News aus dem Teilprojekt A05


Dr. Dennis Niemann
Dr. Dennis Niemann
Wie beeinflussen Internationale Organisationen die globale Entwicklung von Sozialpolitik? Der vierte Band der SFB-finanzierten Reihe bei Palgrave Macmillan geht dieser Frage nach. Mit Co-Herausgeber Dennis Niemann haben wir über das Buch gesprochen.

Das Ziel eures Buches ist, die "architecture of arguments in global social governance" zu analysieren. Vereinfacht ausgedrückt, geht ihr in zwei Schritten vor: Zunächst kartiert ihr das Feld (welche IOs engagieren sich zu welchen sozialpolitischen Themen?), dann untersucht ihr den Diskurs (mit welchen Strategien versuchen die IOs, ihren Ideen und Konzepten Gehör zu verschaffen?). Fangen wir mit dem ersten Teil an: Vor gut 100 Jahren war das Feld noch übersichtlich, mit der ILO gab es genau eine IO, die sich mit Sozialpolitik beschäftigte und noch heute existiert. Wie hat sich das Feld bis heute erweitert und ausdifferenziert?

Dennis Niemann: Stimmt, der generelle Trend, dass es spätestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs immer mehr internationale Organisationen gibt, lässt sich auch in der Sozialpolitik finden. Überaschenderwiese gibt es einige zentrale Akteurinnen, die hier annähernd das gesamte Spektrum der Sozialpolitik umspannen. Die OECD, die ILO und die Weltbank tauchen immer wieder auf und prägen diverse Bereiche. Aber auch die UNESCO, die Bildungs-, Wissenschafts-, und Kulturorganisation der UN, findet sich in vielen Sozialpolitikfeldern. Wir konnten aber auch beobachten, dass die Gesamtpopulation der Sozialpolitik-IOs mit der Zeit diverser wurde. Nicht nur die großen, bekannten IOs engagieren sich, sondern auch viele, teils regionale IOs traten auf den Plan, sozialpolitische Themen abzudecken: z.B. ASEAN, African Union oder Mercosur.

Viele IOs haben ihr Portfolio im Laufe der Zeit um sozialpolitische Themen erweitert bzw. ihr sozialpolitisches Portfolio auf weitere Felder ausgedehnt. Warum ist das so?

Dennis Niemann: Für die Gründe lassen sich zwei maßgebliche Faktoren anführen. Zum einen wurden die IOs quasi aktiv von ihren Mitgliedsstaaten beauftragt, sich mit bestimmten sozialpolitischen Themen zu beschäftigen - auch wenn sie da historisch gesehen keine große Expertise hatten. Zum Beispiel wurde die OECD, deren thematischer Schwerpunkt auf Wirtschaftspolitik lag, in den 1980er-Jahren von einigen Mitgliedsstaaten damit beauftragt, ein Instrument zu entwickeln, um nationale Bildungsleistungen zu vermessen. Heraus kam PISA und heute ist die OECD eine zentrale IO in der internationalen Bildungspolitik. Generell ist Bildungspolitik mit 30 aktiven IOs besonders dicht bevölkert. Zum anderen war diese thematische Expansion aber auch innerorganisatorischen Faktoren geschuldet. D.h. die IOs erweiterten proaktiv ihr Portfolio. Dies geschah etwa, weil sie dadurch ihre eigentliche Kernmission besser erfüllen konnten.

Nicht zu vernachlässigen ist ferner, dass bestimmte Politikfelder diskursiv um eine sozialpolitische Komponente erweitert wurden. Beispielsweise hat sich die Interpretation von Wasser als eine natürliche Ressource um eine sozialpolitische Komponente erweitert: Wasser und der Zugang dazu ist ein soziales Gut.

Kommen wir zum zweiten Teil, den Diskursen. In den sozialpolitischen Feldern sind mitunter sehr viele IOs aktiv. Üben sie sich dabei in Kooperation oder in Konkurrenz?

