News aus dem Teilprojekt A04


Heute schauen wir mit Teilprojekt A04, wie sich Gesundheitssysteme nach und nach auf der ganzen Welt verbreitet haben. Eine faszinierende Zeitreise beginnend im Jahr 1874 mit einigen überraschenden Mustern.

Die weltweite Einführung von Gesundheitssystremen

Teilprojekt A04 untersucht, unter welchen Bedingungen sich Gesundheits- und Langzeitpflegesysteme weltweit verbreitet haben. Ziel des Teilprojektes ist es, die Herausbildung unterschiedlicher Typen von Gesundheitssystemen und Systemen der Langzeitpflege global nachzuzeichnen und zu erklären, wodurch Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen diesen nationalen Systemen strukturiert werden.

Allein die graduelle Einführung von Gesundheitssystemen weltweit zu beobachten, ist faszinierend und zum Teil sehr überraschend, wie z.B. in diesem kurzen Video:

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Mehr informationen zur Arbeit von Teilprojekt A04: Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko

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Haben Sie einige der vorherigen Türchen verpasst? Hier geht es zum gesamten SFB-Adventskalender 2020


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Alexander Polte
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57063
E-Mail: alexander.polte@uni-bremen.de

Dr. Achim Schmid, Gabriela de Carvalho, Johanna Fischer (v.l.n.r.)
Dr. Achim Schmid, Gabriela de Carvalho, Johanna Fischer (v.l.n.r.)
Gabriela de Carvalho erklärt im Interview, warum bestehende Typologien von Gesundheitssystemen einen starken Global-North-Bias haben und warum das problematisch ist.

Gabriela de Carvalho, Achim Schmid und Johanna Fischer haben die Literatur zu Klassifikationen von Gesundheitssystemen untersucht. Das Team hat festgestellt, dass die bestehenden Typologien einen starken Global-North-Bias aufweisen und somit wichtige Merkmale der Gesundheitssysteme des Globalen Südens nicht erfassen können. Gabriela de Carvalho, die Erstautorin des in Global Social Policy veröffentlichten Papers, erläutert einige Details ihrer Ergebnisse und was diese für Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger bedeuten.

Ihr habt die Literatur zu den bestehenden Klassifikationen von Gesundheitssystemen ausgewertet und festgestellt, dass diese kaum geeignet sind, um damit Forschung über den Globalen Süden zu betreiben. Was ist der Grund dafür?

Gabriela de Carvalho: Das Hauptziel unserer Forschung war die Auswertung der Literatur zur Typologie der Gesundheitssysteme und ihre Fähigkeit, die Besonderheiten der Gesundheitssysteme des Globalen Südens zu erfassen. Die Ergebnisse unserer Studie weisen auf die Grenzen verschiedener Merkmale bestehender Typologien hin: ihrer Abdeckung, der verwendeten Methoden und der Kriterien, auf denen sie aufbauen. Was die Abdeckung betrifft, so werden die Gesundheitssysteme der LMICs (Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen) in der Literatur nur selten berücksichtigt, da die klassifizierten Fälle im Verhältnis 1:5 aus Ländern des Südens und des Nordens bestehen. Was die Methoden anbelangt, so werden durch das übermäßige Zurückgreifen auf induktive Ansätze bei der Klassifizierung oft Länder ausgeschlossen, die sich nicht numerisch erfassen lassen. Gesundheitsstatistiken konzentrieren sich meist auf den Globalen Norden und enthalten erst in jüngster Zeit mehr Daten über Länder des Südens, was die Analyse von Regelungen jenseits der Länder mit hohem Einkommen erschwert. Die Verwendung induktiver Typologien zur Klassifizierung von Systemen kann zu schlecht abgesicherten Klassifikationen führen, insbesondere wenn die Studie darauf abzielt, ein Instrument für die Anwendbarkeit über ihre Stichprobe von Fällen hinaus zu schaffen. Im Hinblick auf die Kriterien und Merkmale, nach denen Gesundheitssysteme verglichen werden, werden dominante Merkmale von Gesundheitssystemen, die in den LMICs meist vorhanden sind, wie die Segmentierung des Systems für verschiedene Bevölkerungsgruppen, in vielen Typologien nicht berücksichtigt. Dies führt häufig zu Typologien, die die empirische Realität des Südens nicht erfassen.

