News aus dem Teilprojekt B06

Die Regierung Russlands beschloss kürzlich, das Renteneintrittsalter und die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Ob diese Entscheidungen nötig waren und welche soziale Sprengkraft sie entfalten könnten, analysiert SFB-Mitarbeiter Martin Brand.

Die Mehrwertsteuer in Russland soll von 18 auf 20 Prozent steigen. Doch vor allem die Rentenreform bewegt die Menschen in Russland, schreibt Brand: Das reguläre Renteneintrittsalter soll für Frauen von derzeit 55 auf 63 Jahre stiegen, für Männer von 60 auf 65 Jahre. Wenn man die Lebenserwartung vor allem der russischen Männer betrachtet (67,5 Jahre), liegt auf der Hand, dass diese Reform äußerst unpopulär ist: Einer Umfrage zufolge sind 92 Prozent der Bevölkerung dagegen. Proteste formieren sich bereits auf Online-Plattformen und auf der Straße.

Andererseits erscheint die Reform unausweichlich: Der Rentenfonds ist chronisch defizitär, 2018 werden umgerechnet 17,7 Mrd. Euro fehlen, 40 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Staatshaushalt. "In diesem Spannungsfeld ökonomischer und sozialer Faktoren", schreibt Brand, "wird sich die Debatte um die Reform des Rentensystems in Russland bewegen – spätestens nach der Fußball-WM." 

Weitere Informationen:
Der ausführliche Beitrag für die Bundeszentrale für Politische Bildung 


Kontakt:
Martin Brand
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
E-Mail: martin.brand@uni-bremen.de

Caucasus Analytical Digest No. 103
Caucasus Analytical Digest No. 103
Gulnaz Isabekova veröffentlichte ihre Analyse staatlicher Gesundheitssysteme im Südkaukasus im Caucasus Analytical Digest: Fachkräfte ziehen vom Land in die Städte, wodurch der Zugang der Landbevölkerung zu Gesundheitsdiensten eingeschränkt ist.

Ländliche Gebiete im Südkaukasus leiden unter einem wachsenden Mangel an medizinischen Fachkräften, schreibt Gulnaz Isabekova vom SFB 1342 in ihrem kürzlich im Caucasus Analytical Digest #103 veröffentlichten Artikel. Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen ziehen in städtische Gebiete oder wandern in postsowjetische Länder aus, wo sie höhere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten vorfinden. Die ungleiche Verteilung der Beschäftigten im Gesundheitswesen gefährdet die ländlichen Gesundheitssysteme und die Qualität der Dienstleistungen.

Isabekova schreibt, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen der großen Zahl an Absolventen medizinischer Disziplinen und der Zahl freier Stellen in ländlichen Gebieten. Die Regierungen Armeniens, Aserbaidschans und Georgiens sollten daher stärkere Anreize für medizinische Fachkräfte schaffen, in ländlichen Gebieten zu arbeiten. Laut Isabekova sind mögliche Anreize schnellere Beförderungswege, zusätzliche Schulungen, Stipendien, Zuschüsse und Gehaltszulagen. Auch die Zahl der mittleren Fachkräfte müsse erhöht und ihre Ausbildung gestärkt werden. Dadurch könne zumindest der Zugang zu grundlegenden Gesundheitsleistungen und Präventionsmaßnahmen sichergestellt werden.

 

Weitere Informationen:

Gulnaz Isabekova (ed.) (2018): Access to Healthcare, Caucasus Analytical Digest No. 103

Gulnaz Isabekova (2018): Healthcare Workers in the Southern Caucasus: Availability, Migration and Patients’ Access to Healthcare, in: Caucasus Analytical Digest No. 103, pp. 6-17, DOI: 10.3929/ethz-b-000269801

Die Publikation ist online verfügbar.


Kontakt:
Gulnaz Isabekova
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57073
E-Mail: gulnaz@uni-bremen.de

Oleksandra Betliy, externe Länderexpertin des SFB 1342, hat ihre Analyse der ukrainischen Rentenreform in den Ukraine-Analysen veröffentlicht. Betliy kommt zu dem Schluss, dass weitere Reformen des Justiz- und Finanzsystems nötig sind.

Die Durchschnittsrente in der Ukraine zählt zu den niedrigsten in Europa, gleichzeitig sind die staatlichen Rentenverpflichtungen im Vergleich zum BIP sehr hoch. In den vergangenen 15 Jahren gab es mehrere Reformen des defizitären ukrainischen Rentensystems, die jüngste im Oktober 2017.

Oleksandra Betliy arbeitet als externe Länderexpertin für den SFB "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und hat die Rentenreformen in der Ukraine analysiert. Ihre Ergebnisse hat sie in der aktuellen Ausgabe der Ukraine-Analysen veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Reformansätze vielversprechend sind, der langfristige Erfolg aber von Wirtschaftswachstum und Reformen des Justiz- und Finanzmarktsystems abhängen wird.

Oleksandra Betliy ist seit 2002 Leading Research Fellow am Institute for Economic Research and Policy Consulting in Kiew. Ihre Forschungsinteressen sind Finanzpolitik und Steuerprognosen sowie soziale Fragen, einschließlich der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. Als Länderexpertin beim SFB 1342 kooperiert sie vor allem mit dem Teilprojekt B06 "Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region".

Die Ukraine-Analysen werden gemeinsam herausgegeben von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de