Dennis Niemann: Sowohl als auch. Natürlich sind die fundamentalen Sichtweisen bestimmter IOs auf Prioritäten in der Sozialpolitik durchaus divers und teils bipolar. Wo die eine Seite ökonomische Effizienz bevorzugt, wollen andere IOs zuvorderst gesellschaftlichen Zusammenhalt garantiert sehen. Diese beiden Blickwinkel sind oftmals schwerlich unter einen Hut zu bringen. Aber unmöglich ist das nicht. Wir sehen, dass bei zahlreichen Initiativen pragmatische Ansätze verfolgt werden und IOs aus unterschiedlichen "Familien" in konkreten Projekten produktiv zusammenarbeiten. Die Weltbank, OECD und ILO haben beispielsweise seit 2008 in der Familienpolitik einen gemeinsamen Ansatz entwickelt. Ähnliches lässt sich auch in Bereichen der Jugendarbeitslosigkeit und der Migration von Health Care Workers beobachten.

Ihr schreibt, dass die Tendenz zur Kooperation in den letzten ca. 10 Jahren zugenommen hat. Warum ist das so?

Dennis Niemann: Nun, ich denke, dass unterschiedliche IOs – vielleicht auch durch begonnene, eher niedrigschwellige Kooperationsprojekte – zunehmend ihre programmatischen Sichtweisen integrieren können. Wir sollten aber nicht vergessen, dass bei Sozialpolitik oftmals verschiedene Ideen weiterhin konkurrieren; nur vielleicht nicht mehr in Fundamentalopposition. Für erhöhte Kooperation spielt sicherlich auch eine Rolle, dass bestimmte Werte universeller und gültiger wurden. Ein Kristallisationspunkt hierfür waren die Millennium Development Goals und die Sustainable Development Goals der UN. Sie etablierten auch bestimmte normative Referenzpunkte für IOs in der Sozialpolitik, an denen diese ihr Argumentieren und Handeln zunehmend ausrichten. Und eine gemeinsame Wertebasis erleichtert Kooperation dann doch ungemein.

Einige IOs sind dominant im sozialpolitischen Diskurs. Welche Faktoren führen dazu, dass eine IO ein Feld dominiert oder zumindest eine einflussreiche Position einnimmt?

Dennis Niemann: In erster Linie wohl Timing und Ressourcen. Wenn IOs den Zeitgeist treffen, genießen sie eine zusätzliche Legitimation, die es ihnen ermöglicht sozialpolitische Diskurse zu bestimmen. IOs, denen auch die notwendigen Mittel zur Umsetzung ihrer programmatischen Vorgaben zur Verfügung stehen, können natürlich prägender wirken als IOs, denen diese Mittel zur Reichweitengenerierung fehlen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Der Einfluss von IOs auf die Sozialpolitik ist in der Vergangenheit gestiegen. Wird sich dieser Trend fortsetzen oder in einigen Bereich sogar umkehren?

Dennis Niemann: Die Glaskugel ist hier natürlich etwas vernebelt, aber prinzipiell haben wir in der Vergangenheit eigentlich immer einen Bedeutungsanstieg von IOs in der Sozialpolitik gesehen. Mir fallen momentan wenige Gründe ein, die eine Trendumkehr heraufbeschwören würden. Was ich mir allerdings vorstellen könnte, und was sich teilweise auch abzeichnet, ist, dass einzelne IOs an Bedeutung verlieren und andere, z.B. die Big Players, noch bigger werden. Ebenfalls könnte sich die diskursive Lagerbildung wieder etwas stärker ausprägen. Generell sollte man aber die sozialpolitischen Outcomes nicht außer Betracht lassen. Solange die IOs "liefern", also für sozialpolitische Problemlagen Lösungswege aufzeigen und diese mitgestalten können, werden sie weiterhin zentrale Akteurinnen in diesem Feld sein und uns noch vor viele spannende Forschungsaufgaben stellen.

