Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.


Simon Gerards Iglesias in Berlin
Simon Gerards Iglesias in Berlin
Der Online-Vortrag war der Abschluss seines Stipendiums für einen Forschungsaufenthalt in Berlin.

Simon Gerards Iglesias hatte in diesem Jahr vom Ibero-Amerikanischen Institut (IAI) aus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein Stipendium erhalten für einen Forschungsaufenthalt als Gastwissenschaftler in Berlin. Zum Abschluss hielt er am 16.06.2020 im Forschungskolloquium des IAI einen Vortrag über sein Dissertationsprojekt, an dem er in Teilprojekt B02 arbeitet. In seiner geschichtswissenschaftlichen Untersuchung forscht Gerards Iglesias zu den Beziehungen zwischen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und Argentinien im Zeitraum 1919 bis 1943 aus einer transnationalen Perspektive. An dem Kolloquiumsvortrag, das Corona-bedingt als Videokonferenz stattfinden musste, nahmen neben dem Forschungspersonal des Ibero-Amerikanischen Instituts auch eine Reihe von Wissenschaftler*innen aus Lateinamerika teil.


Kontakt:
Simon Gerards Iglesias
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67204
E-Mail: sgerards@uni-bremen.de

Das Autorenteam identifiziert drei kausale Mechanismen, die in China zur Herausbildung beitragsfinanzierter Sozialversicherungssysteme geführt haben.

Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik hat sich die soziale Sicherung für städtische Arbeitnehmer in der Volksrepublik China massiv verändert. Vor den 1980er-Jahren waren staatseigene Unternehmen für den Schutz der Arbeitnehmer vor sozialen Risiken wie Alter, Unfall und Krankheit verantwortlich. Heute sind diese drei Bereiche als beitragsfinanzierte Sozialversicherungssysteme organisiert, mit chinesischen Besonderheiten.

In ihrem Beitrag "Causal mechanisms in the making of China‘s social insurance system: Policy experimentation, topleader intervention, and elite cooperation" arbeiten Tobias ten Brink, Armin Müller und Tao Liu die kausalen Mechanismen herausgearbeitet, die in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren zur Einführung der Sicherungssysteme geführt haben. Sie identifizieren drei kausale Mechanismen: (neutrales und strategisches) Experimentieren, Interventionen von zentralen Führungspersonen sowie (konsensbasierte und erzwungene) Elitenkooperation. Darüber hinaus zeigen die srei Autoren, dass das Vorhandensein oder Fehlen von Komplementaritäten zwischen dem internationalen Umfeld und der inländischen Akteurskonstellation einen entscheidenden Einfluss darauf hatte, wie sich die Mechanismen in den Politikbereichen der städtischen Renten-, Kranken- und Arbeitsunfallversicherung auswirken.

"Causal mechanisms in the making of China‘s social insurance system: Policy experimentation, topleader intervention, and elite cooperation" ist die siebte Forschungsarbeit, die seit Oktober 2019 als Socium SFB 1342 Working Paper publiziert wurde.


Kontakt:
Prof. Dr. Tao Liu
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Soziologie
Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Tel.: +49 203 379-3747
E-Mail: tao.liu@uni-due.de

Dr. Armin Müller
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3473
E-Mail: arm.mueller@jacobs-university.de

Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunden/Woche. Für Studierende des MA Sozialpolitik und des MA Politikwissenschaft ist es möglich, 8 Wochen Vollzeitarbeit im Rahmen des Projekts als Forschungspraktikum zu absolvieren.

An der Universität Bremen ist im Sonderforschungsbereich 1342 im Teilprojekt "Entwicklung und Diffusion von Familienpolitik in globaler Perspektive" die folgende Stelle zu besetzen:

Studentische Hilfskraft mit bis zu 10 Std./Woche.

Beginn: Zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Die Stelle ist zunächst bis Ende 2020 befristet, eine längerfristige Weiterbeschäftigung ist angestrebt.

Das Projekt ist ein Teilprojekt des von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichs 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik!" und wird geleitet von Prof. Sonja Drobnič und Prof. Johannes Huinink. In diesem Projekt geht es darum, die historische Entwicklung familienpolitischer Maßnahmen in allen Ländern der Welt zu erheben und die Verbreitung über Ländergrenzen hinweg zu erklären.  Dabei wird auch die Rolle internationaler Organisationen in den Blick genommen.

