News aus dem Teilprojekt A05

Der SFB 1342 und Palgrave McMillan geben eine neue Buchserie heraus. Die ersten Bände werden Anfang 2020 erscheinen.

Der SFB 1342 und der Verlag Palgrave McMillan haben diese Serie ins Leben gerufen, um Forschungsergebnisse aus dem SFB 1342 sowie von externen Kollegen zu veröffentlichen.

Diese Serie wird von Studien veröffentlichen über die Wellen, Brüche und transformativen Perioden der Expansion und des Rückgangs des Wohlfahrtsstaates weltweit, d.h. in Nationalstaaten, Großregionen und weltweit. Es bedarf einer umfassenden und globalisierten Perspektive der Sozialpolitik; dieser Ansatz wird dazu beitragen, Episoden von Einschnitten, Sparmaßnahmen und Tendenzen des Abbaus des Wohlfahrtsstaates in bestimmten Ländern, Politikbereichen und in Bezug auf bestimmte soziale Risikogruppen zu lokalisieren und zu erklären, und zwar unter Bezugnahme auf vorherige, gleichzeitige oder erwartete Episoden der Expansion oder Kontraktion in anderen Ländern und Bereichen.

Eines der Ziele dieser Reihe ist es, die verschiedenen Konstellationen anzusprechen, die sich zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren ergeben, einschließlich internationaler und zwischenstaatlicher Organisationen, politischer Akteure und Gremien sowie Wirtschaftsunternehmen. Ein besseres Verständnis dieser Dynamiken verbessert das Verständnis für sozialpolitische Entscheidungen, sozialpolitische Entscheidungen und letztlich die Ergebnisse der Sozialpolitik.

Herausgeber der Serie sind die SFB-1342-Mitglieder Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels und Kerstin Martens sowie Marianne Ulriksen (University of Southern Denmark/University of Johannesburg).


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Prof. Dr. Delia González de Reufels
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67200
E-Mail: dgr@uni-bremen.de

Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Zweitägiger Workshop in Bremen
Zweitägiger Workshop in Bremen
Der Projektbereich A hat einen internationalen Workshop zur Rolle Internationaler Organisationen bei der Gestaltung von Sozialpolitik veranstaltet.

Internationale Organisationen (IO) sind dynamische Akteure der globalen sozialen Governance. Sie bieten Foren für Austausch, Auseinandersetzung und Zusammenarbeit, sie bereiten internationale Verträge vor und überwachen sie, sie finanzieren und realisieren Projekte und vieles mehr. Die wissenschaftliche Untersuchung Internationalen Organisationen im Allgemeinen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Unser Wissen über die Beteiligung und den Einfluss von IOs variiert jedoch je nach Politikfeld erheblich. Über die Rolle Internationaler Organisationen in sozialpolitischen Themenbereichen wissen wir vergleichsweise wenig.

Um diese Lücke zu vermessen und zu verkleinern, veranstalteten Kerstin Martens und Dennis Niemann vom SFB 1342 in Zusammenarbeit mit Alexandra Kaasch (Institut für Weltgesellschaft, Universität Bielefeld) Ende Mai 2019 einen Workshop mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zum Einfluss Internationaler Organisationen auf die Sozialpolitik forschen. Zu den internationalen Referentinnen und Referenten gehörten Nicola Yeates, Rianne Mahon, Ross Fergusson, Martin Heneghan, Jeremy Schmidt, Chris Deeming und Matias Margulis.

Alle Präsentationen unterstrichen, dass Internationale Organisationen seit langem an der Gestaltung der Sozialpolitik beteiligt sind. Die Forscherinnen und Forscher wiesen darauf hin, dass die UNO und ihre Konventionen wichtige Faktoren für die Dynamik der Sozialpolitik sind, wobei die ILO die wichtigste Agentur ist. Die nächstgrößten Akteure sind die Weltbank und die OECD, die die Sozialpolitik oft aus einer anderen, stärker wirtschaftsorientierten Perspektive betrachten. Diese drei Akteure dominieren das Feld der "IO in der Sozialpolitik". Viele kleinere Internationale Organisationen befassen sich auch mit der Sozialpolitik, haben aber tendenziell einen regionalen Bezug.