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Lesen Sie das gesamte Buch, kostenfrei als Open-Access-Publikation:
Kerstin Martens, Dennis Niemann, Alexandra Kaasch (Hrsg.)(2021): International Organizations in Global Social Governance. Palgrave Macmillan. Cham


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Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de

Buch vier der Serie, herausgegeben von Kerstin Martens, Dennis Niemann und Alexandra Kaasch, beleuchtet den Einfluss Internationaler Organisationen auf die Entwicklung verschiedener sozialpolitischer Felder.

Internationale Organisationen (IOs) sind wichtige politische Akteure, die die Entwicklung vieler sozialpolitischer Felder beeinflussen. Der Sammelband "International Organizations in Global Social Governance" vertieft und systematisiert unser Verständnis davon, welche Rolle IOs in der globalen Sozialpolitik spielen.

In 14 Kapiteln beleuchten die Autor*innen das Engagement von IOs in den sozialpolitischen Feldern Arbeit, Migration, Familie, Bildung sowie Umwelt und Gesundheit. Sie erfassen dabei, welche IOs am Diskurs innerhalb eines Feldes beteiligt sind und welche Trends sie setzen. Die Autor*innen untersuchen dabei auch den Diskurs innerhalb der IOs und zwischen diesen. Damit leistet dieses Buch einen wesentlichen Beitrag zur Forschung über Sozialpolitik und internationale Beziehungen, sowohl was die theoretische Fundierung als auch den Umfang und die Tiefe der Empirie betrifft.

Das Buch basiert auf einem internationalen Workshop des SFB-Teilprojekts A05 "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen", der im Mai 2019 an der Universität Bremen stattfand.

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Lesen Sie das gesamte Buch, kostenfrei als Open-Access-Publikation:
International Organizations in Global Social Governance


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Prof. Dr. Kerstin Martens
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Mary-Somerville-Straße 7
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Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

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Helen Seitzer
Helen Seitzer
Helen Seitzer, Dennis Niemann und Kerstin Martens haben untersucht, welche Rolle das Thema "PISA" in bildungspolitischen Pubilkationen der OECD spielt: gar keine so große. Warum PISA trotzdem seinen Siegeszug antrat, erklärt Seitzer im Interview.

Für ihr Paper haben Helen Seitzer, Dennis Niemann und Kerstin Martens fast alle zwischen 1961 und 2018 veröffentlichten Dokumente untersucht, die in der Online-Bibliothek der OECD mit dem Stichwort "Bildung" gekennzeichnet sind. Dabei stellten sie fest, dass PISA in diesen Publikationen keineswegs ein so dominantes Thema ist, wie man angesichts der Popularität von PISA in den Massenmedien wie auch in der wissenschaftlichen Diskussion vermuten könnte. "Der Großteil der OECD-Publikationen befasst sich überhaupt nicht mit PISA oder der weiterführenden Schulbildung. Die meisten Publikationen zum Thema Bildung befassen sich mit Finanzen, Management oder dem Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt", schreibt das Autor*innenteam. Die Erstautorin Helen Seitzer erläutert die Ergebnisse im Interview.

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Wenn du den Anteil der OECD-Publikationen beziffern müsstest, in denen PISA diskutiert wird - wie hoch wäre dieser?

Helen Seitzer: Viele OECD-Publikationen zum Thema Bildung enthalten in der einen oder anderen Weise Verweise auf PISA, aber der Gesamtanteil der Berichte, in denen PISA allein besprochen wird, liegt bei etwa 10 % bis 17 % aller Publikationen, je nach dem Zeitraum der Analyse. Es gibt zwar ein paar Dokumente zu PISA, bevor PISA überhaupt begonnen hat (die Diskussion über PISA begann 1995), aber damals hieß es noch nicht PISA und die Publikationen wurden nicht ausdrücklich als solche gekennzeichnet.

Ist der Wert hoch oder niedrig im Vergleich zu anderen Bildungsthemen, die in OECD-Publikationen diskutiert wurden (und was waren diese anderen prominenten Themen)?