In eurem Paper schreibt ihr, dass sich die Gesundheitssysteme in vielen Ländern des Globalen Südens sehr von denen des Globalen Nordens unterscheiden. Was sind die wichtigsten Punkte?

Gabriela de Carvalho: Alle Gesundheitssysteme, unabhängig vom Land, stehen vor zahlreichen Herausforderungen, und die aktuelle Pandemie hat dies noch deutlicher gemacht. Dennoch ist unbestreitbar, dass die Systeme des Globalen Südens mit noch größeren finanziellen und technischen Zwängen zu kämpfen haben. Neben größeren Disparitäten bei den Pro-Kopf-Ausgaben für die Gesundheitsversorgung, der Zahl der Gesundheitsfachkräfte und der Krankheitslast sind die LMICs stärker abhängig von internationalen Akteuren (transnationale Organisationen, INGOs und Drittländer), um ihre Systeme zu finanzieren, Dienstleistungen zu erbringen und sogar zu regulieren. Ein weiteres sehr wichtiges Merkmal vieler Gesundheitssysteme des Globalen Südens ist die Segmentierung, die Koexistenz verschiedener Systeme, die je nach Einkommen, sozialem Status und/oder Art der Beschäftigung auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen abzielen. In der Regel sind die Armen aufgrund ihres Ausschlusses von der formellen Beschäftigung Nutznießer der öffentlichen Dienstleistungen, während die oberen Schichten sozial und/oder privat versichert sind. Diese Schichtung führt zu weitreichenden gesundheitlichen Ungleichheiten, da öffentliche Dienstleistungen nur eine Grundversorgung bieten und Zusatzleistungen nur von denjenigen in Anspruch genommen werden können, die in der Lage sind, sie sich zu leisten.

Worin siehst du die Gründe dafür, dass diese Aspekte in der Klassifikationsliteratur bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden?

Gabriela de Carvalho: Im Allgemeinen glauben wir, dass sich die wissenschaftliche Forschung aufgrund der Datenverfügbarkeit, der finanziellen und technischen Ressourcen, der institutionellen Kapazitäten und des Interesses der Forscher noch immer auf die OECD-Länder konzentriert. Natürlich hat in den letzten Jahrzehnten eine Ausweitung der (Gesundheitssystem-)Forschung zu den LMICs stattgefunden, vor allem in Form von vertieften Fallstudien, aber sie hinkt im Vergleich zur Literatur des Globalen Nordens immer noch hinterher, insbesondere wenn es um einen systematischen Vergleich geht. Wenn die vielfältigeren Fälle nicht berücksichtigt werden, wird die Literatur weiterhin nur teilweise die empirische Realität abbilden und die "Unsichtbarkeit" der weniger untersuchten Länder und Regionen verstärken. Insbesondere für die Wissenschaft, die wir analysieren, ist klar, dass die Klassifizierung und die Entwicklung aussagekräftiger Typologien viel komplizierter ist, wenn es sich um Länder des Globalen Südens handelt. Die Gründe dafür variieren von der Segmentierung/parallelen (öffentlichen) Systemen, von Bevölkerungsteilen und/oder Gesundheitsdiensten, die den Märkten überlassen werden, bis hin zur Existenz weniger "ausgereifter" Systeme. Während die Systeme im Globalen Norden in gewisser Weise auch gemischt oder hybride Systeme sein können, ist es viel schwieriger, die Informationen zu verdichten und ein LMIC einem Idealtyp zuzuordnen.

Welche Folgen hat die Diskrepanz zwischen den bestehenden Klassifikationen in der Literatur und den im Globalen Süden existierenden Gesundheitssystemen - für die wissenschaftliche Forschung und für die Praxis/Politik?

