Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.


Heute werfen wir einen Blick auf die Einführung der Schulpflicht. Was im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa begann, verbreitete sich nach und nach auf der ganzen Welt. Aus welchen Gründen und in welchen Phasen dies geschah, untersucht unser Teilprojekt A05.

Einführung der Schulpflicht

Dass Kinder zur Schule gehen sollen, wird heutzutage kaum noch in Frage gestellt. Aber noch vor 100 Jahren sah das Bild ganz anders aus. Einige Nationalstaaten verlangten, dass alle Kinder mindestens die Grundschule besuchen mussten; einige verlangten dies nur von Jungen; und die Mehrheit der heute existierenden Länder sah die Schulbildung nur für einen kleinen Teil der Kinder aus Elitefamilien vor.

Der Wandel im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ist ein wichtiges Thema, mit dem sich das Teilprojekt A05 befasst. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen die Entwicklung, Verbreitung und Transformation von Bildungssystemen weltweit. Eine der vielen Fragen ist: Wann schrieben die Länder vor, dass Kinder zur Schule gehen müssen? Mit anderen Worten, wann (und warum) genau haben die Länder eine Art Schulpflicht eingeführt, die theoretisch für alle Kinder galt. Die Antwort auf diese und viele weitere Fragen zu Bildungssystemen wird iin einem von A05 herausgegebenen Band "The Global Development, Diffusion, and Transformation of Education Systems" (Arbeitstitel) veröffentlicht, der Anfang 2021 erscheinen wird.

Für einen ersten Eindruck können wir uns ansehen, wie die Gesetze zur Schulpflicht rund um den Globus "gereist" sind. Es begann im 19. Jahrhundert in den westlichen Ländern, erfasste aber bald die ganze Welt. Diese und viele weitere Daten werden schon bald auf dem Global Welfare State Information System (WeSIS) verfügbar sein.

Mehr über die Arbeit von Teilprojekt A05: Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen

Haben Sie einige der vorherigen Türchen verpasst? Hier geht es zum gesamten SFB-Adventskalender 2020.


Kontakt:
Fabian Besche-Truthe
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57066
E-Mail: fbesche@uni-bremen.de

David Krogmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67470
E-Mail: krogmann@uni-bremen.de

Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de

Helen Seitzer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57065
E-Mail: seitzer@uni-bremen.de

Hinter Türchen Nummer drei versteckt sich ein Fundstück, das das Team von Teilprojekt B02 bei einer Archivrecherche entdeckt hat: ein Propagandaplakat zur Vermeidung von Arbeitsunfällen in Argentinien aus den 1930er-Jahren.

Propaganda zu Arbeitsunfällen

Aufruf zur Vermeidung von Arbeitsunfällen (Argentinien, 1930er-Jahre)

"Sei vorsichtig! Unfälle passieren nicht 'einfach so'. Es gibt immer einen Grund. Verhindern Sie Arbeitsunfälle!" Diese warnenden Worte richteten sich an die Betrachter des Plakats, das eines von zahlreichen Propagandaplakaten war, die zu Beginn der 1930er-Jahre in Argentinien verbreitet wurden. Gesetze zu Arbeitsunfällen wurden in vielen lateinamerikanischen Ländern bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt, jedoch zielten diese Regelungen vor allem auf Fragen der rechtlichen Schuldfähigkeit und Kompensationszahlungen ab.

Es waren zunehmend spezialisierte Mediziner, die sich in den 1930er Jahren verstärkt für präventive Schutzmaßnahmen im Arbeitsumfeld einsetzten. Sie standen über transnationale Netzwerke im Austausch mit anderen Ärzten, die ebenfalls an politischen Empfehlungen und Handlungsstrategien arbeiteten. So ist es wenig überraschend, dass die Abbildung dem Aufsatz des argentinischen Mediziners Atilio Tiscornia entstammt, der unter dem Titel "Accidentes oculares del trabajo. Su previsión", in Buenos Aires 1931 erschien.

Diese und andere Quellen entdeckte das Team von Teilprojekt B02 während seiner Recherchen in Archiven und Bibliotheken in Buenos Aires, Montevideo und Santiago de Chile.

Mehr zur Forschungsarbeit des Teilprojekts B02: Herausbildung, Aus- und Umbau des Sozialstaats im Cono Sur im Austausch mit (Süd-)Europa (1850-1990)

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Kontakt:
Dr. Mónika Contreras Saiz
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
E-Mail: monikavi@uni-bremen.de

Simon Gerards Iglesias
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67204
E-Mail: sgerards@uni-bremen.de

Prof. Dr. Delia González de Reufels
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67200
E-Mail: dgr@uni-bremen.de

Dr. Teresa Huhle
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57062
E-Mail: teresa.huhle@uni-bremen.de

Prof. Dr. Frank Nullmeier
Prof. Dr. Frank Nullmeier
Frank Nullmeier diskutiert in einem Aufsatz den Begriff der Freiheit in Zeiten der Pandemie. Er plädiert dafür, den Infektionsschutz zu reformieren und dann als sozialpolitisches Instrument zu begreifen, das Freiheit erst ermöglicht.