Seitzer: In der Bildungsforschung, die sich mit der OECD beschäftigt, scheint es so, als ob PISA das einzige Thema ist, auf das sich die OECD konzentriert. Manchmal scheint es, als ob sich Diskussionen über die "OECD" automatisch auf "PISA" beziehen. So gesehen ist der Prozentsatz der Dokumente, in denen nur über PISA diskutiert wird, wirklich gering. Die wenigen Studien, die andere Arbeiten der OECD analysieren, sind noch sehr begrenzt und beziehen sich oft auf PISA oder nehmen es als Ausgangspunkt für ihre Untersuchungen (so wie wir). Allerdings beschäftigt sich die OECD mit sehr viel mehr Themen als PISA, vor allem mit arbeitsmarktbezogenen Fragen, aber auch Management und Planung der Hochschulbildung zum Beispiel werden sehr oft diskutiert.

Eure Analyse umfasst den Zeitraum 1961 bis 2018. Ist der Anteil des Themas PISA innerhalb der OECD-Publikationen immer noch gering, wenn man die jüngeren Jahre, sagen wir seit 2000, betrachtet?

Seitzer: Wenn man nur die Dokumente seit 2000 einbezieht, macht PISA etwa 17% aller Dokumente aus. Das sind rund 90 Dokumente in 8 Jahren allein zu PISA. Die OECD ist in der Bildungspolitik unheimlich produktiv.

Welche anderen Themen tauchen in letzter Zeit in den OECD-Publikationen auf?

Seitzer: Im Laufe der Zeit ist das Volumen der behandelten Themen gestiegen, ähnlich wie die Anzahl der Publikationen pro Jahr. In letzter Zeit sind die Themen "Schulfinanzierung", "ICT-Kompetenzen", "Arbeitsmarktkompetenzen und berufliche Bildung" und "Arbeitsmarktregulierung und Erwachsenenbildung" häufiger diskutiert worden, um nur einige zu nennen. Es gibt eine Zunahme an Themen, die den "Skills"-Begriff beinhalten, aber auch von Themen, die speziell die Erwachsenenbildung betreffen. Tatsächlich sieht es so aus, als ob der obligatorische Teil der Bildung (Primar- und Sekundarstufe) nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Sagt euch das etwas? Sind z.B. Verschiebungen zu sehen?

Seitzer: Seit der Gründung der OECD im Jahr 1961 hat sich die Welt sehr verändert, und damit auch die Organisation. Natürlich ändert sich daher im Laufe der Zeit, was diskutiert wird. Am Anfang lag der Fokus eher darauf darzustellen, wie Bildungssysteme aufgebaut sind und was die Länder brauchen, um ihre Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu unterstützen. Dann gab es um 1975 eine weitere Verschiebung des Schwerpunkts hin zur Hochschulbildung. Es wurden mehr Diskussionen über das Management der Hochschulbildung und die Innovation von Hochschulsystemen geführt als zuvor. Jetzt stehen Technologie (ICT) und Erwachsenenbildung stärker im Vordergrund. Die Arbeitsmarktorientierung war dabei jedoch immer präsent.

Lass uns einen Blick darauf werfen, warum PISA in der jüngeren Vergangenheit so viel Aufmerksamkeit erhalten hat und - was noch wichtiger ist - einen solchen Einfluss auf die Politikgestaltung hat. Was ist deine Erklärung?

Seitzer: In dem Papier diskutieren wir, dass PISA seinen Erfolg zum Teil der Organisationsform der OECD, dem Zeitpunkt, an dem die Studie eingeführt wurde, und der Strategie, die sie anwendet, verdankt. Die OECD hat ein ‚policy window‘ gefunden, als PISA gestartet wurde, und die geeignete Person, um PISA zu "verkaufen": Andreas Schleicher (‚Policy-Entrepreneur‘). Die OECD präsentierte eine Lösung für ein Problem (das sie selbst überhaupt erst als Problem definiert hatten) den richtigen Leuten, zur richtigen Zeit. Die Autorität der OECD, gepaart mit der Forderung nach evidenzbasierter Politikgestaltung, schuf die perfekte Gelegenheit um PISA zu etablieren.

