News aus dem Teilprojekt B06

In "Social Policy & Administration" haben 7 Teilprojekte des SFB 1342 Fallstudien sozialpolitischer Dynamiken im Globalen Süden vorgelegt. Deren Synthese zeigt: Das Konzept der kausalen Mechanismen ist gut geeignet, solche Entwicklungen zu analysieren.

Sieben Teilprojekte aus dem Projektbereich B des SFB 1342 haben eine Sonderausgabe von "Social Policy and Administration" veröffentlicht: Causal mechanisms in the analysis of transnational social policy dynamics: Evidence from the global south. Die zentrale Forschungsfrage, der die Autor*innen nachgehen, lautet: Welche kausalen Mechanismen können die transnationalen Dynamiken der Sozialpolitik im Globalen Süden erfassen?

Um Antworten auf diese Frage zu finden, präsentieren die Autor*innen vertiefende Fallstudien zu sozialpolitischen Dynamiken in verschiedenen Ländern und Regionen des Globalen Südens sowie in unterschiedlichen sozialpolitischen Feldern. Alle Beiträge konzentrieren sich auf das Zusammenspiel von nationalen und transnationalen Akteuren bei der Gestaltung von Sozialpolitik. (Die Beiträge dieser Special Issue sind unten aufgeführt.)

Die zentralen Erkenntnisse der Autorinnen und Autoren sind:

  • Erklärungen der Sozialpolitik im Globalen Süden bleiben unvollständig, wenn nicht auch transnationale Faktoren berücksichtigt werden
  • Dies bedeutet jedoch nicht, dass nationale Faktoren nicht mehr wichtig sind. Bei sozialpolitischen Entscheidungen sind nationale institutionelle Rahmenbedingungen und Akteure von zentraler Bedeutung
  • Die mechanismusbasierte Forschung kann das Zusammenspiel zwischen transnationalen und nationalen Akteuren und deren Einfluss auf die Gestaltung sozialpolitischer Ergebnisse plausibel nachzeichnen. Die Artikel identifizieren eine Vielzahl von Kausalmechanismen, die dieses Zusammenspiel erfassen können
  • Das Ergebnis sozialpolitischer Entscheidungen ist komplex und kann oft nicht durch einen einzigen Mechanismus erklärt werden. Die Untersuchung der Kombination und des möglichen Zusammenspiels mehrerer kausaler Mechanismen kann tiefer gehende Erklärungen liefern 
  • Das Konzept der Kausalmechanismen kann auch in vergleichenden Analysen angewendet werden
  • Mechanismen können induktiv in einem Fall aufgespürt und dann auf einen anderen Fall übertragen werden.


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Johanna Kuhlmann & Tobias ten Brink (2021). Causal mechanisms in the analysis of transnational social policy dynamics: Evidence from the global south. Social Policy and Administration.

Armin Müller (2021). Bureaucratic conflict between transnational actor coalitions: The diffusion of British national vocational qualifications to China. Social Policy and Administration. 

Johanna Kuhlmann & Frank Nullmeier (2021). A mechanism‐based approach to the comparison of national pension systems in Vietnam and Sri Lanka. Social Policy and Administration. 

Kressen Thyen & Roy Karadag (2021). Between affordable welfare and affordable food: Internationalized food subsidy reforms in Egypt and Tunisia. Social Policy and Administration.

Monika Ewa Kaminska, Ertila Druga, Liva Stupele & Ante Malinar (2021). Changing the healthcare financing paradigm: Domestic actors and international organizations in the agenda setting for diffusion of social health insurance in post‐communist Central and Eastern Europe. Social Policy and Administration (in press).

Gulnaz Isabekova & Heiko Pleines (2021). Integrating development aid into social policy: Lessons on cooperation and its challenges learned from the example of health care in Kyrgyzstan. Social Policy and Administration. 

Anna Safuta (2021). When policy entrepreneurs fail: Explaining the failure of long‐term care reforms in Poland. Social Policy and Administration.

Jakob Henninger & Friederike Römer (2021). Choose your battles: How civil society organisations choose context‐specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina. Social Policy and Administration.


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Teilprojekt B06 hat ein Special Issue bei „Global Social Policy“ veröffentlicht: In 7 Aufsätzen analysieren TP-Mitglieder und Gastautor*innen die Rolle internationaler Akteure bei der Einführung sozialpolitischer Konzepte in post-sowjetischen Staaten.