Gabriela de Carvalho: Da sich die Literatur bei der Entwicklung von Klassifikationsinstrumenten häufig auf die Gesundheitssysteme des Globalen Nordens stützt, liegt die Vermutung nahe, dass die aus diesen Typologien resultierenden Modelle die Vorstellungen von Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern darüber, wie ein Gesundheitssystem aussieht - und aussehen sollte - stärker prägen und beeinflussen. Wir gehen davon aus, dass Beispiele aus Ländern mit hohem Einkommen (falsch) so interpretiert werden können, dass sie die "besten" Modelle oder "Benchmarks" darstellen, was zur Festlegung von Standards für andere Länder führen kann, ohne die besonderen und grundlegenden Merkmale der Gesundheitssysteme in den LMICs zu berücksichtigen. Dies könnte auch dazu führen, dass die Politikberatung nach den bekannten Typen modelliert wird. Für die wissenschaftliche Forschung könnte diese Nordorientierung neue Wissensproduktion behindern, die sich möglicherweise auf weniger analysierte Fälle konzentrieren könnte, da die Forschung dazu neigt, sich auf einflussreiche Werke zu konzentrieren und ungewohnte Fälle oder neue theoretische Überlegungen beiseite zu lassen.

Das gesamnte Paper (Open Access) lesen: Classifications of health care systems: Do existing typologies reflect the particularities of the Global South?

Mehr über die Arbeit von Gabriela de Carvalho, Achim Schmid, Johanna Fischer und des gesamten Projekt-A04-Teams:
Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko


Kontakt:
Gabriela de Carvalho
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57078
E-Mail: decarvalho@uni-bremen.de

Johanna Fischer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57074
E-Mail: johanna.fischer@uni-bremen.de

Dr. Achim Schmid
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58526
E-Mail: aschmid@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz Rothgang
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB-Mitglied Heinz Rothgang begrüßt den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Die Stellen könnten aber nur besetzt werden, wenn die Bundesländer ihre verbindlichen Fachkräftequoten änderten.

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, wonach in Deutschland 20.000 zusätzliche Stellen für Hilfskräfte in der vollstationären Altenpflege über die Pflegeversicherung finanziert werden sollen. Der Eigenanteil der Pflegebedürftigen soll dadurch nicht steigen.

SFB-Mitglied Heinz Rothgang, der mit Kolleginnen und Kollegen ein Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Pflegeeinrichtungen entwickelt hat, bewertet den Gesetzentwurf positiv: „Es ist ein erster Schritt – nicht mehr und nicht weniger. Der Vorschlag an sich ist erstmal gut und in Ordnung“, sagte er im Interview mit buten un binnen. Das neue Bemessungsverfahren ergab jedoch, dass in der Langzeitpflege bundesweit insgesamt 100.000 zusätzliche Vollzeitstellen nötig sind, was einem Personalzuwachs von einem Drittel im Vergleich zu heute entspricht. „Wir brauchen in Deutschland etwa drei bis vier Prozent mehr Fachkräfte“, sagte Rothgang, „aber 70 Prozent mehr Hilfskräfte.“

Die geplante Finanzierung der 20.000 Hilfskraftstellen über die Pflegeversicherung ist eine notwendige Vorrausetzung, aber der praktischen Umsetzung stehen Regelungen auf Bundesländerebene entgegen. „In fast allen Ländern … verlangen wir einen Fachkräfteanteil unter den Pflegekräften von 50 Prozent. Wenn eine Einrichtung sie unterschreitet, drohen rechtliche Schritte und eventuell die Schließung“, sagte Rothgang im Interview. Die Bundesländer müssten daher diese Regelungen ändern, sonst riskiere man, dass die Stellen nicht besetzt würden.

Eine Verringerung der Pflegequalität erwartet Rothgang nicht, wenn die Fachkräftequote sinkt: „Wenn Hilfskräfte zusätzlich hinzukommen, ohne dass Stellen für Fachkräfte gestrichen werden, sollte das nicht zu Nachteilen führen. Wenn zusätzliche Hilfskräfte die Fachkräfte entlasten, resultiert daraus eine gestiegene Pflegequalität – bei einer sinkenden Fachkraftquote.“

Der Abschlussbericht des Projektes zur Entwicklung und Erprobung des wissenschaftlichen fundierten Verfahrens zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Pflegeeinrichtungen ist am 23.09.2020 abgenommen und veröffentlicht worden.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Teilprojekt A04 "Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko" bietet Praktikumsplätze für zwei bis vier Monate (20-39 Stunden/Woche).