Ist es richtig, zu sagen, dass die OECD selbst in die Schaffung dieses Gelegenheitsfensters investiert hat, um ihre eigene Position als etablierter Akteur in der Global Governance zu sichern?

Seitzer: Sie hatten definitiv ihre Hand im Spiel, um das policy window zu gestalten, indem sie Berichte veröffentlichten und die Effektivität des Bildungssystems problematisierten. Dies kann jedoch nicht der einzige Grund sein. Es gab andere IOs mit anderen Studien, die zeitgleich aktiv waren (und es immer noch sind), die aber nicht so erfolgreich sind. Die OECD hat sich als rationaler Akteur etabliert, um Einschätzungen von Schülerleistungen zu liefern, die von den Ländern durchgeführt werden müssen, um ernst genommen zu werden. Ihre Gestaltung von PISA und die Informationen, die sie liefern kann, aber auch das Netzwerk von Experten und politischen Entscheidungsträgern, über das die IO verfügt, sind sicherlich mitverantwortlich für den Erfolg von PISA. Die Beobachtung, dass die OECD in der Lage war, sich als Branchenführer zu etablieren und diese Position beizubehalten, macht es umso interessanter und wichtiger, die Aktivitäten und den Einfluss der IO zu untersuchen.

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Lesen Sie das vollständige Paper (open access):
Helen Seitzer, Dennis Niemann & Kerstin Martens (2021): Placing PISA in perspective: the OECD’s multi-centric view on education. In: Globalisation, Societies and Education, DOI:10.1080/14767724.2021.1878017


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Helen Seitzer
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Fabian Besche-Truthe, Helen Seitzer und Michael Windzio haben ein Paper in der SFB 1342 Technical Paper Series veröffentlicht. Darin präsentieren sie einen datengestützten Ansatz zur Operationalisierung kultureller Merkmale von Staaten und kultureller Ähn

Neues Technical Paper erschienen: Cultural Spheres – Creating a dyadic dataset of cultural proximity

Fabian Besche-Truthe, Helen Seitzer und Michael Windzio haben ein Paper in der SFB 1342 Technical Paper Series veröffentlicht. Das Autorenteam stellt einen datengestützten Ansatz zur Operationalisierung kultureller Merkmale von Staaten und kultureller Ähnlichkeit zwischen diesen vor. Warum ist dies wichtig? Die Autoren sind davon überzeugt, dass Kultur ein wesentlicher Faktor ist, der die Entwicklungspfade von Staaten und Regionen beeinflusst.

Ihr Datensatz über "kulturelle Sphären" ist ein innovatives Werkzeug, um kulturelle Konfigurationen von Nationen auf eine relationale Weise zu beschreiben. Länder können durch eine Vielzahl von kulturellen Merkmalen verbunden werden, die durch eine Vielzahl von Variablen wie dominante Religion(en), dominante Sprache, Kolonialgeschichte, Geschlechterbeziehungen, bürgerliche Freiheit definiert werden. Als Ergebnis erhalten die Nutzerinnen und Nutzer eine Typologie der kulturellen Sphären. Diese Typologie besteht aus jährlich ermittelten Netzwerken, die einen Zeitrahmen von 1789 bis 2010 umfassen (siehe Abbildung, das 2015 als Beispiel). Je mehr dieser Merkmale zwei Länder gemeinsam haben, desto enger sind sie miteinander verbunden.

Cultural Spheres Network 2015

Besche-Truthe, Seitzer und Windzio bieten durch einen relationalen, additiven Ansatz für kulturelle Sphären ein Werkzeug, das sich für verschiedene Forschungsfragen anpassen lässt, insbesondere im Hinblick auf die Diffusion von Policies. Ihr Datensatz ist ein erster Schritt, um die "Culture matters"-Proklamation in einer standardisierten, kontrollierbaren, relationalen Weise nutzbar zu machen.