Für Studierende des MA Sozialpolitik und MA Politikwissenschaft ist es zudem möglich, 8 Wochen Vollzeitarbeit im Rahmen des Projekts als Forschungspraktikum zu absolvieren.

Aufgaben: 

  • Datenbank- und Literaturrecherchen
  • Erhebung von statistischen Daten aus Textdokumenten
  • Aufbereitung der bereits erhobenen Daten
  • Erstellung von deskriptiven Analysen im Rahmen des Projekts

 

Voraussetzungen:

  • Gute Englischkenntnisse (weitere Sprachkenntnisse sind willkommen)
  • Erfahrungen im Bereich Literaturrecherche und/oder Dokumentenanalyse
  • Selbstständiges, zuverlässiges und strukturiertes Arbeiten
  • Kenntnisse in R oder STATA (insbesondere Datenmanagement)
  • Interesse an makro-komparativen Daten sowie Fragestellungen

 

Bewerbungen mit CV und kurzem Motivationsschreiben senden Sie bitte bis zum 15.08.2020 elektronisch bitte als pdf-Anhang an: boeger@uni-bremen.de

Müller traf sich zur Videokonferenz mit Evelyne Gebhardt, stellvertretende Vorsitzende der Delegation für die Beziehung zur VR China im Europäischen Parlament, und Tamara Anthony, Leiterin des ARD-Auslandsstudios in Peking.

Eine Aufzeichnung des Gesprächs ist auf Evelyne Gebhardts Facebookseite verfügbar.


Kontakt:
Dr. Armin Müller
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3473
E-Mail: arm.mueller@jacobs-university.de

SFB-Mitglied Ivo Mossig diskutiert in seinem Beitrag die Folgen der COVID-19-Pandemie für sozioökonomische Entwicklungsunterschiede und welche Rolle dabei Sozialpolitik spielt.

Vom 6. bis 8. Juli 2020 veranstaltet die Forschungsgruppe Transient Spaces and Societies vom Geographischen Institut der Universität Innsbruck ein digitales Symposium zum Thema COVID-19 als Zäsur? Geographische Perspektiven auf Räume, Gesellschaften und Technologien in der Pandemie. Ivo Mossig, Co-Leiter des Teilprojekts A01, beteiligt sich mit seinem Vortrag "Sozio-ökonomische Entwicklungsunterschiede und Sozialpolitik in Zeiten der COVID-19-Pandemie".

Mossig geht dabei von der Beobachtung aus, dass in Zeiten der Pandemie die sozialen Sicherungssysteme in allen Teilen der Welt auf eine besonders harte Probe gestellt werden. Gleichzeitig hält er fest, dass Sozialpolitik und die aus ihr resultierenden Sicherungssysteme entscheidende Elemente sind, um die weltweit unterschiedlich ausgeprägten Folgen der Pandemie zu erklären. Umso verwunderter zeigt sich Mossig, dass Geographinnen und Geographen seit jeher räumliche sozioökonomische Entwicklungsunterschiede analysieren, dabei aber die Sozialpolitik wenig beachten. Mossig stellt in seinem Konferenzbeitrag daher die interdependente Beziehung zwischen sozio-ökonomischen Entwicklungsunterschieden und Sozialpolitik heraus. Die Integration solcher sozialpolitischer Forschung kann nach Mossig substanziell dazu beitragen, soziale Ungleichheiten auf verschiedenen räumlichen Maßstabsebenen zu erklären. Dies wird in Zeiten der COVID-19-Pandemie nur noch relevanter.


Kontakt:
Prof. Dr. Ivo Mossig
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 / 421 / 218 67410
E-Mail: mossig@uni-bremen.de

Prof. Dr. Carina Schmitt
Prof. Dr. Carina Schmitt
Das Buch eröffnet die Reihe "Global Dynamics of Social Policy" und behandelt den Einfluss externer Akteure auf die soziale Sicherung im Globalen Süden.

Carina Schmitts Buch "From Colonialism to International Aid - External Actors and Social Protection in the Global South" ist als Open-Access-Publikation erschienen. "Wir sind uns seit langem bewusst, dass externe Akteure für die soziale Sicherung in diesen Ländern von Anfang an wichtig waren", sagt Carina Schmitt. "Allerdings war nicht ganz klar, wie dieser Einfluss genau aussieht. Das Buch geht genau dieser Frage nach."