Während der Pandemie greifen die Infektionsschutzmaßnahmen von Regierungen und Verwaltungen in die alltäglichen Aktivitäten der Bürgerinnen und Bürger ein. Diese Maßnahmen werden von manchen als Verletzung der Freiheit des Einzelnen wie auch der Gesellschaft kritisiert. Doch ein solcher Freiheitsbegriff sei im Kontext einer Pandemie nicht angemessen, argumentiert Frank Nullmeier. Es sei in erster Linie die Pandemie, die die Freiheit verletze. Wir müssten ein Konzept der sozialstaatlich geprägten Freiheit entwickeln, das es erlaube, staatliche Eingriffe zunächst als Reaktion auf einen Zustand der Unfreiheit zu verstehen.

Historisch gesehen, schreibt Nullmeier, sei der öffentliche Infektionsschutz in der Polizeiarbeit verwurzelt, und die Denkmuster des Sozialrechts und des Sozialstaats seien hier nicht fest integriert. Frank Nullmeier plädiert daher dafür, den Infektionsschutz zu reformieren und ihm einen sozialpolitischen Charakter zu geben, ähnlich wie bei der Regulierung von Arbeitsverhältnissen (z.B. Arbeitsschutz). Angemessene Formen des Regierens, die auch eine institutionelle Umstrukturierung der Infektionsbekämpfungspolitik implizieren, müssten auf einem sozialstaatlich ausgerichteten Konzept von Freiheit beruhen, dass sich an sozialer Freiheit orientiert. 

Frank Nullmeiers gesamter Aufsatz auf dem Theorie-Blog: Covid-19-Pandemie und soziale Freiheit


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Dr. Achim Schmid, Gabriela de Carvalho, Johanna Fischer (v.l.n.r.)
Dr. Achim Schmid, Gabriela de Carvalho, Johanna Fischer (v.l.n.r.)
Gabriela de Carvalho erklärt im Interview, warum bestehende Typologien von Gesundheitssystemen einen starken Global-North-Bias haben und warum das problematisch ist.

Gabriela de Carvalho, Achim Schmid und Johanna Fischer haben die Literatur zu Klassifikationen von Gesundheitssystemen untersucht. Das Team hat festgestellt, dass die bestehenden Typologien einen starken Global-North-Bias aufweisen und somit wichtige Merkmale der Gesundheitssysteme des Globalen Südens nicht erfassen können. Gabriela de Carvalho, die Erstautorin des in Global Social Policy veröffentlichten Papers, erläutert einige Details ihrer Ergebnisse und was diese für Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger bedeuten.

Ihr habt die Literatur zu den bestehenden Klassifikationen von Gesundheitssystemen ausgewertet und festgestellt, dass diese kaum geeignet sind, um damit Forschung über den Globalen Süden zu betreiben. Was ist der Grund dafür?

Gabriela de Carvalho: Das Hauptziel unserer Forschung war die Auswertung der Literatur zur Typologie der Gesundheitssysteme und ihre Fähigkeit, die Besonderheiten der Gesundheitssysteme des Globalen Südens zu erfassen. Die Ergebnisse unserer Studie weisen auf die Grenzen verschiedener Merkmale bestehender Typologien hin: ihrer Abdeckung, der verwendeten Methoden und der Kriterien, auf denen sie aufbauen. Was die Abdeckung betrifft, so werden die Gesundheitssysteme der LMICs (Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen) in der Literatur nur selten berücksichtigt, da die klassifizierten Fälle im Verhältnis 1:5 aus Ländern des Südens und des Nordens bestehen. Was die Methoden anbelangt, so werden durch das übermäßige Zurückgreifen auf induktive Ansätze bei der Klassifizierung oft Länder ausgeschlossen, die sich nicht numerisch erfassen lassen. Gesundheitsstatistiken konzentrieren sich meist auf den Globalen Norden und enthalten erst in jüngster Zeit mehr Daten über Länder des Südens, was die Analyse von Regelungen jenseits der Länder mit hohem Einkommen erschwert. Die Verwendung induktiver Typologien zur Klassifizierung von Systemen kann zu schlecht abgesicherten Klassifikationen führen, insbesondere wenn die Studie darauf abzielt, ein Instrument für die Anwendbarkeit über ihre Stichprobe von Fällen hinaus zu schaffen. Im Hinblick auf die Kriterien und Merkmale, nach denen Gesundheitssysteme verglichen werden, werden dominante Merkmale von Gesundheitssystemen, die in den LMICs meist vorhanden sind, wie die Segmentierung des Systems für verschiedene Bevölkerungsgruppen, in vielen Typologien nicht berücksichtigt. Dies führt häufig zu Typologien, die die empirische Realität des Südens nicht erfassen.