Das vollständige Paper steht zum Download zur Verfügung: Cultural Spheres - Erstellung eines dyadischen Datensatzes zur kulturellen Nähe

Mehr Informationen zur Forschung des Teilprojekts A05: Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen

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Haben Sie einige der vorherigen Türchen verpasst? Hier geht es zum gesamten SFB-Adventskalender 2020.


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Prof. Dr. Gita Steiner-Khamsi
Prof. Dr. Gita Steiner-Khamsi
Steiner-Khamsi, Professorin für vergleichende und internationale Bildung an der Columbia University and am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf, arbeitet für zwei Monate in Teilprojekt A05.

Gita Steiner-Khamsi, Professorin für vergleichende und internationale Bildung an der Columbia University in New York (Herbstsemester) und am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf (Frühjahrssemester), wird im Juni und Juli 2020 virtuell als Mercator Fellow tätig sein. Gastgeberin ist Kerstin Martens vom Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen, die das Teilprojekt A05 am SFB 1342 leitet.

Neben der Beratung von Doktoranden und der Mitwirkung am SFB-Teilprojekt A05 "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen" lehrt sie im Rahmen des Erasmus-Mundus-Programms GLOBED. Der ursprüngliche Plan, an einem zweitägigen internationalen Symposium über "Globale Dynamiken von Sozialpolitik" teilzunehmen, das von Michael Windzio und Kerstin Martens in Zusammenarbeit mit Dennis Niemann, Fabian Besche, David Krogmann und Helen Seitzer im Rahmen des Teilprojekts A05 organisiert wurde, musste aufgrund der COVID-19-Krise um ein Jahr verschoben werden.

Die Arbeit von Steiner-Khamsi zu transnationalen Politikanleihen, globaler Bildungspolitik und politischer Übersetzung evidenzbasierter Politikberatung steht in direktem Zusammenhang mit dem thematischen Schwerpunkt des SFB-Teilprojekts. Sie hat zwei Bücher im Bereich vergleichende Politikwissenschaft im Bildungssektor veröffentlicht und ist ehemalige Präsidentin der US-amerikanischen Gesellschaft für vergleichende und internationale Bildung (US Comparative and International Education Society).


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Ausbildungszentrum des Sarobidy-Vereins in Antsirabe (Madagaskar), 2017. © Copyright ILO / [Crozet M.]
Ausbildungszentrum des Sarobidy-Vereins in Antsirabe (Madagaskar), 2017. © Copyright ILO / [Crozet M.]
Wie man international die Kinderarbeit abschaffen kann

Jenny Hahs und Fabian Besche bieten im Rahmen der Kinderuniversität 2020 der Universität Bremen am 31.03.2020 von 10 – 12 Uhr und 14 – 16 Uhr ein Planspiel für Kinder im Alter von 10 -12 Jahren zum Thema Kinderarbeit und das Recht auf Bildung an.

Die Kinder bekommen einen Einblick in die heutigen Formen von Kinderarbeit, ihre Verbreitung und ihre Geschichte im Spannungsverhältnis zur Einführung der Schulpflicht und dem Recht auf Bildung. Sie bilden mit anderen Teams und werden zu Vertreter*innen ihres Landes, die bei einer Simulation der Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zur Abschaffung der Kinderarbeit die Interessen ihres Landes vertreten. Am konkreten Beispiel bekommen sie so auch einen ersten Eindruck wie internationale Politik gemacht wird.

Noch gibt es ein paar freie Plätze und Teilnahmetickets können bei Interesse gebucht werden auf der Seite der Kinderuni der Universität Bremen.


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Fabian Besche
Jenny Hahs
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E-Mail: jenny.hahs@uni-bremen.de

Prof. Dr. Kerstin Martens, Prof. Dr. Marianne Ulriksen, Sharla Plant, Dr. Lorraine Frisina Doetter, Prof. Dr. Delia González de Reufels
Prof. Dr. Kerstin Martens, Prof. Dr. Marianne Ulriksen, Sharla Plant, Dr. Lorraine Frisina Doetter, Prof. Dr. Delia González de Reufels
In einem Workshop mit der Redakteurin Sharla Plant wurden die Pläne für die kommenden zwei Jahre konkretisiert und Ideen für weitere Bände entwickelt.