Das Buch hat 14 Kapitel und befasst sich vor allem mit dem Einfluss des Kolonialismus, des Kalten Krieges und internationaler Geldgeber auf die Entwicklung der sozialen Sicherung - in der Vergangenheit und Gegenwart. Das Buch basiert auf dem Symposium "Building Social Protection Systems in the Global South. Different Trajectories and the Influence of External Factors", das im Juni 2018 an der Universität Bremen stattfand. "Wir haben versucht, verschiedene Forschungsperspektiven und -traditionen und auch Wissenschaftler aus verschiedenen Regionen der Welt zusammenzubringen", sagt Carina Schmitt.

Der SFB 1342 und Palgrave McMillan haben die Buchreihe "Global Dynamics of Social Policy" aufgelegt, um Forschungsergebnisse des SFB 1342, aber auch von externen Kollegen zu veröffentlichen. Die Reihe konzentriert sich auf Studien über Wellen, Brüche und transformative Perioden der Expansion und des Abbaus des Wohlfahrtsstaates weltweit. Die Beiträge nehmen dabei eine umfassende und globalisierte Perspektive auf die Sozialpolitik ein.

Eines der Ziele dieser Reihe ist es, sich mit den unterschiedlichen Konstellationen zu befassen, die sich zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren ergeben - darunter internationale und zwischenstaatliche Organisationen, politische Akteure und Gremien sowie Wirtschaftsunternehmen. Analysen dieser Dynamiken verbessern das Verständnis für die sozialpolitische Entscheidungsfindung und letztlich die Ergebnisse von Sozialpolitik.

Die Herausgeber der Reihe sind die SFB-1342-Mitglieder Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels und Kerstin Martens sowie Marianne S. Ulriksen (University of Southern Denmark).


Kontakt:
Prof. Dr. Carina Schmitt
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58603
E-Mail: carina.schmitt@uni-bremen.de

In einem Blog-Beitrag analysieren Anna Safuta und Kristin Noack die ohnehin schon prekäre Lage migrantischer Pflegekräfte, die sich durch die Corona-Krise weiter verschärft hat.

Deutsche Haushalte beschäftigen bis zu 500.000 ausländische Pflegekräfte, die meisten von ihnen Polinnen, in geringerem Maße auch Rumäninnen, Bulgarinnen und Ukrainerinnen. "Ihre Beschäftigungsbedingungen stehen oft im Widerspruch zu den gesetzlichen Bestimmungen über Mindestlöhne und Arbeitszeiten", schreiben Safuta und Noack in ihrem Artikel. Aber sie und ihre Familien sind in hohem Maße auf das Einkommen angewiesen, das sie oft als "live-in workers" erzielen: Sie bleiben für mehrere Wochen oder Monate bei den Familien in Deutschland, bevor sie für eine bestimmte Zeit in ihre Heimatländer zurückkehren. 

Diese oft prekären Arbeitsbedingungen wurden während der Covid-19-Pandemie und durch die Maßnahmen der deutschen Regierung und Verwaltung (z.B. Reiseverbote, Grenzkontrollen, zweiwöchige Quarantäneauflagen) noch verschärft.

Für ihren Artikel analysierten Safuta und Noack zudem die Diskussionen unter ausländischen Pflegekräften in den sozialen Medien. Sie stellten fest, dass "die Pandemie zu Spannungen zwischen Pflegekräften führte, die weiter arbeiten wollten, und jenen, die ihnen vorwarfen, sich selbst und andere unnötig in Gefahr zu bringen oder das Unzumutbare zu akzeptieren".

Lesen Sie den ganzen Artikel "A pandemic, and then what? The effects of the coronavirus pandemic on migrant care workers in Germany" im Routed Magazine.


Kontakt:
Kristin Noack
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58604
E-Mail: knoack@uni-bremen.de

Dr. Anna Safuta
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58597
E-Mail: anna.safuta@uni-bremen.de

Heime und Pflegedienste sind in hohem Maße von der Pandemie betroffen. Knapp die Hälfte der Dienst berichtet, dass die ambulante Versorgung Pflegebedürftiger gefährdet sei.

Ein neunköpfiges Team aus dem Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) und dem SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik haben unter Leitung von Karin Wolf-Ostermann und SFB-Mitglied Heinz Rothgang eine bundesweite Online-Befragung in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen durchgeführt. Von 701 Pflegediensten, 96 teilstationären und 824 stationären Einrichtungen liegen nunmehr Daten vor.

