Kristin Noack, Dr. Anna Safuta
Kristin Noack, Dr. Anna Safuta
Anna Safuta und Kristin Noack analysieren in einem Podcast-Interview die Arbeitsbedingungen migrantischer Live-in-Pflegekräfte in Deutschland, die sich in einer rechtlichen Grauzone zu einem Pfeiler der Langzeitpflege entwickelt haben.

Anna Safuta und Kristin Noack forschen in Teilprojekt B07 zu transnationaler Dienstleistungserbringung in der Langzeitpflege. Mit dem feministischen Lila Podcast sprachen sie über die Situation überwiegend osteuropäischer Pflegekräfte, die in geschätzt 300.000 deutschen Privathaushalten Pflegebedürftige betreuen – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, bis zu drei Monate am Stück.

"Die Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen sind durch die permanente Bereitschaft schwierig, Ruhezeiten sind kaum einzuhalten und die Abgrenzung von der Arbeit ist schwer möglich", sagt Kristin Noack. 90 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse seien nicht regulär, die Pflegerinnen sind meist als Selbständige oder als entsendete Arbeiterinnen gemeldet. "Dadurch kommt es zu rechtlichen Problemen", sagt Noack: etwa dass kein Mindestlohn gezahlt wird oder die Höchstarbeitszeit überschritten werde.

Die Covid-19-Pandemie, während der migrantische Pflegekräfte im Zuge von Quarantänebestimmungen Probleme bei der Einreise nach Deutschland hatten, rückte dieses sonst kaum sichtbare Segment der Pflegewirtschaft in den Fokus. Und damit die schlechten Bedingungen, zu denen die Frauen arbeiten. "Feministinnen haben über dieses Thema schon seit Jahrzehnten gesprochen", sagt Anna Safuta, "aber es war eine Pandemie nötig, damit einer breiten Öffentlichkeit klar wird: Migrantische Pflegearbeit findet unbeachtet statt, wird geringgeschätzt und ist unterbezahlt." Der demografische und sozioökonomische Wandel finde seit vielen Jahren statt und bringe Probleme mit sich, zu deren Bewältigung migrantische Pflegekräfte beitrügen – "aber auf wessen Kosten?" Langzeitpflege dürfe kein Privatproblem von Familien sein, das durch die Ausbeutung unterbezahlter Migrantinnen gelöst werde. "Die Arbeitsverhältnisse der migrantischen Live-in-Pflegekräfte sollten auf nationaler und europäische Ebene reguliert und normalisiert werden", sagt Safuta.

"Das System der 24-Stunden-Pflege ist offensichtlich nicht nachhaltig", sagt Noack. Es müsse mit ambulanten Pflegeangeboten anderer Träger, Nachbarschaftshilfen und auch Arbeit von Familienangehörigen kombiniert werden. Einige Initiativen in dieser Richtung gebe es bereits.

Das gesamte Interview mit Anna Safuta und Kristin Noack ist auf der Website des "Lila Podcasts" zu hören (Ausgabe vom 24. September 2020, ab Minute 35:00).


Kontakt:
Kristin Noack
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58604
E-Mail: knoack@uni-bremen.de

Dr. Anna Safuta
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58597
E-Mail: anna.safuta@uni-bremen.de