Project A04 is part of the Collaborative Research Centre (CRC) 1342 "Global Dynamics of Social Policy" and focuses on tracing the development of social policy in the fields of health care and long-term care in countries worldwide. Our research aims at pinpointing introduction times and major reforms of health care and long-term care systems and identifying different types of systems as well as factors shaping their development. The project team consists of seven researchers and is directed by Prof. Heinz Rothgang, Dr. Lorraine Frisina Doetter and Prof. Sebastian Haunss. For more information on the project A04 and the CRC please see: https://www.socialpolicydynamics.de/projects/project-area-aglobal-dynamics/project-a04/en/

Tasks

The internship will mainly focus on in-depth research on the historical development of health care systems and/or longterm care systems in one or in several countries. You will search and review relevant academic literature, reports and legal documents and summarize the results. Ideally, this work will feed into writing 5-7 page country briefs which will be published in our CRC 1342 Social Policy Country Brief Series. Additional tasks might also include the collection of quantitative data and literature research and management on health and long-term care.

Requirements

  • Interest in health and/or long-term care policies
  • Very good knowledge of English and experience in writing English texts
  • Experience with literature review and/or data research


Desirable

  • Basic knowledge of social policy, health care policy and/or long-term care policy
  • Knowledge of EndNote
  • Additional language skills (French would be an asset)
  • Knowledge of or interest in politics or policies in specific regions/countries in the Global South


Offer

We offer a cooperative working environment in a friendly, interdisciplinary, and multicultural team at one of the major research projects on comparative social policy study in Germany, where you get the opportunity to apply and develop your skills and knowledge. The internship provides you with insights in working in academia and the possibility to attend (online) meetings of the A04 project, and (digital) events of the CRC 1342 and SOCIUM. During your internship, you have the opportunity to author one or several Social Policy Country Briefs which will be published in our country brief series. If interested, writing your MA thesis related to the project is a possibility as well.

Conditions

Internships can be flexibly arranged in the period between September 2020 and March 2021 and should last approximately 2-4 month. Weekly working time should range between 20-39 hours. Please state your preferences for period, length, and weekly hours in your application. Concrete modalities will then be coordinated during the hiring
process.

Due to the restrictions caused by the SARS-CoV-2 pandemic, work will usually have to be conducted from home and meetings and coordination will take place online.

Application

If you are interested in an internship at the project A04 please send your application to Prof. Dr. Sebastian Haunss (sebastian.haunss@uni-bremen.de). Your application should include a CV, a short letter of motivation as well as a current transcript of records as a PDF document. Please specify your preferred work modalities in the application as well. In case of questions on the internship please contact Sebastian Haunss.


Kontakt:
Prof. Dr. Sebastian Haunss
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58572
E-Mail: sebastian.haunss@uni-bremen.de

Prof. Dr. Kerstin Martens, Prof. Dr. Marianne Ulriksen, Sharla Plant, Dr. Lorraine Frisina Doetter, Prof. Dr. Delia González de Reufels
Prof. Dr. Kerstin Martens, Prof. Dr. Marianne Ulriksen, Sharla Plant, Dr. Lorraine Frisina Doetter, Prof. Dr. Delia González de Reufels
In einem Workshop mit der Redakteurin Sharla Plant wurden die Pläne für die kommenden zwei Jahre konkretisiert und Ideen für weitere Bände entwickelt.