Pflegeheime sind demnach ebenso wie Pflegedienste von COVID-19-Fällen sowohl bei Mitarbeitenden als auch bei den Pflegebedürftigen im hohen Maße betroffen. Bezogen auf Daten des Robert-Koch-Instituts für den 5. Mai 2020 entfallen mehr als 60 Prozent der Todesfälle bundesweit auf Bewohner*innen von Pflegeheimen (49 Prozent) oder auf Klient*innen ambulanter Pflegedienste (12 Prozent) – ihr Anteil an allen Infizierten beträgt zusammen lediglich 8,5 Prozent. Bemerkenswert ist, dass 80 Prozent aller Pflegeheime keine bestätigten COVID-19-Fälle zu verzeichnen hatten. Die Fälle konzentrieren sich also auf wenige Einrichtungen, die dann aber in der Regel stark betroffen sind.

Fast jedes fünfte Pflegeheim und jeder zehnte ambulante Pflegedienst sind von Erkrankungsfällen bei Mitarbeitenden betroffen. Der Anteil der Erkrankten ist unter den Mitarbeiter*innen in Pflegeheimen sechsmal so hoch wie in der Normalbevölkerung, unter den Mitarbeiter*innen in ambulanten Pflegediensten doppelt so hoch.

Von einem Corona-bedingten Personalausfall von bis zu 10 Prozent berichten etwa die Hälfte aller Pflegedienste und mehr als zwei Drittel aller Pflegeheime. Bei einem Sechstel der Pflegeheime liegt der Personalausfall sogar bei mehr als 10 Prozent. Engpässe in Bezug auf persönliche Schutzausrüstungen für Mitarbeitende oder Flächendesinfektionsmittel waren ursprünglich sehr groß. Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt, allerdings klagt immer noch jeder vierte Pflegedienst und jedes sechste Pflegeheim über zu wenig Schutzausrüstung.

Bislang standen vor allem Pflegeheime im Fokus der medialen Berichterstattung. Allerdings berichtet knapp die Hälfte aller ambulanten Dienste, dass die Versorgung von bislang versorgten Pflegebedürftigen gefährdet, instabil oder sogar nicht sichergestellt ist. "Dass so wenig Aufmerksamkeit auf die häusliche Pflege gerichtet wird, ist angesichts dessen besorgniserregend", heißt es in dem Ergebnisbericht.

Aus der Befragung ergibt sich aus Sicht des Forschungsteams folgendes: Um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, muss den Forderungen der Pflegedienste und stationäre Einrichtungen nachgekommen werden. Dazu gehören bundesweite und praktikable Handlungsempfehlungen, eine dauerhafte ausreichende Bereitstellung von Schutz- und Desinfektionsmitteln, die systematische und regelmäßige Testung von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Personal, sowie eine bessere Vergütung der Pflegekräfte und eine bessere Personalausstattung.

Den gesamten Ergebnisbericht zur Befragung von Pflegeeinrichtungen während der Corona-Pandemie können Sie hier herunterladen.


Kontakt:
Prof. Dr. Heinz Rothgang
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Prof. Dr. Delia González de Reufels (Foto: Steven Keller)
Prof. Dr. Delia González de Reufels (Foto: Steven Keller)
Delia González de Reufels erklärt im Interview, warum sich Lateinamerika zum Hotspot der Covid-19-Pandemie entwickelt hat und welch unterschiedliche Strategien die Länder verfolgen, um ihr zu begegnen.

Südamerika ist ein Hotspot der Covid-19-Pandemie. Wie beurteilst du die Situation?

Die WHO hat erst in diesen Tagen den amerikanischen Doppelkontinent zum neuen Hot Spot der Pandemie erklärt, und die Lage ist wirklich erschreckend. Anders als in Ecuador, wo der erste Fall bereits Ende Februar im Zusammenhang mit einem Verwandtenbesuch einer in Madrid lebenden Frau aufgetreten ist, wurden Corona-Infektionen in vielen Ländern erst Mitte März verzeichnet. So hatte man überwiegend mehr Zeit, sich auf den Ausbruch vorzubereiten als beispielsweise Europa und die USA. Diese wertvolle Zeit ist aber vielfach nicht genutzt worden bzw. konnte nicht genutzt werden.

Wie erklärst du dir das?

