Prof. Dr. Tim Vlandas
Prof. Dr. Tim Vlandas
Tim Vlandas von der University of Oxford hat am SFB 1342 Ergebnisse seiner Forschung zum Aufschwung rechtsextremer Parteien präsentiert. Wirtschaftliche Unsicherheit und kulturelle Verunsicherung spielen eine zentrale Rolle, genauso wie die Sozialpolitik.

Am Mittwoch war Tim Vlandas, Associate Professor of Comparative Social Policy an der University of Oxford, beim SFB 1342 in Bremen zu Gast. Er präsentierte Ergebnisse seiner Forschung zu der Frage, welchen Einfluss ökonomische und kulturelle Unsicherheiten auf den Wahlerfolg rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien haben und welche Rolle Sozialpolitik dabei spielt. Vlandas analysierte dazu Daten des European Social Survey zu 24 europäischen Staaten aus sieben verschiedenen Jahren.

Demnach spielen sowohl ökonomische als auch kulturelle Unsicherheiten der Wählerinnen und Wähler eine Rolle dabei, ob sie sich zur Wahl rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien entschließen. Allerdings wirken sie auf die Wahlentscheidung verschiedener sozialer Gruppen unterschiedlich. Um zwei Beispiele kurz herauszugreifen:

  • Kulturell verunsicherte Wählerinnen und Wähler (meist in Folge von steigender Einwanderung und der gesellschaftlichen Diskussion darüber) neigen stärker dazu, rechtsextrem/rechtspopulistisch zu wählen – vor allem – und das ist für einige vielleicht überraschend -, wenn sie wirtschaftlich auf sicheren Beinen stehen.
  • Ökonomische Unsicherheit hingegen erhöht die Wahrscheinlichkeit, rechtsextrem/rechtspopulistisch zu wählen, nur bei den Wählerinnen und Wählern, die kulturell nicht verunsichert sind.


Die Sozialpolitik wirkt wir ein Puffer auf den Erfolg rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien, so Vlandas: Vor allem eine generöse Arbeitslosenversicherung, hohes Rentenniveau, Mindestlöhne und umfängliche Unterstützung von Familien wirken dem Erfolg rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien entgegen. Sozialpolitische Einschnitte oder selbst eine Stagnation der Ausgaben in Zeiten steigenden Bedarfs an Unterstützung haben die entgegengesetzte Wirkung.