In eurem Paper schreibt ihr, dass sich die Gesundheitssysteme in vielen Ländern des Globalen Südens sehr von denen des Globalen Nordens unterscheiden. Was sind die wichtigsten Punkte?

Gabriela de Carvalho: Alle Gesundheitssysteme, unabhängig vom Land, stehen vor zahlreichen Herausforderungen, und die aktuelle Pandemie hat dies noch deutlicher gemacht. Dennoch ist unbestreitbar, dass die Systeme des Globalen Südens mit noch größeren finanziellen und technischen Zwängen zu kämpfen haben. Neben größeren Disparitäten bei den Pro-Kopf-Ausgaben für die Gesundheitsversorgung, der Zahl der Gesundheitsfachkräfte und der Krankheitslast sind die LMICs stärker abhängig von internationalen Akteuren (transnationale Organisationen, INGOs und Drittländer), um ihre Systeme zu finanzieren, Dienstleistungen zu erbringen und sogar zu regulieren. Ein weiteres sehr wichtiges Merkmal vieler Gesundheitssysteme des Globalen Südens ist die Segmentierung, die Koexistenz verschiedener Systeme, die je nach Einkommen, sozialem Status und/oder Art der Beschäftigung auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen abzielen. In der Regel sind die Armen aufgrund ihres Ausschlusses von der formellen Beschäftigung Nutznießer der öffentlichen Dienstleistungen, während die oberen Schichten sozial und/oder privat versichert sind. Diese Schichtung führt zu weitreichenden gesundheitlichen Ungleichheiten, da öffentliche Dienstleistungen nur eine Grundversorgung bieten und Zusatzleistungen nur von denjenigen in Anspruch genommen werden können, die in der Lage sind, sie sich zu leisten.

Worin siehst du die Gründe dafür, dass diese Aspekte in der Klassifikationsliteratur bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurden?

Gabriela de Carvalho: Im Allgemeinen glauben wir, dass sich die wissenschaftliche Forschung aufgrund der Datenverfügbarkeit, der finanziellen und technischen Ressourcen, der institutionellen Kapazitäten und des Interesses der Forscher noch immer auf die OECD-Länder konzentriert. Natürlich hat in den letzten Jahrzehnten eine Ausweitung der (Gesundheitssystem-)Forschung zu den LMICs stattgefunden, vor allem in Form von vertieften Fallstudien, aber sie hinkt im Vergleich zur Literatur des Globalen Nordens immer noch hinterher, insbesondere wenn es um einen systematischen Vergleich geht. Wenn die vielfältigeren Fälle nicht berücksichtigt werden, wird die Literatur weiterhin nur teilweise die empirische Realität abbilden und die "Unsichtbarkeit" der weniger untersuchten Länder und Regionen verstärken. Insbesondere für die Wissenschaft, die wir analysieren, ist klar, dass die Klassifizierung und die Entwicklung aussagekräftiger Typologien viel komplizierter ist, wenn es sich um Länder des Globalen Südens handelt. Die Gründe dafür variieren von der Segmentierung/parallelen (öffentlichen) Systemen, von Bevölkerungsteilen und/oder Gesundheitsdiensten, die den Märkten überlassen werden, bis hin zur Existenz weniger "ausgereifter" Systeme. Während die Systeme im Globalen Norden in gewisser Weise auch gemischt oder hybride Systeme sein können, ist es viel schwieriger, die Informationen zu verdichten und ein LMIC einem Idealtyp zuzuordnen.

Welche Folgen hat die Diskrepanz zwischen den bestehenden Klassifikationen in der Literatur und den im Globalen Süden existierenden Gesundheitssystemen - für die wissenschaftliche Forschung und für die Praxis/Politik?

