Teilprojekt A04

Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko

In westlichen Ländern entstanden Gesundheitssysteme am Ende des 19. Jahrhunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts; im sogenannten "goldenen Zeitalter" des Wohlfahrtstaats kamen sie dann zur vollen Entfaltung. In vielen einkommensschwachen Ländern des Globalen Südens blieben sie un- oder unterentwickelt. In den letzten Jahrzehnten aber ist die Entstehung komplexer Gesundheitspolitiken im Globalen Süden ebenso zu beobachten von Restrukturierungen, Privatisierungen und Re-Regulierungen im Globalen Norden. Die Langzeitpflege (LZP) hat an Bedeutung gewonnen. In den meisten westlichen Ländern hat die sozialstaatliche Expansion in diesem Bereich in einer Phase "permanenter Austerität" stattgefunden, während sich die LZP im Globalen Süden erst in der Gegenwart zu einem sozialpolitisch zu bearbeitenden Feld entwickelt. Dies wird sich in den kommenden Jahren jedoch drastisch ändern, weil der Globale Süden von der im weltweiten Vergleich stärksten demographischen Alterung betroffen sein wird.

Im Teilprojekt A04 werden die Entwicklungen beider Politikfelder - Gesundheits- und LZP-Politik - in globaler Perspektive untersucht. Wir gehen von der Annahme aus, dass die Entstehung von LZP-Systemen nur vor dem Hintergrund der Spezifika des Gesundheitssystems erklärbar ist, aus dem heraus sie sich entwickeln. Ziel des Teilprojektes ist es, die Herausbildung unterschiedlicher Typen von Gesundheitssystemen und Systemen der LZP global nachzuzeichnen und zu erklären, inwieweit Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen diesen nationalen Systemen strukturiert werden durch: a) horizontale soziale, ökonomische und politische Austauschbeziehungen zwischen Ländern sowie b) durch vertikale Austauschbeziehungen zwischen Ländern und internationalen Organisationen. In einer ersten Phase wird das Projekt die Einführung und Ausgestaltung der Expansion von Gesundheits- und LZP-Systemen und ihre räumliche Verbreitung erforschen. Dies wird in einer zweiten Phase vertieft, indem die Ausweitung im Leistungsumfang (Generosität) und der von den Programmen erfassten Bevölkerungskreise (Inklusionsgrad) untersucht wird.