Die Interaktion von Internationalen Organisationen in sozialpolitischen Bereichen reicht von Zusammenarbeit (z.B. WHO, ILO und OECD in Pflege und Migration) bis hin zur Konflikten (z.B. ILO und Weltbank in Rentenfragen). Der Einfluss auf den sozialpolitischen Diskurs ist unterschiedlich, aber im Allgemeinen üben Internationale Organisationen Soft Governance aus, indem sie neuer Ideen in die Diskussion einbringen - was auch im Mittelpunkt des Workshops stand. Bei der Entwicklung und Verbreitung von Ideen werden die Diskurse der IO durch ihre internen Regeln, die institutionelle Gestaltung ihrer Entscheidungsfindung und die vorherrschenden Pfadabhängigkeiten geprägt. Die Diskurse, an denen Internationale Organisationen in einem Bereich teilnehmen, sind oft mit anderen Diskursen in anderen Bereichen verknüpft.

Die Beiträge, die auf dem Workshop präsentiert wurden, werden im Sommer überarbeitet und sollen 2020 als Sammelband veröffentlicht werden.


Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de

Prof. Dr. Kerstin Martens
Prof. Dr. Kerstin Martens
Kerstin Martens spricht mit dem Deutschlandfunk über die Rolle der EU für die Gestaltung der Bildungssysteme Europas.

Kerstin Martens spricht mit dem Deutschlandfunk über die Rolle der EU für die Gestaltung der Bildungssysteme Europas. Die EU sei in diesem Bereich ein Spätzünder, zudem beschränke sich ihr Einfluss hauptsächlich auf die berufliche und die Hochschulbildung. Ungleich stärkeren Einfluss auf die Bildungssysteme haben Akteure wie die OECD. Zum Einfluss solcher Internationaler Organisationen auf staatlich verantwortete Sozialpolitik veranstaltet Martens mit weiteren Mitgliedern des SFB 1342 in diesen Tagen einen internationalen Workshop in Bremen.

Das Interview mit Kerstin Martens zur EU-Bildungspolitik kann auf der Website des Deutschlandfunk nachgelesen und nachgehört werden.

Während des zweitägigen Workshops "The Architecture of Arguments in Global Social Governance – Examining the Community and Discourses of International Organizations in Social Policies" präsentiert Kerstin Martens gemeinsam mit Dennis Niemann Teile ihrer Arbeit zur Rolle Internationaler Organisationen in der Bildungspolitik. Der Titel ihres Vortrags lautet: Global Discourses, Regional Framings and Individual Showcasing: Analyzing the World of Education IOs.

Das ausführliche Programm des Workshops finden Sie hier: The Architecture of Arguments in Global Social Governance – Examining the Community and Discourses of International Organizations in Social Policies.


Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Fabian Besche
Fabian Besche
Im Rahmen des Informationstages der Universität Bremen besuchten 25 Abiturientinnen und Abiturientinnen den Sonderforschungsbereich 1342.

25 Studientinteressierte besuchten am Mittwochmittag den Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik". Während der knapp einstündigen Veranstaltung informierten sie sich über die Organisation und Forschungsarbeit des SFB und bekamen einen Einblick in den Alltag der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Zunächst gab Geschäftsführerin Irina Wiegand einen Überblick über die Struktur und Themenfelder des SFB 1342. Anschließend präsentieren Fabian Besche und Kristin Noack ihre Forschungsprojekte im Detail. Danach stellten die Abiturientinnen und Abiturienten Fragen – dabei interessierten sie sich sowohl konkret für die Forschungsprojekte als auch für die Möglichkeiten, die die Sozialpolitikforschung als Berufsfeld bietet.

Die Präsentation am SFB 1342 war Teil des jährlich stattfindenden Informationstags für Studieninteressierte an der Universität Bremen.


Kontakt:
Fabian Besche
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57066
E-Mail: fbesche@uni-bremen.de

Kristin Noack
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58604
E-Mail: knoack@uni-bremen.de

Dr. Irina Wiegand
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58508
E-Mail: irina.wiegand@uni-bremen.de

Dr. Sanen Marshall
Dr. Sanen Marshall
Dr. Sanen Marshall von der University of Malaysia Sabah berichtete am CRC 1342, dass liberale Universitäten Malaysias mit dem wachsenden Einfluss islamischer Organisationen auf Wissenschaft und Bildung konfrontiert sind.

Die Hochschullandschaft Malaysias ist zweigeteilt, sagte Sanen Marshall zu Beginn seines Vortrags: auf der einen Seite Universitäten, die für die Islamisierung von Wissen stehen, auf der anderen Universitäten, die sich zu liberaler Bildung bekennen. Die liberalen Universitäten haben sich laut Marshall der freien, kritischen Wissenschaft verschrieben, während die Universitäten, die die Islamisierung von Wissen vorantreiben, stets fragen, ob Forschungs- und Lehrinhalte mit den Grundsätzen des islamischen Glaubens in Einklang stehen.