Die Autor*innen dieser Sonderausgabe untersuchen, wie der Transfer von sozialpolitischen Konzepten - und in der Folge das Lernen - auf nationaler und lokaler Ebene in der post-sowjetischen Region stattfindet. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Frage, welche internationalen und nationalen Akteure an diesem Prozess beteiligt sind. Sie analysieren die Interaktion zwischen Internationalen Organisationen (IO) und nationalen Regierungen, zwischen IO und nationalen Experten sowie zwischen IO und lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGO).

Zu dem Themenheft haben die vier Mitglieder des SFB-Teilprojektes B06, Andreas Heinrich, Heiko Pleines, Gulnaz Isabekova und Martin Brand, Beiträge geliefert.

Andreas Heinrich überprüft in seinem Artikel "The advice they give: Knowledge transfer of international organisations in countries of the former Soviet Union" die Annahmen der Literatur über die neoliberale Agenda ('Washington Consensus'), die von Internationalen Organisationen durch Wissenstransfer gefördert wird, und über die Macht, die sie demnach durch Kreditkonditionalität haben, um Ländern in finanzieller Not ihren Willen aufzuzwingen. Heinrich untersucht am Beispiel der Länder Kasachstan, Kirgisien und Russland, welche Ratschläge die IO zwischen 1991 und 2018 zur Reform der Gesundheitssysteme gegeben haben.

Heiko Pleines hat für seinen Beitrag "The framing of IMF and World Bank in political reform debates: The role of political orientation and policy fields in the cases of Russia and Ukraine" die Inhalte von Parlamentsdebatten in Russland und der Ukraine analysiert. In beiden Ländern lehnten sowohl linke als auch rechte Parteien eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) ab. Die Ukraine ist dennoch einer der größten Empfänger von IWF-Krediten. Aufgrund der fehlenden Unterstützung aus dem Parlament zog sich die ukrainische Regierung auf das Argument zurück, dass für die Reformen keine anderen Geldgeber verfügbar seien.

Gulnaz Isabekova betrachtet in ihrem Beitrag den Wissenstransfer auf lokaler Ebene. Ihr Artikel "Mutual learning on the local level: The Swiss Red Cross and the Village Health Committees in the Kyrgyz Republic" konzentriert sich auf die Interaktion zwischen IO und lokalen NGO, und dabei insbesondere auf das gegenseitige Lernen zwischen Gebern und Empfängern von Entwicklungshilfe. Dafür untersucht Isabekova das internationale Projekt "Community Action for Health", das darauf abzielt, ländliche Gemeinden in Kirgisistan zu stärken und ihre Beteiligung an der Gesundheitsversorgung zu fördern. Ihr Artikel analysiert die Faktoren, die gegenseitiges Lernen in der Praxis ermöglichen. Relevant sind demnach die Dezentralisierung der Organisation, die Projektleitung und deren Umgang mit Misserfolg, der kontinuierliche Kontakt zwischen Gebern und Empfängern von Entwicklungshilfe und die Betonung des Beitrags lokaler Expertise.

In seinem Beitrag "The OECD poverty rate: Lessons from the Russian case" betont Martin Brand die Notwendigkeit, die normative Annahmen über Armut bei der Verwendung von Armutsdaten explizit zu machen. Insbesondere für länderübergreifende Vergleiche von Armutsquoten plädiert Brand für einen mehrdimensionalen Armutsindikator, damit mehrere Facetten dieses Phänomens und die Besonderheiten des sozioökonomischen Gefüges der betrachteten Länder berücksichtigt werden.

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Das Themenheft bei „Global Social Policy“ ist aus einem internationalen Workshop zum Thema "International knowledge transfer in social policy: The case of the post-Soviet region" entstanden, der von Teilprojekt B06 am 9. November 2019 an der Universität Bremen durchgeführt worden war.

Lesen Sie das gesamte Themenheft online (einzelne Aufsätze open access):
Global Social Policy, Volume 21 Issue 1, April 2021


Kontakt:
Martin Brand
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
E-Mail: martin.brand@uni-bremen.de

Dr. Andreas Heinrich
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57071
E-Mail: heinrich@uni-bremen.de

Gulnaz Isabekova
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57073
E-Mail: gulnaz@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de

Heute schauen wir nach Kirgisistan. Dort hat unsere Doktorandin Gulnaz Isabekova am Beispiel von Village Health Committees erforscht, welche Faktoren das wechselseitige Lernen zwischen Gebern und Empfängern von Entwicklungshilfe begünstigt haben.