Anfang Dezember trafen sich die Herausgeberinnen der neuen SFB-Palgrave-Macmillan-Buchreihe „Global Dynamics of Social Policy“, Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels, Kerstin Martens und Marianne Ulriksen mit der Palgrave-Redakteurin Sharla Plant in Bremen. Gemeinsam wurde festgelegt, dass im kommenden Jahr drei Bände erscheinen werden:

  • Carina Schmitt (Hrsg.): Social Protection in the Global South
  • Lutz Leisering (Hrsg.): A Hundred Years of Social Security in Middle-Income Countries
  • Kerstin Martens, Dennis Niemann & Alexandra Kaasch (Hrsg.): International Organizations in Global Social Policy


Anschließend wurde der Entwurf eines Sammelbandes diskutiert, der in rund 40 Kurzbeiträgen eine kurze Geschichte sozialpolitischer Wendepunkte weltweit erzählen wird. Die Beiträge werden ausschließlich von SFB-Mitgliedern geliefert und fußen auf bisherigen Ergebnissen der 15 SFB-Teilprojekte. Der Band wird in der ersten Hälfte 2021 erscheinen.

Nachdem die Herausgeberinnen ein Design für die Palgrave-SFB-Reihe festgelegt hatten, traf sich Sharla Plant am Nachmittag mit rund einem Dutzend Autorinnen und Autoren, die in Einzelgesprächen ihre Ideen für weitere Bände präsentierten. Diese werden in den nächsten Monaten weiterentwickelt und konkretisiert.

Prof. John W. Meyer
Prof. John W. Meyer
Der Stanford-Professor diskutierte in einem Workshop die Projekte von vier Doktorandinnen und Doktoranden. Zuvor hatte er einen Vortrag zu New Institutionalism gehalten, der auf Video dokumentiert ist.

John W. Meyer ist derzeit Hans-Koschnick-Professor am Socium und am SFB 1342. Am 30. Oktober gab er einen Workshop zu New Institutionalism: Zu Beginn stand sein Vortrag "New Institutionalis in a Globalizing World". Anschließend präsentierten vier Doktorandinnen und Doktoranden des SFB 1342 ihre Forschungsprojekte und bekamen von John W. Meyer sowie weiteren Gästen wertvolles Feedback. 

John W. Meyer arbeit noch bis Mitte November an der Universität Bremen. Seinen Vortrag können Sie hier verfolgen:


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Prof. Dr. Michael Windzio
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58629
E-Mail: mwindzio@uni-bremen.de

Der SFB 1342 und Palgrave McMillan geben eine neue Buchserie heraus. Die ersten Bände werden Anfang 2020 erscheinen.

Der SFB 1342 und der Verlag Palgrave McMillan haben diese Serie ins Leben gerufen, um Forschungsergebnisse aus dem SFB 1342 sowie von externen Kollegen zu veröffentlichen.

Diese Serie wird von Studien veröffentlichen über die Wellen, Brüche und transformativen Perioden der Expansion und des Rückgangs des Wohlfahrtsstaates weltweit, d.h. in Nationalstaaten, Großregionen und weltweit. Es bedarf einer umfassenden und globalisierten Perspektive der Sozialpolitik; dieser Ansatz wird dazu beitragen, Episoden von Einschnitten, Sparmaßnahmen und Tendenzen des Abbaus des Wohlfahrtsstaates in bestimmten Ländern, Politikbereichen und in Bezug auf bestimmte soziale Risikogruppen zu lokalisieren und zu erklären, und zwar unter Bezugnahme auf vorherige, gleichzeitige oder erwartete Episoden der Expansion oder Kontraktion in anderen Ländern und Bereichen.