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit und einzelne islamische Länder wie Saudi-Arabien haben den Aufbau islamischer Universitäten in Malaysia seit den 1980er Jahren unterstützt, berichtete Marshall. Lange Zeit existierten beide Hochschulformen nebeneinander, aber seit Mitte der 2000er-Jahre ist das liberalen Bildungsideal an ein oder zwei Universitäten auf dem Rückzug, sagte Marshall: "Der Angriff auf liberale Ideen begann in den 2000er-Jahren".

Gleichzeitig haben islamische Ideen und Prinzipien einen wachsenden Einfluss auf das malaysische Bildungssystem: Ein Schulgeschichtsbuch zum Beispiel lehrt ohne Beweise über den Dschihad in Malaysias antikolonialer Geschichte und würdigt die Türkei als historisches Modell für die islamische Welt. Die Übersetzung von Charles Darwins Werk ins Malaiische ist in Malaysia verboten. "Und viele junge Studenten", sagte Marshall, "sind kaum noch bereit, sich kritisch und frei mit Inhalten auseinanderzusetzen".

Marshall schilderte das Beispiel einer liberalen Universität, an der die Zahl der Lehrstühle und Lektorenstellen in den Geisteswissenschaften stagniere, während technische und angewandte Studiengänge stark ausgebaut würden. Dies sei Ausdruck dessen, dass praktisch anwendbares Wissen in Malaysias Bildungssystem ein hohes Ansehen genieße.

Mit seinem Vortrag leistete Sanen Marshalls einen interessanten Input für den Sonderforschungsbereich 1342: Nicht nur globale bzw. westliche Internationale Organisationen nehmen bedeutenden Einfluss auf Bildungs- und Sozialpolitik von Nationalstaaten, sondern auch religiöse Organisationen wie die Organisation für Islamische Zusammenarbeit.


Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
Dr. Dennis Niemann
Als kleiner Junge wollte Dennis Niemann Paläontologe werden. Heute sucht er als Politikwissenschaftler lieber nach gesellschaftlichen Mechanismen und Mustern als nach versteinerten Knochen.

Was war dein erster Berufswunsch als Kind oder Jugendlicher?

Wahrscheinlich der obligatorische Astronaut, Feuerwehrmann, Polizist. Ein Beruf, in dem man "so richtig was macht". Auf die damaligen Rollenvorbilder bin ich voll eingestiegen. Als ich in den 1980ern aufgewachsen bin, da gab es auch eine große Dinosaurier-Phase. Also war mein Plan, später auch Dinosaurier ausbuddeln.

Und warum tust du das heute nicht?

Weil es wahrscheinlich ganz schön langweilig ist, in der Erde zu buddeln und alle Jubeljahre so einen versteinerten Knochen zu finden. Mein erster realistischer Berufswunsch zu Beginn meines Studiums war Journalismus. Wie bei so vielen in den Sozialwissenschaften. Ich dachte, das wäre etwas, denn ich habe schon immer gern geschrieben. Ich hatte im Bereich Journalismus aber weder Connections noch besonderes Talent.

Warum hast du angefangen, Sozialwissenschaften zu studieren?

Das wurde mir tatsächlich während der Schulzeit bei einer Studienberatung empfohlen. Ich habe dann Politik und Jura studiert. Und schon zu Beginn des Studiums hat sich herausgestellt, dass das gut passte, auch als Berufsfeld.

Inwiefern?

In erster Linie kam das durch meine Arbeit als studentische Hilfskraft. Im dritten Semester wurde ich vom Professor angesprochen, ob ich Lust hätte, als Hilfskraft zu arbeiten. Da war ich irgendwie geschmeichelt. Aber die Arbeit hat mir auch echt Spaß gemacht.

Du musstest als nicht nur kopieren?

Nein, anders als einige Kommilitonen wurde ich nicht als Kopiersklave eingesetzt. Ich hatte das Glück, bei Michael Zürn zu arbeiten, der in den Internationalen Beziehungen forscht. Zürn hatte damals ein Projekt zu Internationaler Umweltpolitik.

Wann war das?

Das war 2003/2004. Da gab es eine riesige Datenbank zu Umweltregimen, und ich hatte die Aufgabe, diese auszuwerten. Das war für mich als Student komplett neu und total interessant, weil dabei Dinge herauskamen, die keiner wusste.

Hast du ein Beispiel?

Dass es zum Beispiel sinnvoller ist, quasi-juristische Schlichtungsstellen einzusetzen, die die Einhaltung von Regeln bewerten, anstatt sofort irgendwelche Sanktionen anzudrohen. Und dabei bin ich mit dem Fieber infiziert worden, Wissen zu schaffen.