Village Health Committees: Dauerhafter Erfolg

Für ihre Forschungsarbeit führte Isabekova zahlreiche Interviews mit Beteiligten, daraus heute ein Zitat:

"Die Studie zu den Village Health Committees in Kirgisistan zeigt die Nachhaltigkeit der gemeindebasierten Organisationen über das Ende der projektbezogenen Förderung hinaus. Gegründet im Rahmen des von der Schweiz finanzierten Projekts Community Action for Health (2001-2017), trugen die Village Health Committees zur Prävention von übertragbaren und nicht übertragbaren Krankheiten im Land bei. Trotz des Endes der projektbezogenen Finanzierung setzten etwa 70-80 % der Komitees - bestehend aus Freiwilligen, meist Ortsansässigen - ihre Aktivitäten zur Gesundheitsförderung fort." (Interviewpartner B, para. 125–138, Bishkek, Kirgisistan, 2018).

Village Health Committees in Kirgisistan: Rote Punkte

Für weitere Informationen lesen Sie die Veröffentlichung:
Isabekova, Gulnaz, 2020: Mutual learning on the local level: The Swiss Red Cross and the Village Health Committees in the Kyrgyz Republic, in: Global Social Policy, online first, 28.08.2020

Mehr über die Forschungsarbeit des Teilprojektes B06: Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region

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Haben Sie einige der vorherigen Türchen verpasst? Hier geht es zum gesamten SFB-Adventskalender 2020


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Gulnaz Isabekova
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Tuberkulosebakterien (©Juan Gärtner - stock.adobe.com)
Tuberkulosebakterien (©Juan Gärtner - stock.adobe.com)
Die Ausbreitung der arzneimittelresistenten Tuberkulose in Armenien steht im Zusammenhang mit zurückkehrenden Arbeitsmigrantinnen und -migranten und deren prekären Lebensbedingungen in Russland.

Die Ausbreitung der arzneimittelresistenten Tuberkulose in Armenien steht im Zusammenhang mit den aus Russland zurückkehrenden Arbeitsmigrantinnen und -migranten. Aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu medizinischer Versorgung und der Angst vor Abschiebung in Russland haben die Migrantinnen und Migranten nur begrenzte Möglichkeiten, sich testen zu lassen und, wenn nötig, die entsprechende Behandlung zu erhalten. Diese Situation hat die Belastung durch die Krankheit in Armenien erhöht, wo die meisten Patienten mit arzneimittelresistenten Formen der Tuberkulose zurückgekehrte Arbeitsmigrantinnen und -migranten sind.

Für weitere Informationen lesen Sie die Veröffentlichung:
Isabekova, Gulnaz, 2019: The Contribution of Vulnerability of Labour Migrants to Drug Resistance in the Region: Overview and Suggestions, in: The European Journal of Development Research, 31 (3), pp. 620 - 642.

Mehr über die Forschungsarbeit des Teilprojektes B06: Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region


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Covid-19-Fälle in Zentralasien (Quelle: Zentralasien-Analysen Nr. 140)
Covid-19-Fälle in Zentralasien (Quelle: Zentralasien-Analysen Nr. 140)
Das SFB-Teilprojekt bietet regelmäßig aktualisierte Informationen zur Lage in Osteuropa und Zentralasien. Die Analysen zu Russland wurden in das Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen.

Das Team um Projektleiter Heiko Pleines stellt umfangreiche Daten zur Entwicklung der Covid-19-Pandemie in Osteuropa und Zentralasien zusammen und bereitet sie auf. Zudem bietet der Themenschwerpunkt Chroniken auf Länderebene zu den jeweiligen sozialpolitischen Reaktionen auf die Entwicklung der Pandemie. Diese Informationen werden regelmäßig aktualisiert und um Analysen von Länderexperten ergänzt.

Den Themenschwerpunkt zur Covid-19-Pandemie finden Sie auf den Seiten der Forschungsstelle Osteuropa.

Die Analysen zur Situation in Russland finden sich auch auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
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Verteilung der Covid-19-Fälle in der Ukraine (Quelle: Ukraine-Analysen Nr. 232)
Verteilung der Covid-19-Fälle in der Ukraine (Quelle: Ukraine-Analysen Nr. 232)
In den "Ukraine-Analysen" untersuchen Experten, wie die ukrainische Regierung auf die Verbreitung des neuartigen Coronavirus reagiert.

Pavlo Illiashenko und Olena Levenets von der Technischen Universität Tallin analysieren in ihrem Beitrag in Ausgabe 232 der Ukraine-Analysen, wie sich der neuartige Corona-Virus in der Ukraine verbreitet und wie die Regierung darauf reagiert hat. Dabei berücksichtigen sie Daten bis zum 18. März 2020.

Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass sich die ukrainische Regierung und die Behörden bis zum 11. März relativ passiv verhalten haben: Es wurden vor allem Maßnahmen angekündigt, aber nur zum Teil umgesetzt, die darauf zielten, den Eintrag des Virus aus dem Ausland zu verhindern (v.a. Reisewarnungen, Temperaturmessungen bei Einreisenden aus Italien). Tests auf Covid-19-Infektionen wurden nahezu gar nicht durchgeführt (nur 43 Tests bis 11. März).

Ab dem 11. März wurden die Maßnahmen der Regierung deutlich verschärft. Die Schulen und Grenzen wurden geschlossen, Versammlungsverbote ausgesprochen, Läden mussten schließen, lokale Ausnahmezustände wurden ausgerufen. Lediglich bei den Tests auf Infektionen hinkt die Ukraine weiter hinterher, die in den Nachbarstaaten um ein vielfaches häufiger durchgeführt worden sind.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Regierung der Ukraine zumindest in der Anfangsphase der Krise unvorbereitet war. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Handlungsfähigkeit der Regierung durch die Entlassung der Ministerinnen/Minister durch den Präsidenten Anfang März eingeschränkt wurde. Nach dem 11. März allerdings gab es einen strikten Kurswechsel, wonach die Regierung deutlich proaktiver agierte als ihre Nachbarstaaten.

Die ausführliche Analyse der ukrainischen Reaktion auf die Covid-19-Pandemie lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 232 der Ukraine-Analysen.


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Prof. Dr. Heiko Pleines
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Workshop mit internationalen Kolleginnen und Kollegen.
Workshop mit internationalen Kolleginnen und Kollegen.
B06-Mitglieder und weitere internationale Expertinnen und Experten erörterten den Transfer sozialpolitischer Konzepte aus der OECD-Sphäre in die post-sowjetische Region. Die Ergebnisse des Workshops sollen in der "Global Social Policy" erscheinen.

Das SFB-Teilprojekt B06 "Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region" hat einen internationalen Workshop zum Thema "International knowledge transfer in social policy: The case of the post-Soviet region" am 9. November 2019.

Der Workshop mit Teilnehmern aus dem post-sowjetischen Raum sowie aus Europa und Nordamerika brachte Experten aus Politikwissenschaft, Wirtschaft, Soziologie und anderen relevanten Wissenschaftsdisziplinen zusammen. Ziel war es, ein umfassenderes Bild vom Einfluss sozialpolitischer Konzepte aus der OECD-Welt auf Reformprozesse im post-sowjetischen Raum zu zeichnen. Die intensiven Diskussionen konzentrierten sich insbesondere auf die Rolle internationaler Akteure bei diesem Wissenstransfer und auf die innerstaatliche Bewertung dieser sozialpolitischen Konzepte. Für diesen Workshop wurde Wissenstransfer als offener und multidirektionaler Prozess mit einer starken diskursiven Dimension verstanden.

Das Ergebnis des Workshops wird der Global Social Policy für ein Sonderheft vorgelegt, in dem es darum geht, wie die zugrunde liegenden sozialpolitischen Konzepte wahrgenommen und bewertet werden und insbesondere welche Rolle innenpolitische Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit den westlichen Reformmodellen beimessen. Gleichzeitig soll in der Sonderausgabe ein breites Spektrum von Akteuren beleuchtet werden (nicht nur internationale Regierungsorganisationen, sondern auch relevante Nichtregierungsorganisationen und internationale Experten). Der Fokus der Analyse liegt daher auf den Hauptakteuren bei der (noch laufenden) Neugestaltung der post-sowjetischen Sozialsysteme. Die Beiträge für das vorgeschlagene Sonderheft stammen aus unterschiedlichen Disziplintraditionen, laufen aber in ihrem grundsätzlichen Fokus auf den internationalen Wissenstransfer und die innerstaatliche Bewertung der damit verbundenen sozialpolitischen Konzepte zusammen.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
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Die Regierung Russlands beschloss kürzlich, das Renteneintrittsalter und die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Ob diese Entscheidungen nötig waren und welche soziale Sprengkraft sie entfalten könnten, analysiert SFB-Mitarbeiter Martin Brand.

Die Mehrwertsteuer in Russland soll von 18 auf 20 Prozent steigen. Doch vor allem die Rentenreform bewegt die Menschen in Russland, schreibt Brand: Das reguläre Renteneintrittsalter soll für Frauen von derzeit 55 auf 63 Jahre stiegen, für Männer von 60 auf 65 Jahre. Wenn man die Lebenserwartung vor allem der russischen Männer betrachtet (67,5 Jahre), liegt auf der Hand, dass diese Reform äußerst unpopulär ist: Einer Umfrage zufolge sind 92 Prozent der Bevölkerung dagegen. Proteste formieren sich bereits auf Online-Plattformen und auf der Straße.