Es mag banal klingen, aber eine der Erklärungen ist, dass angesichts einer drohenden Pandemie nicht plötzlich alle Versäumnisse der Vergangenheit im Gesundheitswesen behoben werden können. Die Corona-Krise legt die Schwächen der Gesundheitssysteme und der allgemeinen Infrastruktur sowie das Ausmaß an Korruption offen. Zugleich verstärkt die Krise die bestehende soziale Ungleichheit, politische Probleme und Spannungen. Um nur ein infrastrukturelles Versäumnis zu nennen: Nicht überall sind alle Haushalte mit Trinkwasser versorgt. Wer zum Wasserholen aus dem Haus muss, trifft dort Nachbarn und wird zwangsläufig mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Auch jahrzehntelange Einsparungen im Gesundheitssektor, und hierfür ist Mexiko ein gutes Beispiel, wirken sich unmittelbar negativ aus. In Mexiko sind die öffentlichen Ausgaben für Gesundheit trotz wachsender Bevölkerung gleich geblieben. Seit Jahren betrugen sie knapp 3% des Staatsbudgets. Wenn man das in Beziehung zu den Ausgaben anderer Staaten der Hemisphäre setzt, geben nur Guatemala und Venezuela weniger für die Gesundheit aus. Das steht in deutlichem Kontrast zur Bedeutung, die Mexiko dem Gesundheitssektor früher beigemessen hat. Immerhin hatte das Land ab den 1940er Jahren massiv in öffentliche Gesundheit und in Sozialversicherung investiert.

Ein weiterer Grund, weshalb die Pandemie viele Länder Lateinamerikas so hart trifft, ist der Populismus einzelner Regierungen. Hier wurde nicht versucht, der Pandemie frühzeitig und gezielt zu begegnen, vielmehr wurde die Gefahr des Corona-Virus sehr lange heruntergespielt. Das gilt auch für Mexiko. Der Präsident Andrés Manuel López Obrador hat zu Beginn der Pandemie zum Beispiel bei einer Kundgebung auf eine entsprechende Frage hin kurz in die Jackentasche gegriffen und zwei Heiligenbildchen herausgeholt. Er hielt diese hoch und behauptete, sich gut geschützt zu fühlen. Ihm könne, so erklärte er, nichts passieren. Damit wich er tatsächlich der Frage nach Maßnahmen der Regierung gegen die Pandemie aus und gab den einfachen Mexikanerinnen und Mexikanern das Signal, einer von ihnen zu sein; mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum neuartigen Virus beschäftige er sich nicht. Er hat sich auch jüngst wieder geweigert, sich auf Covid-19 testen zu lassen, weil er ja keinerlei Symptome zeige. Zugleich signalisiert der Präsident: Diese Regierung sieht keinen Anlass etwas zu unternehmen und zum Beispiel die Testkapazitäten zu erhöhen. Die schlimmen Folgen dieser Haltung können wir in diesen Tagen beobachten.

Auch in Brasilien, wo die Pandemie als Ganzes vom Präsidenten Jaïr Bolsonaro negiert wurde, hat sich das Virus mit dramatischen Folgen verbreitet. Die Provinz Amazonien, die medizinisch unterversorgt ist, hat gerade unter den indigenen Bevölkerungen dramatisch viele Todesopfer zu beklagen. Aber auch in einer Stadt wie Sao Paulo wurden in diesen Tagen die Gräber knapp, die Friedhofsverwaltung wurde angewiesen, vor längerer Zeit Verstorbene zu exhumieren und die Gebeine bis auf weiteres in Containern zu lagern. So soll Platz für die vielen neuen Toten gemacht werden. Zugleich werden die wahren Dimensionen der Krise verschleiert. Die Entscheidung, keine Infektionszahlen mehr veröffentlichen zu wollen, die das Gesundheitsministerium getroffen hat, spricht eine deutliche Sprache. Allerdings ließ sich diese nicht aufrechterhalten, weil die Kritik daran im Land und im Ausland gleichermaßen groß war. Und auch Mexiko hat nicht immer alle Zahlen übermittelt, wie sich aus den Berichten von medizinischem Pflegepersonal ergeben hat. Dieses Personal konnte oft die eigenen Beobachtungen mit den z.B. für die Hauptstadt Mexiko veröffentlichten Zahlen nicht in Einklang bringen.

