entlassung der Ministerinnen/Minister durch den Präsidenten Anfang März eingeschränkt wurde. Nach dem 11. März allerdings gab es einen strikten Kurswechsel, wonach die Regierung deutlich proaktiver agierte als ihre Nachbarstaaten.

Die ausführliche Analyse der ukrainischen Reaktion auf die Covid-19-Pandemie lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 232 der Ukraine-Analysen.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de

Workshop mit internationalen Kolleginnen und Kollegen.
Workshop mit internationalen Kolleginnen und Kollegen.
B06-Mitglieder und weitere internationale Expertinnen und Experten erörterten den Transfer sozialpolitischer Konzepte aus der OECD-Sphäre in die post-sowjetische Region. Die Ergebnisse des Workshops sollen in der "Global Social Policy" erscheinen.

Das SFB-Teilprojekt B06 "Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region" hat einen internationalen Workshop zum Thema "International knowledge transfer in social policy: The case of the post-Soviet region" am 9. November 2019.

Der Workshop mit Teilnehmern aus dem post-sowjetischen Raum sowie aus Europa und Nordamerika brachte Experten aus Politikwissenschaft, Wirtschaft, Soziologie und anderen relevanten Wissenschaftsdisziplinen zusammen. Ziel war es, ein umfassenderes Bild vom Einfluss sozialpolitischer Konzepte aus der OECD-Welt auf Reformprozesse im post-sowjetischen Raum zu zeichnen. Die intensiven Diskussionen konzentrierten sich insbesondere auf die Rolle internationaler Akteure bei diesem Wissenstransfer und auf die innerstaatliche Bewertung dieser sozialpolitischen Konzepte. Für diesen Workshop wurde Wissenstransfer als offener und multidirektionaler Prozess mit einer starken diskursiven Dimension verstanden.

Das Ergebnis des Workshops wird der Global Social Policy für ein Sonderheft vorgelegt, in dem es darum geht, wie die zugrunde liegenden sozialpolitischen Konzepte wahrgenommen und bewertet werden und insbesondere welche Rolle innenpolitische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit den westlichen Reformmodellen beimessen. Gleichzeitig soll in der Sonderausgabe ein breites Spektrum von Akteuren beleuchtet werden (nicht nur internationale Regierungsorganisationen, sondern auch relevante Nichtregierungsorganisationen und internationale Experten). Der Fokus der Analyse liegt daher auf den Hauptakteuren bei der (noch laufenden) Neugestaltung der post-sowjetischen Sozialsysteme. Die Beiträge für das vorgeschlagene Sonderheft stammen aus unterschiedlichen Disziplintraditionen, laufen aber in ihrem grundsätzlichen Fokus auf den internationalen Wissenstransfer und die innerstaatliche Bewertung der damit verbundenen sozialpolitischen Konzepte zusammen.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de

Die Regierung Russlands beschloss kürzlich, das Renteneintrittsalter und die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Ob diese Entscheidungen nötig waren und welche soziale Sprengkraft sie entfalten könnten, analysiert SFB-Mitarbeiter Martin Brand.

Die Mehrwertsteuer in Russland soll von 18 auf 20 Prozent steigen. Doch vor allem die Rentenreform bewegt die Menschen in Russland, schreibt Brand: Das reguläre Renteneintrittsalter soll für Frauen von derzeit 55 auf 63 Jahre stiegen, für Männer von 60 auf 65 Jahre. Wenn man die Lebenserwartung vor allem der russischen Männer betrachtet (67,5 Jahre), liegt auf der Hand, dass diese Reform äußerst unpopulär ist: Einer Umfrage zufolge sind 92 Prozent der Bevölkerung dagegen. Proteste formieren sich bereits auf Online-Plattformen und auf der Straße.

Andererseits erscheint die Reform unausweichlich: Der Rentenfonds ist chronisch defizitär, 2018 werden umgerechnet 17,7 Mrd. Euro fehlen, 40 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Staatshaushalt. "In diesem Spannungsfeld ökonomischer und sozialer Faktoren", schreibt Brand, "wird sich die Debatte um die Reform des Rentensystems in Russland bewegen – spätestens nach der Fußball-WM." 