Gabriela de Carvalho: Da sich die Literatur bei der Entwicklung von Klassifikationsinstrumenten häufig auf die Gesundheitssysteme des Globalen Nordens stützt, liegt die Vermutung nahe, dass die aus diesen Typologien resultierenden Modelle die Vorstellungen von Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern darüber, wie ein Gesundheitssystem aussieht - und aussehen sollte - stärker prägen und beeinflussen. Wir gehen davon aus, dass Beispiele aus Ländern mit hohem Einkommen (falsch) so interpretiert werden können, dass sie die "besten" Modelle oder "Benchmarks" darstellen, was zur Festlegung von Standards für andere Länder führen kann, ohne die besonderen und grundlegenden Merkmale der Gesundheitssysteme in den LMICs zu berücksichtigen. Dies könnte auch dazu führen, dass die Politikberatung nach den bekannten Typen modelliert wird. Für die wissenschaftliche Forschung könnte diese Nordorientierung neue Wissensproduktion behindern, die sich möglicherweise auf weniger analysierte Fälle konzentrieren könnte, da die Forschung dazu neigt, sich auf einflussreiche Werke zu konzentrieren und ungewohnte Fälle oder neue theoretische Überlegungen beiseite zu lassen.

Das gesamnte Paper (Open Access) lesen: Classifications of health care systems: Do existing typologies reflect the particularities of the Global South?

Mehr über die Arbeit von Gabriela de Carvalho, Achim Schmid, Johanna Fischer und des gesamten Projekt-A04-Teams:
Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko


Kontakt:
Gabriela De Carvalho
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57078
E-Mail: decarvalho@uni-bremen.de

Johanna Fischer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57074
E-Mail: johanna.fischer@uni-bremen.de

Dr. Achim Schmid
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58526
E-Mail: aschmid@uni-bremen.de

Anna Wolkenhauer
Anna Wolkenhauer
Anna Wolkenhauer vom InIIS vertritt Alex Veit bis Ende März 2021 in Teilprojekt B09. Wir stellen sie in einem Interview kurz vor.

Du hattest Mitte September deine Verteidigung. Wie ist es gelaufen, kann man dir gratulieren?

Ja, ihr könnt mir gerne gratulieren! Den Titel (PhD) trage ich ja erst mit der Publikation meiner Monografie, aber die Verteidigung ist schonmal sehr gut gelaufen.

Es ist wahrscheinlich unmöglich, aber dennoch: Kannst du in wenigen Sätzen erklären, worum es in deiner Dissertation ging?

Ich bin in meiner Dissertation der Frage nachgegangen, wie Sozialpolitik und Staatswerdung (state formation) im Zeitalter des "Neoliberalismus 2.0" zusammenhängen. Während meiner, sich mittlerweile über viele Jahre erstreckenden, Arbeit und Forschung in Sambia wurde mit der Zeit deutlich, dass hier spannende Dynamiken am Werk sein könnten. So habe ich dort dann Angestellte des Staates, Empfänger*innen von Sozialpolitik, sowie auch Menschen aus der Zivilgesellschaft und aus internationalen Organisationen interviewt, um die vielschichtigen Auswirkungen der neuen sozialpolitischen Programme auf den Staat besser zu verstehen. In einem qualitativen Analyseprozess habe ich verschiedene Mechanismen herausgearbeitet, durch die Staatlichkeit sich vom Zentrum in die Peripherien des Landes ausbreitet, was sich bspw. in der diskursiven Einbeziehung und der Bürokratisierung und Standardisierung der Bevölkerung äußert sowie in politischen Verbindungen und Möglichkeiten der Einflussnahme. Es lässt sich hierbei jedoch eine gewisse Ambivalenz konstatieren: In diese Ausweitung von Staatlichkeit sind die ideologischen sowie praktischen und als natürlich wahrgenommenen Grenzen des Staates bereits eingebaut.

In den kommenden Monaten vertrittst du Alex Veit (Vertretungsprofessor in Marburg)  im SFB-Teilprojekt B09 "Transnationale Wohlfahrt. Aufstieg, Zerfall und Renaissance der Sozialpolitik in Afrika". Welche Aufgaben wirst du im Projekt übernehmen?

Ich werde meine Ergebnisse aus Sambia für vergleichende Diskussionen mit den anderen Länderstudien des Projekts einbringen und bin außerdem dabei, an Publikationen mitzuwirken.

Welche Lehrveranstaltungen übernimmst du im Wintersemester?

Ich biete ein BA-Seminar zu "Politik auf dem Land" sowie eine Übung zur Vorlesung "Internationale Beziehungen" an.

Welche fachlich-beruflichen Pläne hast du für die nächsten Jahre?

Ich fange gerade an, mich noch eingehender mit Politik im ländlichen Raum und ihrer Wechselwirkung mit staatlicher Sozialpolitik zu befassen. Mich interessiert die Frage, wie sich Veränderungen, die mit Globalisierung der Landwirtschaft und der neoliberalen Wende in der Sozialpolitik zusammenhängen, auf die Art und Weise der politischen Beteiligung und des politischen Selbstverständnisses auf dem Land auswirken.