Gibt es auch Gegenbeispiele, also Regierungen in Lateinamerika, die die Krise ernst genommen und good practice von anderen Ländern übernommen haben?

Im Projekt B02 des SFBs betrachten wir Argentinien, Chile und Uruguay, die als Pioniere im Bereich der Sozialpolitik und der öffentlichen Gesundheit gelten. Und tatsächlich haben alle drei Länder sehr früh weitreichende Maßnahmen ergriffen, die sich in das einreihen, was wir aus Europa kennen und sich offensichtlich an diesen Instrumenten orientiert. Allerdings ist auf der südlichen Halbkugel das Virus im Herbst ausgebrochen, der Höhepunkt des Ausbruchsgeschehens wird in den Winter fallen. Das wird die Krise prägen, alle drei Länder agieren indessen recht erfolgreich:

So hat Uruguay, seitdem der erste Fall laut amtlichen Stellen Mitte März berichtet wurde, erstaunlich niedrige Ansteckungszahlen und wenige Todesfälle verzeichnet. Nach offiziellen Angaben liegt die Todesrate hier bei 0,65 pro 100 000 Einwohner. Das wird vor allem auf den guten Zustand des Gesundheitssystems zurückgeführt, in das die Regierungen der letzten zehn Jahre kontinuierlich investiert haben. Ebenso dürfte die frühe Schließung der Grenzen, der Schulen und die Einstellung des Flugverkehrs sowie das Verbot von Großveranstaltungen entscheidend gewesen sein, indessen gab es keine Ausgangssperren. Nun sollen schrittweise Lockerungen vorgenommen werden, zu denen die niedrigen Ansteckungszahlen die Regierung von Präsident Luis Lacalle Pou ermutigt haben.

Etwas anders verhält es sich in Chile, in dem bislang knapp 3000 Menschen verstorben sind. Hier gelten weiterhin strenge Ausgangsregelungen, Schulen und Universitäten bleiben geschlossen. Einwohner Santiagos dürfen nur an zwei Tagen pro Woche das Haus verlassen und dann auch nur mit Passierschein und zur Erledigung der Einkäufe. Diese strengen Regelungen treffen die prekär Beschäftigten besonders stark und sind auch deshalb problematisch, weil sie eine Zeit der gewaltsamen Proteste gefallen sind. In den sozialen Medien wurde schon gemutmaßt, dass das Virus der Regierung von Sebastián Piñera zu pass käme. Die nun bereits steigende Arbeitslosigkeit verstärkt die soziale Ungleichheit noch, zugleich bewegen sich die Ansteckungszahlen immer noch auf hohem Niveau, so dass Lockerungen in absehbarer Zeit nicht verkündet werden dürften. Auch wird in Chile der Höhepunkt der Corona-Krise noch erwartet. Indessen wurde der glücklose Gesundheitsminister ersetzt, dessen mangelnde Eingriffe in die Medikamenten-Preise ebenfalls in den vergangenen Protesten angeprangert worden waren.

Argentinien hat bislang sehr erfolgreich agiert, wie die knapp 30 500 Infektionen (Stand 14. Juni 2020) zeigen, obschon gegenwärtig die Ansteckungszahlen in Buenos Aires wieder ansteigen. Die strengen Maßnahmen, die das Land ab dem 20. März ergriffen hat, können als Ursache für den bisherigen Erfolg in der Bekämpfung des Virus gelten. Im Bereich der öffentlichen Gesundheit hat die peronistische Regierung von Alberto Fernández schnell und entschlossen gehandelt. Gleich zu Beginn der Krise hatte sie erklärt, in und um Buenos Aires zehn neue Krankenhäuser bauen zu wollen. Das war eine sehr ehrgeizige Ansage angesichts der Auslandsschulden, die das Land zu begleichen hat und die auch den Hilfszahlungen an die Arbeiter Grenzen setzen. Allerdings dürfte dies eine Reaktion auf die Nachrichten aus China gewesen sein, wo angesichts der Dynamik des Ansteckungsgeschehens schnell neue Krankenhäuser errichtet und die zusätzlichen Behandlungsplätze offenbar auch gebraucht worden waren. Weil man erkannt hat, dass städtebauliche Dichte wie in Wuhan oder New York City ein maßgeblicher Faktor bei der Verbreitung der Krankheit ist, hat die Regierung besonderes Augenmerk auf die Metropolregion Buenos Aires gelegt. Das Ausbruchsgeschehen hier hat die Regierung dazu bewogen, die Maßnahme des „social distancing“ bis zum 28. Juni zu verlängern, obwohl andere Regionen mit niedrigeren Ansteckungszahlen flexibler agieren dürfen. So zählte La Pampa während eines Zeitraumes von 65 Tagen keine neuen Fälle, und erst in diesen Tagen wurde überhaupt der sechste Infizierte berichtet, der sofort in Quarantäne ging. Wir sehen also auch hier die Anwendung der bereits in China praktizierten Maßnahmen.