Anfang Dezember trafen sich die Herausgeberinnen der neuen SFB-Palgrave-Macmillan-Buchreihe „Global Dynamics of Social Policy“, Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels, Kerstin Martens und Marianne Ulriksen mit der Palgrave-Redakteurin Sharla Plant in Bremen. Gemeinsam wurde festgelegt, dass im kommenden Jahr drei Bände erscheinen werden:

  • Carina Schmitt (Hrsg.): Social Protection in the Global South
  • Lutz Leisering (Hrsg.): A Hundred Years of Social Security in Middle-Income Countries
  • Kerstin Martens, Dennis Niemann & Alexandra Kaasch (Hrsg.): International Organizations in Global Social Policy


Anschließend wurde der Entwurf eines Sammelbandes diskutiert, der in rund 40 Kurzbeiträgen eine kurze Geschichte sozialpolitischer Wendepunkte weltweit erzählen wird. Die Beiträge werden ausschließlich von SFB-Mitgliedern geliefert und fußen auf bisherigen Ergebnissen der 15 SFB-Teilprojekte. Der Band wird in der ersten Hälfte 2021 erscheinen.

Nachdem die Herausgeberinnen ein Design für die Palgrave-SFB-Reihe festgelegt hatten, traf sich Sharla Plant am Nachmittag mit rund einem Dutzend Autorinnen und Autoren, die in Einzelgesprächen ihre Ideen für weitere Bände präsentierten. Diese werden in den nächsten Monaten weiterentwickelt und konkretisiert.

Der SFB 1342 und Palgrave McMillan geben eine neue Buchserie heraus. Die ersten Bände werden Anfang 2020 erscheinen.

Der SFB 1342 und der Verlag Palgrave McMillan haben diese Serie ins Leben gerufen, um Forschungsergebnisse aus dem SFB 1342 sowie von externen Kollegen zu veröffentlichen.

Diese Serie wird von Studien veröffentlichen über die Wellen, Brüche und transformativen Perioden der Expansion und des Rückgangs des Wohlfahrtsstaates weltweit, d.h. in Nationalstaaten, Großregionen und weltweit. Es bedarf einer umfassenden und globalisierten Perspektive der Sozialpolitik; dieser Ansatz wird dazu beitragen, Episoden von Einschnitten, Sparmaßnahmen und Tendenzen des Abbaus des Wohlfahrtsstaates in bestimmten Ländern, Politikbereichen und in Bezug auf bestimmte soziale Risikogruppen zu lokalisieren und zu erklären, und zwar unter Bezugnahme auf vorherige, gleichzeitige oder erwartete Episoden der Expansion oder Kontraktion in anderen Ländern und Bereichen.

Eines der Ziele dieser Reihe ist es, die verschiedenen Konstellationen anzusprechen, die sich zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren ergeben, einschließlich internationaler und zwischenstaatlicher Organisationen, politischer Akteure und Gremien sowie Wirtschaftsunternehmen. Ein besseres Verständnis dieser Dynamiken verbessert das Verständnis für sozialpolitische Entscheidungen, sozialpolitische Entscheidungen und letztlich die Ergebnisse der Sozialpolitik.

Herausgeber der Serie sind die SFB-1342-Mitglieder Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels und Kerstin Martens sowie Marianne Ulriksen (University of Southern Denmark/University of Johannesburg).


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Prof. Dr. Delia González de Reufels
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67200
E-Mail: dgr@uni-bremen.de

Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Prof. Dr. Sebastian Haunss im SZ-Interview
Prof. Dr. Sebastian Haunss im SZ-Interview
Sebastian Haunss, Leiter des Teilprojekts A04, forscht zu sozialen Konflikten. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erläutert er, warum die Bewegung "Fridays for Future" so erfolgreich ist und welche konkreten politischen Erfolge zu erwarten sind.

"SZ: Nehmen wir an, ich würde mich wahnsinnig über den Umbau des Münchner Hauptbahnhofs ärgern. Wie müsste ich protestieren, um ihn zu stoppen?