Eines der Ziele dieser Reihe ist es, die verschiedenen Konstellationen anzusprechen, die sich zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren ergeben, einschließlich internationaler und zwischenstaatlicher Organisationen, politischer Akteure und Gremien sowie Wirtschaftsunternehmen. Ein besseres Verständnis dieser Dynamiken verbessert das Verständnis für sozialpolitische Entscheidungen, sozialpolitische Entscheidungen und letztlich die Ergebnisse der Sozialpolitik.

Herausgeber der Serie sind die SFB-1342-Mitglieder Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels und Kerstin Martens sowie Marianne Ulriksen (University of Southern Denmark/University of Johannesburg).


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Dr. Lorraine Frisina Doetter
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Prof. Dr. Delia González de Reufels
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Prof. Dr. Kerstin Martens
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Zweitägiger Workshop in Bremen
Zweitägiger Workshop in Bremen
Der Projektbereich A hat einen internationalen Workshop zur Rolle Internationaler Organisationen bei der Gestaltung von Sozialpolitik veranstaltet.

Internationale Organisationen (IO) sind dynamische Akteure der globalen sozialen Governance. Sie bieten Foren für Austausch, Auseinandersetzung und Zusammenarbeit, sie bereiten internationale Verträge vor und überwachen sie, sie finanzieren und realisieren Projekte und vieles mehr. Die wissenschaftliche Untersuchung Internationalen Organisationen im Allgemeinen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Unser Wissen über die Beteiligung und den Einfluss von IOs variiert jedoch je nach Politikfeld erheblich. Über die Rolle Internationaler Organisationen in sozialpolitischen Themenbereichen wissen wir vergleichsweise wenig.

Um diese Lücke zu vermessen und zu verkleinern, veranstalteten Kerstin Martens und Dennis Niemann vom SFB 1342 in Zusammenarbeit mit Alexandra Kaasch (Institut für Weltgesellschaft, Universität Bielefeld) Ende Mai 2019 einen Workshop mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zum Einfluss Internationaler Organisationen auf die Sozialpolitik forschen. Zu den internationalen Referentinnen und Referenten gehörten Nicola Yeates, Rianne Mahon, Ross Fergusson, Martin Heneghan, Jeremy Schmidt, Chris Deeming und Matias Margulis.

Alle Präsentationen unterstrichen, dass Internationale Organisationen seit langem an der Gestaltung der Sozialpolitik beteiligt sind. Die Forscherinnen und Forscher wiesen darauf hin, dass die UNO und ihre Konventionen wichtige Faktoren für die Dynamik der Sozialpolitik sind, wobei die ILO die wichtigste Agentur ist. Die nächstgrößten Akteure sind die Weltbank und die OECD, die die Sozialpolitik oft aus einer anderen, stärker wirtschaftsorientierten Perspektive betrachten. Diese drei Akteure dominieren das Feld der "IO in der Sozialpolitik". Viele kleinere Internationale Organisationen befassen sich auch mit der Sozialpolitik, haben aber tendenziell einen regionalen Bezug.

Die Interaktion von Internationalen Organisationen in sozialpolitischen Bereichen reicht von Zusammenarbeit (z.B. WHO, ILO und OECD in Pflege und Migration) bis hin zur Konflikten (z.B. ILO und Weltbank in Rentenfragen). Der Einfluss auf den sozialpolitischen Diskurs ist unterschiedlich, aber im Allgemeinen üben Internationale Organisationen Soft Governance aus, indem sie neuer Ideen in die Diskussion einbringen - was auch im Mittelpunkt des Workshops stand. Bei der Entwicklung und Verbreitung von Ideen werden die Diskurse der IO durch ihre internen Regeln, die institutionelle Gestaltung ihrer Entscheidungsfindung und die vorherrschenden Pfadabhängigkeiten geprägt. Die Diskurse, an denen Internationale Organisationen in einem Bereich teilnehmen, sind oft mit anderen Diskursen in anderen Bereichen verknüpft.

Die Beiträge, die auf dem Workshop präsentiert wurden, werden im Sommer überarbeitet und sollen 2020 als Sammelband veröffentlicht werden.


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