Wenn man sich die Statistik der gemeldeten Fälle anschaut, fällt ins Auge, dass die Länder Lateinamerikas sehr unterschiedlich stark betroffen sind.

Es gibt selbstverständlich einen Zusammenhang zwischen nicht testen und nicht wissen. Gegenwärtig steigen beispielsweise die Ansteckungszahlen in Peru rasant, dennoch muss man von einer ungleich höheren Dunkelziffer ausgehen, die auch die Todesfälle betrifft. Die Menschen versterben, ohne getestet zu werden. Das ist auch in Nikaragua der Fall. Es ist völlig unklar, wie viele Menschen dort an Covid-19 erkrankt und wie viele daran gestorben sind. In den Todesurkunden wird Lungenentzündung als Todesursache angegeben, weil die Patienten schlicht nicht getestet wurden. Dadurch tauchen sie auch nicht in den Statistiken auf. Stattdessen erklärt die Regierung, die vor zwei Jahren Ziel massiver Proteste gewesen ist, man folge dem schwedischen Modell. Die angebliche Übernahme des schwedischen Modells ist aber ein Versuch zu verbergen, dass man gar nicht die nötige Infrastruktur und Ressourcen für ein anderes Vorgehen hat.

Ähnliches hatte Mexiko vor …

Dort hatte der Präsident ebenfalls erklärt, man werde die Krise auch ohne für die Wirtschaft schädliche Maßnahmen bewältigen. Dahinter steckt, dass sehr viele Menschen im Land prekär beschäftigt sind oder im informellen Sektor arbeiten. Was machen im Lockdown all die Straßenverkäufer, die Hausangestellten? Wer keine Ersparnisse hat, kann sich es nicht leisten, zuhause zu bleiben. In einem föderal organisierten Staat wie Mexiko kommt den Gouverneuren der 32 Bundesstaaten allerdings eine große Bedeutung zu, wie sich auch in der Corona-Krise gezeigt hat. Sie haben Lockdowns angeordnet, Schulen und Universitäten geschlossen. Aber z.T. waren da die Ansteckungszahlen schon sehr hoch.

Welche wirtschaftlichen Folgen gibt es für Lateinamerika?

Regelungen, die z.B. Deutschland getroffen hat, mit sehr großzügigen Paketen zur Unterstützung der Wirtschaft und der Arbeitnehmer, können sich die meisten Länder nicht leisten. Die Arbeitslosigkeit ist folglich sehr groß, wobei die Arbeitslosen im informellen Sektor in den Statistiken bekanntlich nicht auftauchen. Als Ergebnis werden die Länder in eine Rezession rutschen, und dann wird sich zeigen, ob das den Glauben an die Demokratie erschüttert und womöglich andere Akteure auf den Plan ruft. In Brasilien gab es bereits die Sorge, dass das Militär als stabilisierender Faktor herbeigerufen werden könnte. Das wäre fatal in einem Land, das eine so lange und brutale Militärdiktatur erlebt hat, die noch immer nicht aufgearbeitet ist.

Gibt es noch andere Besonderheiten am Verlauf der Pandemie in Lateinamerika?

Ein wichtiger Aspekt ist, dass es diesen Ländern vielfach nicht gelingt, das medizinische Personal konsequent zu schützen. So entsteht auf lange Sicht eine Erosion der Leistungsfähigkeit der Gesundheitsversorgung. Es gab erschreckende Berichte vom Beginn des Ausbruchsgeschehens in Mexiko-Stadt - was mir Kollegen bestätigt haben -, als das Krankenhauspersonal angewiesen war, keinen Mundschutz oder ähnliches zu tragen um die BürgerInnen nicht zu verunsichern. Es gab die Sorge, es könne Panik in der Bevölkerung ausbrechen, weil sie begreifen könnte, dass die Pandemie doch gefährlicher ist als von der Regierung behauptet. Das Personal ist jetzt immer noch ungeschützt, weil es keine Schutzkleidung und Masken in ausreichender Zahl gibt. Ärzte und Krankenschwestern berichten, dass sie dieses selbst auftreiben und privat kaufen bzw. Masken mehrfach verwenden müssen.