Andererseits erscheint die Reform unausweichlich: Der Rentenfonds ist chronisch defizitär, 2018 werden umgerechnet 17,7 Mrd. Euro fehlen, 40 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Staatshaushalt. "In diesem Spannungsfeld ökonomischer und sozialer Faktoren", schreibt Brand, "wird sich die Debatte um die Reform des Rentensystems in Russland bewegen – spätestens nach der Fußball-WM." 

Weitere Informationen:
Der ausführliche Beitrag für die Bundeszentrale für Politische Bildung 


Kontakt:
Martin Brand
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Caucasus Analytical Digest No. 103
Caucasus Analytical Digest No. 103
Gulnaz Isabekova veröffentlichte ihre Analyse staatlicher Gesundheitssysteme im Südkaukasus im Caucasus Analytical Digest: Fachkräfte ziehen vom Land in die Städte, wodurch der Zugang der Landbevölkerung zu Gesundheitsdiensten eingeschränkt ist.

Ländliche Gebiete im Südkaukasus leiden unter einem wachsenden Mangel an medizinischen Fachkräften, schreibt Gulnaz Isabekova vom SFB 1342 in ihrem kürzlich im Caucasus Analytical Digest #103 veröffentlichten Artikel. Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen ziehen in städtische Gebiete oder wandern in postsowjetische Länder aus, wo sie höhere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten vorfinden. Die ungleiche Verteilung der Beschäftigten im Gesundheitswesen gefährdet die ländlichen Gesundheitssysteme und die Qualität der Dienstleistungen.

Isabekova schreibt, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen der großen Zahl an Absolventen medizinischer Disziplinen und der Zahl freier Stellen in ländlichen Gebieten. Die Regierungen Armeniens, Aserbaidschans und Georgiens sollten daher stärkere Anreize für medizinische Fachkräfte schaffen, in ländlichen Gebieten zu arbeiten. Laut Isabekova sind mögliche Anreize schnellere Beförderungswege, zusätzliche Schulungen, Stipendien, Zuschüsse und Gehaltszulagen. Auch die Zahl der mittleren Fachkräfte müsse erhöht und ihre Ausbildung gestärkt werden. Dadurch könne zumindest der Zugang zu grundlegenden Gesundheitsleistungen und Präventionsmaßnahmen sichergestellt werden.

 

Weitere Informationen:

Gulnaz Isabekova (ed.) (2018): Access to Healthcare, Caucasus Analytical Digest No. 103

Gulnaz Isabekova (2018): Healthcare Workers in the Southern Caucasus: Availability, Migration and Patients’ Access to Healthcare, in: Caucasus Analytical Digest No. 103, pp. 6-17, DOI: 10.3929/ethz-b-000269801

Die Publikation ist online verfügbar.


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Oleksandra Betliy, externe Länderexpertin des SFB 1342, hat ihre Analyse der ukrainischen Rentenreform in den Ukraine-Analysen veröffentlicht. Betliy kommt zu dem Schluss, dass weitere Reformen des Justiz- und Finanzsystems nötig sind.

Die Durchschnittsrente in der Ukraine zählt zu den niedrigsten in Europa, gleichzeitig sind die staatlichen Rentenverpflichtungen im Vergleich zum BIP sehr hoch. In den vergangenen 15 Jahren gab es mehrere Reformen des defizitären ukrainischen Rentensystems, die jüngste im Oktober 2017.

Oleksandra Betliy arbeitet als externe Länderexpertin für den SFB "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und hat die Rentenreformen in der Ukraine analysiert. Ihre Ergebnisse hat sie in der aktuellen Ausgabe der Ukraine-Analysen veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Reformansätze vielversprechend sind, der langfristige Erfolg aber von Wirtschaftswachstum und Reformen des Justiz- und Finanzmarktsystems abhängen wird.

Oleksandra Betliy ist seit 2002 Leading Research Fellow am Institute for Economic Research and Policy Consulting in Kiew. Ihre Forschungsinteressen sind Finanzpolitik und Steuerprognosen sowie soziale Fragen, einschließlich der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. Als Länderexpertin beim SFB 1342 kooperiert sie vor allem mit dem Teilprojekt B06 "Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region".

Die Ukraine-Analysen werden gemeinsam herausgegeben von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung.


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Prof. Dr. Heiko Pleines
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E-Mail: pleines@uni-bremen.de