Weitere Informationen:
Der ausführliche Beitrag für die Bundeszentrale für Politische Bildung 


Kontakt:
Martin Brand
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
E-Mail: martin.brand@uni-bremen.de

Caucasus Analytical Digest No. 103
Caucasus Analytical Digest No. 103
Gulnaz Isabekova veröffentlichte ihre Analyse staatlicher Gesundheitssysteme im Südkaukasus im Caucasus Analytical Digest: Fachkräfte ziehen vom Land in die Städte, wodurch der Zugang der Landbevölkerung zu Gesundheitsdiensten eingeschränkt ist.

Ländliche Gebiete im Südkaukasus leiden unter einem wachsenden Mangel an medizinischen Fachkräften, schreibt Gulnaz Isabekova vom SFB 1342 in ihrem kürzlich im Caucasus Analytical Digest #103 veröffentlichten Artikel. Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen ziehen in städtische Gebiete oder wandern in postsowjetische Länder aus, wo sie höhere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten vorfinden. Die ungleiche Verteilung der Beschäftigten im Gesundheitswesen gefährdet die ländlichen Gesundheitssysteme und die Qualität der Dienstleistungen.

Isabekova schreibt, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen der großen Zahl an Absolventen medizinischer Disziplinen und der Zahl freier Stellen in ländlichen Gebieten. Die Regierungen Armeniens, Aserbaidschans und Georgiens sollten daher stärkere Anreize für medizinische Fachkräfte schaffen, in ländlichen Gebieten zu arbeiten. Laut Isabekova sind mögliche Anreize schnellere Beförderungswege, zusätzliche Schulungen, Stipendien, Zuschüsse und Gehaltszulagen. Auch die Zahl der mittleren Fachkräfte müsse erhöht und ihre Ausbildung gestärkt werden. Dadurch könne zumindest der Zugang zu grundlegenden Gesundheitsleistungen und Präventionsmaßnahmen sichergestellt werden.

 

Weitere Informationen:

Gulnaz Isabekova (ed.) (2018): Access to Healthcare, Caucasus Analytical Digest No. 103

Gulnaz Isabekova (2018): Healthcare Workers in the Southern Caucasus: Availability, Migration and Patients’ Access to Healthcare, in: Caucasus Analytical Digest No. 103, pp. 6-17, DOI: 10.3929/ethz-b-000269801

Die Publikation ist online verfügbar.


Kontakt:
Gulnaz Isabekova
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57073
E-Mail: gulnaz@uni-bremen.de

Oleksandra Betliy, externe Länderexpertin des SFB 1342, hat ihre Analyse der ukrainischen Rentenreform in den Ukraine-Analysen veröffentlicht. Betliy kommt zu dem Schluss, dass weitere Reformen des Justiz- und Finanzsystems nötig sind.

Die Durchschnittsrente in der Ukraine zählt zu den niedrigsten in Europa, gleichzeitig sind die staatlichen Rentenverpflichtungen im Vergleich zum BIP sehr hoch. In den vergangenen 15 Jahren gab es mehrere Reformen des defizitären ukrainischen Rentensystems, die jüngste im Oktober 2017.

Oleksandra Betliy arbeitet als externe Länderexpertin für den SFB "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und hat die Rentenreformen in der Ukraine analysiert. Ihre Ergebnisse hat sie in der aktuellen Ausgabe der Ukraine-Analysen veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Reformansätze vielversprechend sind, der langfristige Erfolg aber von Wirtschaftswachstum und Reformen des Justiz- und Finanzmarktsystems abhängen wird.

Oleksandra Betliy ist seit 2002 Leading Research Fellow am Institute for Economic Research and Policy Consulting in Kiew. Ihre Forschungsinteressen sind Finanzpolitik und Steuerprognosen sowie soziale Fragen, einschließlich der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. Als Länderexpertin beim SFB 1342 kooperiert sie vor allem mit dem Teilprojekt B06 "Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region".

Die Ukraine-Analysen werden gemeinsam herausgegeben von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de