Sebastian Haunss: Tja, darauf gibt es aus wissenschaftlicher Perspektive keine eindeutige Antwort. Bisherige Untersuchungen zum Beispiel der Anti-Atomkraft-Bewegung haben gezeigt, dass eine große und lang anhaltende Mobilisierung wichtig ist, die Unterstützung durch politische Eliten und eine Bevölkerungsmehrheit zugunsten des Anliegens. Hilfreich ist eine offene Gelegenheitsstruktur, also Möglichkeiten, im politischen System Gehör zu finden. Das deutsche System ist relativ offen, weil die kommunale, die Bundes- und die Landesebene jeweils Zugangswege ermöglichen. Im Fall der Anti-AKW-Bewegung gab es zudem mit Tschernobyl ein Ereignis, das zu ihrem Erfolg beigetragen hat. Aber es gibt ziemlich wenig übergreifende Forschung zu Erfolgsbedingungen - und die, die es gibt, lässt sich nicht auf jeden beliebigen Protest übertragen.

Also: Wenn viele mitmachen, die Mitmenschen das Anliegen gut finden und ein paar Politiker zuhören ..."

Aus Urheberrechtlichen gründen können wir das gesamte Interview an dieser Stelle nicht wiedergeben. Sie finden den kompletten Text hier bei der Süddeutschen Zeitung.


Kontakt:
Prof. Dr. Sebastian Haunss
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58572
E-Mail: sebastian.haunss@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz Rothgang
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB-Mitglied Heinz Rothgang präsentierte auf dem Altenpflege-Zukunftstag einen Zwischenstand des Projekts zur Entwicklung eines Personalbemessungssystem in der Langzeitpflege: Bereits jetzt gibt es einen erheblichen Mehrbedarf an Personal.

Seit knapp zwei Jahren leitet Heinz Rothgang am Socium ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Bemessung des Personals in deutschen Pflegeeinrichtungen zu entwickeln. 798 Pflegekräfte wurden während ihres Arbeitsalltags begleitet und beobachtet ("beschattet"). An insgesamt 2046 Schattentagen wurden insgesamt 144.000 Interventionen registriert. Auf dieser Basis wird derzeit der Bedarf an Fach- und Hilfspersonal in Deutschlands Pflegeheimen berechnet.

Das Projekt läuft noch bis Ende August 2019. Auf dem Altenpflege-Zukunftstag in Nürnberg präsentierte Rothgang kürzlich einen ersten Zwischenstand:

  • In der Erhebung wurden Defizite bei der Menge der bedarfsnotwendigen erbrachten Interventionen und bei der Zeit für ihre Erbringung festgestellt.
  • Mehr Personal allein führt jedoch nicht zu besserer Pflege. Verbesserungen in der Organisationsstruktur und der Arbeitsabläufe sind zusätzlich notwendig.
  • Die derzeit übliche einheitliche Fachkräftequote von 50% sollte abgelöst werden durch heimindividuelle Qualifikationsstrukturen, die von der Pflegebedürftigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner abhängen.
  • Es herrscht ein Mehrbedarf sowohl an Fach- als auch an Assistenzkräften, wobei überproportional mehr zusätzliche Assistenzkräfte benötigt werden.
  • Ergeben sich andere Qualifikationsmixe, muss auch die Rolle von Fachkräften neu definiert werden und diese sind vor allem in Planung, Anleitung, Beaufsichtigung einzusetzen. Hierzu sind Personalentwicklungsprozesse notwendig.
  • Die nötigen Anpassungen müssen in einer Konvergenzphase schrittweise erfolgen.
  • Mehr Personal bedeutet steigende Kosten in Milliardenhöhe. Notwendige Gehaltssteigerungen für Pflegekräfte verstärken diese Entwicklung.
  • Um die Eigenanteile der Pflegebedürftigen zu begrenzen, ist eine Reform der Pflegeversicherung nötig.

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz Rothgang
Prof. Dr. Heinz Rothgang
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn EU-Ländern diskutierten mit Vertreterinnen und Vertretern von Eurostat, der OED und europäischen NGOs über Fragen des Zugangs, der Qualitätssicherung und der Nachhaltigkeit von Pflegesicherungssystemen.