Kontakt:
Anna Wolkenhauer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67463
E-Mail: anna.wolkenhauer@uni-bremen.de

Der Datensatz, an dem Nils Düpont vom SFB 1342 mitgewirkt hat, versammelt Informationen zu politischen Positionen von Parteien seit 1970. Demnach werden demokratische Regierungsparteien weltweit illiberaler, ganz vorn dabei die Republikaner in den USA.

Gemessen am "V-Party Illiberation Index" hat sich die Republikanische Partei seit dem Jahr 2006 schrittweise davon verabschiedet, demokratische Normen hochzuhalten. Der illiberale Schwenk war 2016 so groß, dass die Wahlkampfrhetorik der Republikaner seither derjenigen der AKP in der Türkei und des Fidesz in Ungarn näher steht als der durchschnittlicher Regierungsparteien in demokratischen Ländern der Welt.

Wenngleich die Republikaner unter Trump ein extremes Beispiel sind, steht es doch stellvertretend für einen Trend: Laut dem V-Party Illiberation Index sind in den letzten Jahrzehnten die Regierungsparteien in Demokratien weltweit im Mittel illiberaler geworden. Das bedeutet, dass sie sich tendenziell dem Pluralismus weniger verpflichtet fühlen, politische Gegner eher dämonisieren, Minderheitenrechte ignorieren und sogar zu politischer Gewalt ermutigen.

Der Datensatz "Varieties of Party Identity and Organization Dataset (V-Party)" wurde vom V-Dem Institute an der Universität Göteborg zusammengestellt und umfasst Angaben zu 1560 Wahlen und 1955 politischen Parteien weltweit zwischen 1970 und 2019. 665 internationale Länderexperten haben die politischen Positionen der Parteien über die gesamten Zeitspanne anhand von 30 Indikatoren analysiert und codiert.

Die wichtigsten Ergebnisse aus der Analyse des V-Party-Datensatzes hat das V-Dem Institute in einem Kurz-Report zusammengefasst: V-Dem Institute Briefing Paper #9.

Der gesamte Datensatz kann kostenlos heruntergeladen werden.

Informationen zur Beteiligung von Nils Düpont und dem SFB 1342 an der Erstellung des V-Party-Datensatzes finden Sie hier.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57060
E-Mail: duepont@uni-bremen.de

Gabriela Molina León, Michael Lischka
Gabriela Molina León, Michael Lischka
Gabriela Molina León und Michael Lischka haben 20 Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler befragt, wie thematische Karten für ihre Zwecke beschaffen sein sollten. Die Studie präsentierten sie auf der IEEE Visualization Conference.

Choroplethenkarten (auch Flächendichtekarten genannt - z.B. Bevölkerungsdichtekarten) sind ein gängiges Mittel, um Forschungsergebnisse grafisch darzustellen. Es gibt dabei eine Vielzahl von Variablen, die die Dastellung beeinflussen, darunter die Projektionsart, den Maßstab, das Zentrum der Karte und die Farbskala. Gabriela Molina León und Michael Lischka haben in Zusammenarbeit mit Andreas Breiter mit einer Befragung untersucht, welche Varianten thematischer Karten Sozialwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler für ihre Arbeit bevorzugen. Dafür hatten die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, eine thematische Karte anhand der oben genannten Variablen nach ihren Bedürfnissen und Vorlieben anzupassen.

In einem kurzen Interview erläutern Gabriela Molina León und Michael Lischka ihre Ergebniss, die sie am 28. Oktober 2020 auf der IEEE Visualization Conference vorgestellt haben (eine Preprint-Version des Artikels, der in den Conference Proceedings veröffentlicht werden wird, gibt es hier).


Die beliebtesten Weltkarten - zumindest in Europa - basieren auf der genannten Mercator-Projektion. Sie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erfunden und ist auch heute noch weit verbreitet (mit einigen Variationen), z.B. in Nachrichtensendungen. Ist es Zeit für eine neue Art von Weltkarte, wenn es um die sozialpolitische Forschung geht?

Michael Lischka: Es ist nicht die Zeit für eine neue Art von Weltkarte, aber man sollte ein Gespür für die Eigenschaften einer Karte haben, wenn man sie als Informationsmedium versteht. Jede Karte ist der Versuch, ein dreidimensionales Objekt (Globus) zweidimensional abzubilden. Eine direkte Übertragung aller Eigenschaften ist schlichtweg unmöglich, daher ist jede Weltkartenprojektion ein Kompromiss. Dementsprechend können je nach Verwendungszweck der Karte bessere oder schlechtere Entscheidungen getroffen werden. Grundsätzlich kann man zwischen Karten unterscheiden, die jeweils eine von drei Eigenschaften korrekt darstellen: Flächen (flächengleiche Projektionen), Winkel (konform) oder Abstände (äquidistant). Da wir uns nicht mit Entfernungsmessungen an irgendeinem Punkt befassten, schlossen wir äquidistante Karten von vornherein aus.