Die Regierung begreift die Bevölkerung also nicht als mündige Bürger, sondern als Volk, das manipulieret werden muss.

Ja, das sieht man auch daran, welche Länder bereit sind, genauen Einblick in die Zahlen des Ausbruchsgeschehens zu geben. In Brasilien ist zudem der Vorwurf laut geworden, die Lage in Amazonien grenze an einen Genozid. Weil die indigenen Bevölkerungen von den Behörden nicht vor dem Kontakt mit Schmugglern und Goldwäschern und anderen Eindringlingen in ihr Gebiet geschützt werden. Die Bevölkerung war und ist dort medizinisch unterversorgt, hat keinen Zugang zu Ressourcen und keine Lobby. Auch das ist sehr bedenklich.

Absolut, aber es passt leider zu den Prioritäten der Regierung.

So ist es. Brasilien unter Bolsonaro zielt sehr stark auf eine wirtschaftliche Erschließung und Durchdringung des Amazonas auf Kosten der dort lebenden Bevölkerung. Man marschiert sehenden Auges einer menschlichen und ökologischen Katastrophe entgegen.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf deine Forschungsarbeit aus?

Ich wollte im März für Archivarbeiten nach Chile fliegen. Die Reise musste ich aber absagen.

Reisen werden noch viele Monate lang schwierig sein. Welche Folgen hat das für euer Teilprojekt?

Wir hatten Glück, dass wir sehr früh Archivreisen gemacht und dabei viel Material gesichtet und gesammelt haben. Zum anderen tun sich aber jetzt, da wir unsere Quellen auswerten, Lücken auf, die wir gern noch schließen würden. Nur ist die Frage, wie wir das bewerkstelligen können. Immerhin werden europäische Quellenbestände jetzt wieder zugänglich. Aber es bleiben die lateinamerikanischen Archivalien, die wir derzeit nicht konsultieren können. Das ist auf jeden Fall eine Belastung, zumal es keine Planungssicherheit gibt. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir die Lücken im kommenden Jahr schließen können. Wann die Archive wieder geöffnet sein werden und wir reisen können, ist leider völlig offen.


Kontakt:
Prof. Dr. Delia González de Reufels
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67200
E-Mail: dgr@uni-bremen.de

Prof. Dr. Gita Steiner-Khamsi
Prof. Dr. Gita Steiner-Khamsi
Steiner-Khamsi, Professorin für vergleichende und internationale Bildung an der Columbia University and am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf, arbeitet für zwei Monate in Teilprojekt A05.

Gita Steiner-Khamsi, Professorin für vergleichende und internationale Bildung an der Columbia University in New York (Herbstsemester) und am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf (Frühjahrssemester), wird im Juni und Juli 2020 virtuell als Mercator Fellow tätig sein. Gastgeberin ist Kerstin Martens vom Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen, die das Teilprojekt A05 am SFB 1342 leitet.

Neben der Beratung von Doktoranden und der Mitwirkung am SFB-Teilprojekt A05 "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen" lehrt sie im Rahmen des Erasmus-Mundus-Programms GLOBED. Der ursprüngliche Plan, an einem zweitägigen internationalen Symposium über "Globale Dynamiken von Sozialpolitik" teilzunehmen, das von Michael Windzio und Kerstin Martens in Zusammenarbeit mit Dennis Niemann, Fabian Besche, David Krogmann und Helen Seitzer im Rahmen des Teilprojekts A05 organisiert wurde, musste aufgrund der COVID-19-Krise um ein Jahr verschoben werden.

Die Arbeit von Steiner-Khamsi zu transnationalen Politikanleihen, globaler Bildungspolitik und politischer Übersetzung evidenzbasierter Politikberatung steht in direktem Zusammenhang mit dem thematischen Schwerpunkt des SFB-Teilprojekts. Sie hat zwei Bücher im Bereich vergleichende Politikwissenschaft im Bildungssektor veröffentlicht und ist ehemalige Präsidentin der US-amerikanischen Gesellschaft für vergleichende und internationale Bildung (US Comparative and International Education Society).


Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de