SFB-Mitglied Heinz Rothgang hat am 7. und 8 März an einem Workshop der EU-Kommission zum "Mutual Learing" im Bereich Sozialer Sicherung von Pflegebedürftigkeit teilgenommen. Ausgewählte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn EU-Ländern diskutierten mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommission, von Eurostat, der OED und europäischen NGOs über Fragen des Zugangs, der Qualitätssicherung und der Nachhaltigkeit von Pflegesicherungssystemen. Außerdem ging es um die Möglichkeit, die vergleichende Berichterstattung dazu auf EU-Ebene zu verbessern. In den Diskussionen und der Arbeit in Kleingruppen hat Heinz Rothgang insbesondere die Perspektive der deutschen Pflegeversicherung dargelegt.

"Soziale Sicherungssysteme bei Pflegebedürftigkeit sind in der Europäischen Union der jüngste Zweig der sozialen Sicherung. Zugleich sind sie der Bereich, in dem sich die Sicherungssysteme der Mitgliedsstaaten am stärksten unterscheiden", sagt Rothgang. "Umso wichtiger ist es, wechselseitige Lernprozesse zwischen den Mitgliedsstaaten zu initiieren."

Es gebe inzwischen viele Daten und Studien zur Sozialen Sicherung von Pflegebbedürftigkeit, sagt Rothgang. Der internationale Vergleich sei aber schwierig: "Zwar ist es möglich eine gemeinsame, eher abstrakte Definition von Pflegebedürftigkeit zu formulieren, allerdings muss für Vergleichszahlen auf nationale Definitionen zurückgegriffen werden. Diese sind aber nicht ohne weiteres vergleichbar, so dass schon die vergleichende Darstellung der Zahl der Pflegebedürftigen schwierig ist." Eine Lösung, so Rothgang, wäre eine Vignettenstudie. "Dabei würden den nationalen Verantwortlichen wohlbeschriebene Fälle vorgelegt und sie müssten dann angeben, welche Leistungen die beschriebene Person in ihrem Land erhält." Zusammen mit den nationalen Daten entstehe so ein vergleichbares Bild.

Nachdem auf europäischer Ebene in den letzten Jahren verstärkt Indikatoren zur Ergebnisqualität diskutiert wurden, sagt Rothgang weiter, werde nun deutlich, "dass wir auch auf Indikatoren der Struktur- und Prozessqualität nicht verzichten können".


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heinz Rothgang im Interview
Prof. Dr. Heinz Rothgang im Interview
Weltweit werden technische Lösungen und Hilfsmittel für die Langzeitpflege entwickelt. In einem Interview mit dem Fernsehsender Radio Bremen hat SFB-Mitglied Heinz Rothgang eingeordnet, ob Roboter und IT geeignet sind, dem Pflegenotstand beizukommen.

"Der Einsatz von Robotern und IT in der Pflege sind sicher ein Teil der Zukunft, aber nicht die alleinige Lösung des Pflegenotstandes", sagte Heinz Rothgang, Leiter der Teilprojekte A04 und B07, in der Sendung "buten und binnen" des Senders Radio Bremen. "Die Technik kann unterstützen, aber nicht die Menschen ersetzen. Denn Pflege ist Kommunikation, menschliche Zuwendung." Dies könne Technik nicht übernehmen. Sie könne die Pflegenden jedoch unterstützen und entlasten durch Sensorik, Fernüberwachung und ähnliches.

Sorge, dass die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, sobald Roboter und IT in der Pflege eingesetzt würden, hat Rothgang nicht. Er hat eher Zweifel, dass sinnvolle technische Lösungen in der Pflege Einzug überhaupt halten, da in diesem Bereich der Einsatz von Technik generell skeptisch gesehen werde. Daher untersucht Heinz Rothgang mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Socium, welche Wünsche und Bedarfe an technischer Hilfestellung es bei Pflegebedürftigen und Pflegenden tatsächlich gibt. So soll sichergestellt werden, dass technische Lösungen entwickelt werden, die auch tatsächlich gewinnbringend angewendet werden.

Rothgang betonte in "buten und binnen" auch, dass angesichts des Pflegenotstandes die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden muss, damit mehr Menschen in diesem Feld arbeiten wollen.

Das gesamte Interview mit Heinz Rothgang: „buten und binnen“ vom 14.02.2019


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
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E-Mail: rothgang@uni-bremen.de