Für die Navigation sind konforme Projektionen sinnvoll. Bei kleinen Kartenausschnitten sind Winkel- und Flächengenauigkeit nahezu identisch mit der Realität. Dies ist vor allem bei der Routenplanung (z.B. Google Maps), bei Straßenkarten, im Luft- und Seeverkehr ein großer Vorteil. Aber auf globaler Ebene sieht man starke Größenverzerrungen. Da du gerade Mercator erwähnt hast: Diese Projektion stellt räumliche Einheiten größer dar, je näher sie an den Polen liegen. So scheinen Russland, Kanada, die USA, China und Europa viel größer zu sein. Zumal Europa im Zentrum der Darstellung liegt und damit im Vergleich zu Afrika dominant erscheint. Dies kann auch in einer eurozentrischen Berichterstattung sinnvoll sein. Einige Nachrichtenformate haben sogar Rubriken wie "Europa und die Welt". Aber eine solche Projektion kann nicht für eine Forschung verwendet werden, die Länder des "Globalen Südens" gleichberechtigt einbezieht. Zumindest nicht, wenn Karten als Informationsmedium zur Wissensverbreitung genutzt werden. Projektionen eröffnen eine Perspektive auf die Welt.

Für Choroplethenkarten werden allgemein flächentreue Karten empfohlen. Kannst du kurz erläutern, warum das so ist?

Lischka: Flächengleiche Karten stellen die Größe von Landmassen und räumlichen Einheiten korrekt dar. Auf der negativen Seite wird die Form der Landmassen zwangsläufig verzerrt. Wenn man aber Länder auf der Grundlage bestimmter Daten einfärbt, ohne ihre korrekte Fläche darzustellen, verliert man die Möglichkeit, Länder hinsichtlich der Dichte der dargestellten Variablen zu vergleichen. Die Darstellung der richtigen relativen Flächen ist daher eine wesentliche Eigenschaft von Karten, um zuverlässige vergleichende Aussagen zwischen Weltregionen und Ländern treffen zu können. Die einfachsten Beispiele sind Bevölkerungsdichte, Waldbedeckung und landwirtschaftliche Nutzung. Derartige Informationen auf Karten, die nicht flächengetreu sind, können zu Fehlinterpretationen durch den Betrachter führen.

Da flächengleiche Karten Länder so stark verzerren können, dass sie nicht erkannt werden, werden oft Karten verwendet, die einen Kompromiss zwischen Flächengröße und Form eingehen. Zum Beispiel die Winkels-Projektion, die in deutschen Schulatlanten verwendet wird. Weltkarten dieser Art bieten sowohl Gebiets- als auch Formtreue und ermöglichen das Wiedererkennen von räumlichen Einheiten.

Ihr habt die Präferenzen von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern untersucht. Wie sieht ihre Lieblings-Choroplethenkarte aus und warum?

Lischka: Für ihre eigenen Forschungsprojekte war die Equal-Earth-Projektion die dominierende Wahl unter den Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern, die an unserer Studie teilgenommen haben. Sie hatten ein ganzes Konglomerat von Gründen - von "ästhetisch ansprechend" bis "sieht richtig aus", "formgetreu" und "flächengetreu". Letztendlich zielte die erste Aufgabe unserer Studie auf die individuellen Bedürfnisse der Forscher ab. Einige von ihnen konzentrierten ihre Forschung auf bestimmte Regionen der Welt, so dass sie die Zoom-Funktion nutzten und genau auf die Wiedererkennbarkeit der jeweiligen Region achteten.

Abbildung 1: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Equal-Earth-Projektion

Abbildung 1: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Equal-Earth-Projektion

Für die beste Darstellung der Forschung über den Globalen Süden setzte sich in unserer Studie die Gall-Peters-Projektion durch, allerdings nur mit knappem Vorsprung. Tatsächlich war die Verteilung sehr ausgewogen. Diese kleine Abweichung ist wahrscheinlich auf die Aufgabe zwei, die wir den Teilnehmern gestellt haben, und den dort erwähnten Hinweis auf die Karte zurückzuführen. Gall-Peters verzerrt am offensichtlichsten die Länderformen und zeigt ein strenges Koordinatensystem, das demonstrativ die Treue zur Gebietsgröße suggeriert. Die Forscher wussten nicht, dass alle Projektionen, die wir ihnen anboten, flächengleich waren, und entschieden daher "im Sinne der Objektivität", teilweise gegen ästhetische Überzeugungen und den Wiedererkennungswert.