Deine Abschlussarbeit hat dann ja auch auf deiner Hilfskrafttätigkeit aufgebaut.

Genau, das Thema war "Compliance in internationalen Umweltregimen". Seit ich die Hilfskraftstelle hatte, habe ich kontinuierlich daraufhin gearbeitet, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und das hat relativ problemlos geklappt durch den mittleren Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel". Da bin ich dann in der Mitte der zweiten Projektphase eingestiegen. Ich war damals auch Hilfskraft bei dem Co-Projektleiter Ansgar Weymann. Da hatte ein Mitarbeiter von ihm erfahren, dass ich promovieren wollte, und sagte: Komm mal vorbei, wir sprechen miteinander und dann ist das schon so ein Vorstellungsgespräch ausgeartet. Ich glaube, ich hab damals so was gesagt wie: "Ich würde gern etwas zu internationalen Organisationen machen, das Politikfeld ist mir egal." Und so ist es dann das Politikfeld Bildung geworden. Und das ist auch total spannend.

Stell dir vor, du hättest alles, was du brauchst: genügend finanzielle Mittel, gute Kolleginnen und Kollegen, das notwendige Wissen, die beste technische Ausstattung und auch genug Zeit - welche Forschungsfrage würdest du versuchen zu klären?

Puh! Das sind so Fragen, mit denen man sich überhaupt nicht beschäftigt! Weil das komplett illusorisch ist! Aber zum Beispiel hatte ich mit einem Kollegen ein leider abgelehntes Drittmittelprojekt - dabei ging es um Schulautonomie im europäischen Vergleich. Das ist ein echt spannendes Thema.

Kannst du ganz kurz erklären, was du damit meinst?

Schulautonomie meint, dass Schulen nicht mehr so stark vom Staat reglementiert werden, sondern ihr eigenes Profil entwickeln und in einem möglichst weit gesteckten Rahmen Unterricht gestalten und Leute ausbilden können. Das würde ich gern im europäischen Vergleich untersuchen. Wenn wir dafür unbegrenzte Mittel zur Verfügung hätten, würde ich für jedes europäische Land diese Entwicklungspfade nachzeichnen und hinterher eine Datensammlung haben mit allen möglichen Erklärungsfaktoren, warum Staaten sich für oder gegen mehr Schulautonomie entschieden haben. Um zu erkennen, was die entscheidenden Erklärungsfaktoren für die Entwicklung waren. Das ist etwas, das mich generell besonders interessiert: Warum kam es zu etwas? Zu entdecken, was nicht auf der Hand liegt, sondern ein bisschen gegen die Erwartungen läuft.

Im Grunde ist der SFB auch so angelegt: Man schaut auf die Entwicklung von Sozialpolitik in der Vergangenheit, sucht nach Mustern, um darauf basierend in die Zukunft zu schauen.

Das ist genau, worin ich mich selbst perfekt wiederfinde. Man muss zunächst ein bisschen rückwärtsgewandt schauen, was passiert ist. Kann aber darauf aufbauend Mechanismen und Muster identifizieren.

Du bist jetzt Postdoc. Was ist dein Plan für die nächsten zehn, zwanzig Jahre?

In der ersten Förderphase ist mein Ziel, ernsthaft die Habil anzugehen. Und dann würde ich mich natürlich auch gern auf Professuren bewerben.

Hast du für deine Habil schon ein Thema im Kopf?

Etwas Grobes ja. Das ist an unser SFB-Bildungsprojekt angelehnt. Dabei schauen wir uns an, welche Ideen internationale Organisationen zum Thema Bildung haben. Wir untersuchen dabei auch Organisationen, die vorher gar nichts mit Bildung zu tun hatten, z.B. die Weltbank oder auch die OECD, die vorher einen klaren Wirtschaftsschwerpunkt hatten. Mich interessiert, warum etwa die OECD jetzt so einen großen Wert auf Bildung legt. Was war der Anreiz, sich in dem Feld so stark zu engagieren? Hört man OECD, denkt man gleich an die PISA-Studie. Aber das gibt es auch bei anderen internationalen Organisationen, die sehr stark auf Sozialpolitik setzen. Mich würde interessieren: Was bringt Organisationen dazu, sich auf einmal auszudehnen? Und wie reagieren die Organisationen darauf, die schon da waren? Werden die verdrängt, suchen sie andere Nischen? Das ist das Projekt, das im nächsten halben Jahr vorangetrieben wird.


Kontakt:
Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de