Abbildung 2: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Gall-Peters-Projektion

Abbildung 2: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Gall-Peters-Projektion

Es ist nicht nur die Art der Projektion, die eine "gute" Choroplethenkarte der Welt ausmacht - wie sieht es mit den Farben aus?

Gabriela Molina León: Es gibt bekannte Werkzeuge, die mehrere Farbschemata für Choroplethenkarten empfehlen und zum Testen anbieten, wie z.B. Color Brewer. Deshalb haben wir die fünf Farbschemata unserer Studie entsprechend ihren Empfehlungen ausgewählt.

Da die Choroplethenkarte unserer Studie Daten zur Lebenserwartung visualisierte, haben wir sequenzielle Skalen verwendet. Bei der Wahl eines Farbschemas bestimmen die Daten, welche Art von Skala am besten passt: Wenn die visualisierte Variable zwei entgegengesetzte Richtungen kodiert (z.B. negative und positive Temperaturwerte), dann ist eine Skala mit divergierenden Farben (z.B. von dunkelrot bis dunkelblau) am besten geeignet. Wenn die Daten kategorial sind, wird ein kategoriales Schema empfohlen.

Für den Fall von sequentiellen Skalen wurde kürzlich bestätigt, dass Leser dazu neigen, dunklere Farben mit höheren Werten zu assoziieren, daher haben wir Farbschemata bevorzugt, die dieser Assoziation folgen.

Welches waren die Farben der Wahl unter den Wissenschaftlern, mit denen Sie zusammengearbeitet haben?

Molina León: Das gelb-grün-blaue Farbschema (YlGnBu, verfügbar unter https://observablehq.com/@d3/color-schemes) war das am häufigsten gewählte Schema. Von den 40 Karten, die von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt wurden, verwendeten 23 dieses Schema.

Interessanterweise erwähnten sie in ihrer Argumentation etwas, das wir nicht erwartet hatten: Sie wünschten sich ein graues Farbschema (oder eines, das in Graustufen gut aussieht), weil sie oft nicht die Möglichkeit haben, in ihren Publikationen Farben zu verwenden.


Kontakt:
Michael Lischka
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57061
E-Mail: lischka@uni-bremen.de

Gabriela Molina León
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57067
E-Mail: molina@uni-bremen.de

In einem dreitägigen SFB/ERC-Workshop erörtern internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einfluss der Politik und Strukturen europäischer Kolonialmächte auf die Entwicklung sozialer Sicherung im Globalen Süden.

In ihrer Keynote zum Auftakt des Workshops "Colonialism and Social Protection" am 26. September sprach Gurminder Bhambra von der University of Sussex über die Varianten des europäischen Kolonialismus, der zu Beginn vor allem von Handelsinteressen geprägt gewesen sei. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts stand die Ausweitung des beherrschten Territoriums im Vordergrund. Der Wohlstand der europäischen Nationalstaaten – damals wie heute - basiere auf dem Kolonialismus, sagt Bhambra, der bis heute die Wurzel globaler Ungleichheiten sei. Bezogen auf die Kolonialmächte hält sie den Begriff Nationalstaat für unpassend, imperiale Staaten bzw. koloniale Empire seien treffender.

Bastian Becker vom SOCIUM erläuterte in einem Vortrag, warum ein akteurszentrierter Forschungsansatz wichtige Erkenntnisse liefern kann. Schließlich sei der Kolonialismus durch verschiedenste Akteure auf verschiedenen Ebenen beeinflusst worden (sowohl innerhalb der Kolonien als auch auf transnationaler Ebene).

Michele Mioni vom SOCIUM erläuterte den Einfluss Großbritanniens und Frankreichs sowie Internationaler Organisationen auf die Sozialpolitik in den (ehemaligen) Kolonien nach 1945. Mioni sagte, die Kolonialmächte und die IOs (ILO und UN) hätten zwar unterschiedliche sozialpolitische Auffassungen vertreten, es sei aber auch zu Kooperationen gekommen.

Jessica Lynne Pearson vom Macalester College skizzierte die koloniale Gesundheitspolitik. Die ersten Public-Health-Programme seien Massenimpfungen und Mutter-Kind-Programme gewesen. Generell habe der Schwerpunkt kolonialer Gesundheitspolitik auf der Prävention gelegen.

Marlous van Waijenburg von der Harvard Business School analysierte die Fiskalpolitk der Kolonialmächte. Ein Ziel sei gewesen, die Kosten sozialpolitischer Programme in den Kolonien durch lokal erhobene Steuern zu decken. Das Ergebnis sei eine große Bandbreite unterschiedlicher Besteuerungssysteme innerhalb der Kolonialstaaten gewesen, typisch aber sei eine Besteuerung der Arbeitskraft gewesen (bis hin zu Zwangsarbeit).

Der Workshop "Colonialism and Social Protection", organisiert von Carina Schmitt, geht am 2. Oktober in die zweite Runde und endet mit einer dritten Sitzung am 9. Oktober.


Kontakt:
Prof. Dr. Carina Schmitt
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58603
E-Mail: carina.schmitt@uni-bremen.de

Keonhi Son
Keonhi Son
Für ihren Journal-Artikel über die statistische Analyse von Privatisierung und die Rolle der dabei gewählten Indikatoren erhielten Son und ihr Co-Autor Reimut Zohlnhofer den JCPA Best Comparative Article Award.

In ihrem Paper "Measuring Privatization: Comparing Five Indicators of the Disposition of State-Owned Enterprises in Advanced Democracies", erschienen in Volume 21:4 des Journal of Comparative Policy Analysis, untersuchen Son und Zohlnhofer die Anwendung von Indikatoren zur Bestimmung von Privatisierung.

In der wissenschaftlichen Literatur kursieren zahlreiche solcher Indikatoren, die meist als Äquivalente behandelt würden. Dabei werde kaum darauf geachtet, ob sie tatsächlich eng miteinander übereinstimmen. In ihrem Paper stellen Son und Zohlnhofer fest, dass die Korrelationen zwischen diesen Indikatoren erschreckend gering sind. In der Folge habe sich gezeigt,dass die Ergebnisse statistischer Analysen deutlich voneinander abweichen könnten, abhängig davon, welcher Privatisierungsindikator verwendet werde. Son und Zohlnhofer schlagen daher vor, die verschiedenen Indikatoren nicht als Äquivalente, sondern als Messung verschiedener Aspekte von Privatisierung zu betrachten.

Die Jury begründete ihre Entscheidung für die Auszeichnung Sons und Zohlnhofers mit folgenden Worten:

"'Measuring Privatization' by Son and Zohlnhöfer takes comparative policy analysis seriously and advances the field by shedding light on the multiple dimensions of different dependent variables/indicators that often have been seen as substitutes for each other. The authors highlight the importance of choosing the right indicators to explain phenomena that analysts seek to understand. They illustrate why scholars using large-N data sometimes end up with inconclusive or mixed results when they ignore this fundamental issue. More importantly, this study of state-owned enterprises has implications for other sectors and comparative approaches to important policy issues. The focus on indicators is widely used in comparative policy analysis, and this article contributes to the policy literature on privatization and to the development of methods in the broader field of comparative policy studies."


Kontakt:
Keonhi Son
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58541
E-Mail: son@uni-bremen.de

Dr. Alex Veit (Foto: Caroline Wimmer)
Dr. Alex Veit (Foto: Caroline Wimmer)
Der Co-Leiter von Teilprojekt B09 wechselt für die kommenden sechs Monate ans Zentrum für Konfliktforschung. Seine Arbeit im SFB 1342 bleibt davon unberührt.

Lieber Alex, du gehst als Vertretungsprofessor an die Universität Marburg - herzlichen Glückwunsch! Wen vertrittst du dort?

Alex Veit: Danke! Ich vertrete den Kollegen Thorsten Bonacker am Zentrum für Konfliktforschung.

Für wie lange?

Von Oktober bis März kommenden Jahres, also für das Wintersemester.

Was sind deine Pläne für die Zeit am ZfK?

In der Lehre unterrichte ich die Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung sowie Seminare zu humanitären militärischen Interventionen und zur politischen Ökonomie und sozialen Bewegungen im Globalen Süden.

In der Forschung befasse ich mich mit der Internationalisierung von Staatlichkeit in Afrika durch die Einbindung internationaler Akteure in staatliche Kernaufgaben. Leitfragen sind dabei: Wie kann die Rolle internationaler Organisationen, bilateraler Geldgeber und von Entwicklungsorganisationen in der Organisation von Sicherheit, Wohlfahrt und Entwicklung theoretisch verstanden werden? Welche Auswirkungen hat die Machtposition internationaler Akteure auf das Verhältnis von Staaten zu ihren Bürgern? Und welche Konflikte entstehen durch die Internationalisierung von Staatlichkeit, welche Muster von Konfliktaustragung sind zu beobachten?

Was bedeutet all das für deine Arbeit bei uns im SFB?

Die Forschung im Teilprojekt B09 geht natürlich weiter, in der gegenwärtigen Phase vor allem durch die Vorbereitung von Publikationen.


Kontakt:
Dr. Alex Veit
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67471
E-Mail: veit@uni-bremen.de