News aus dem Teilprojekt B04

Ein Autor*innenteam aus Teilprojekt B04 hat untersucht, wie ASEAN, EU und Mercosur Arbeitsmigration regulieren und welche sozialpolitischen Rechte Migrant*innen eingeräumt werden. Intraregionale Ungleichheiten spielen dabei eine bedeutende Rolle.

Vor knapp zwei Jahren eröffnete Armando Barrientos die Reihe der SOCIUM SFB 1342 Working Papers. Mittlerweile ist der 20. Beitrag erschienen, in dem Friederike Römer, Eloisa Harris, Marcus Böhme und Susanne Schmidt vergleichend untersuchen, wie ASEAN, EU und Mercosur Arbeitsmigration regulieren und welche sozialpolitischen Rechte Migrant*innen eingeräumt werden: "Labor migration and migrant social protection in three regional organizations – Inequalities as a driving force?"

Das Team identifizierte für jede der drei regionalen Organisationen Meilensteinvereinbarungen zur Freizügigkeit und/oder zum Zugang intraregionaler Migrant*innen zu so­zialer Sicherung. In einem nächsten Schritt wurde für verschiedene Zeitunkte der Grad der Ungleichheit zwischen Mitgliedsstaaten sowohl im Hinblick auf das Pro-Kopf-BIP als auch auf Sozialausgaben bestimmt.

In der ASEAN-Region ist die regionale Integration in Bezug auf die Arbeitsmigration zwischen den Mitgliedsstaaten insgesamt begrenzt, schreiben die Autoren. Bestehende Abkommen seien unverbindlich und lückenhaft, und innerregionale Wanderarbeiter seien meist von Maßnahmen des Sozialschutzes ausgeschlossen. Die Nettoaufnahmestaaten lehnen es ab, sich auf Sozialschutzmaßnahmen zu einigen, die möglicherweise die Löhne in die Höhe treiben und andere Kosten verursachen würden.

Dieses niedrige Niveau der Kooperation bezüglich Migration und Sozialschutz geht einher mit einer sehr hohen intraregionalen ökonomischen Ungleichheit (gemessen am BIP pro Kopf) und einer geringeren, aber noch immer großen Ungleichheit der Sozialausgaben der Mitgliedsländer.

Der Mercosur hingegen vertritt ein sehr weitreichendes Ideal der Freizügigkeit und der offenen Grenzen und begreift Migration als ein Menschenrecht, das auch die Entkriminalisierung von Migranten ohne Papiere beinhaltet. Seit 1997 können Bürger der Mercosur-Staaten ihre in einem Mitgliedsstaat erworbenen Sozialversicherungsansprüche auf jeden anderen Mitgliedsstaat übertragen. Im Jahr 2010 wurde ein Staatsbürgerschaftsstatut unterzeichnet, das Freizügigkeit, Gleichbehandlung in Bezug auf bürgerliche, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Rechte sowie gleichen Zugang zu Arbeit, Gesundheit und Bildung durchsetzen soll.

Im Mercosur ist die wirtschaftliche Ungleichheit im Vergleich zu ASEAN und EU am geringsten, in den letzten zwei Jahrzehnten ist sie jedoch leicht gestiegen. Eine Ähnliche Tendenz ist auch bei der Ungleichheit der Sozialausgaben zu beobachten.

Im Vergleich zu den ASEAN-Staaten, aber auch zum Mercosur, ist die regionale Integration in der Europäischen Union am weitreichendsten. Im Zuge der Erweiterung ist die ökonomische Ungleichheit jedoch deutlich gestiegen, die Unterschiede bei den Sozialausgaben sind im Vergleich dazu zwar niedriger, aber dennoch relevant. Insgesamt stieg durch die EU-Erweiterung der Anreiz für Arbeitskräfte, in die wohlhabenderen Länder zu migrieren. In der Folge ist die Auslegung der EU-Bürgerrechte durch den Europäischen Gerichtshof restriktiver geworden und das Projekt "Soziales Europa" zum Stillstand gekommen. Dennoch ist die aktuelle Situation eher durch Stagnation als durch Umkehr gekennzeichnet. Die starke Pfadabhängigkeit hält die bestehenden weitreichenden Vereinbarungen aufrecht, so dass die EU nach wie vor die am stärksten integrierte der drei in diesem Beitrag verglichenen Organisationen ist.

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Weitere Informationen: SOCIUM SFB 1342 Working Paper Series


Kontakt:
Eloisa Harris
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57080
E-Mail: eharris@uni-bremen.de

Dr. Friederike Römer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67469
E-Mail: friederike.roemer@uni-bremen.de

Prof. Dr. Susanne K. Schmidt
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67484
E-Mail: skschmidt@uni-bremen.de

In "Social Policy & Administration" haben 7 Teilprojekte des SFB 1342 Fallstudien sozialpolitischer Dynamiken im Globalen Süden vorgelegt. Deren Synthese zeigt: Das Konzept der kausalen Mechanismen ist gut geeignet, solche Entwicklungen zu analysieren.

Sieben Teilprojekte aus dem Projektbereich B des SFB 1342 haben eine Sonderausgabe von "Social Policy & Administration" veröffentlicht: Causal mechanisms in the analysis of transnational social policy dynamics: Evidence from the global south. Die zentrale Forschungsfrage, der die Autor*innen nachgehen, lautet: Welche kausalen Mechanismen können die transnationalen Dynamiken der Sozialpolitik im Globalen Süden erfassen?

Um Antworten auf diese Frage zu finden, präsentieren die Autor*innen vertiefende Fallstudien zu sozialpolitischen Dynamiken in verschiedenen Ländern und Regionen des Globalen Südens sowie in unterschiedlichen sozialpolitischen Feldern. Alle Beiträge konzentrieren sich auf das Zusammenspiel von nationalen und transnationalen Akteuren bei der Gestaltung von Sozialpolitik. (Die Beiträge dieser Special Issue sind unten aufgeführt.)

Die zentralen Erkenntnisse der Autorinnen und Autoren sind:

  • Erklärungen der Sozialpolitik im Globalen Süden bleiben unvollständig, wenn nicht auch transnationale Faktoren berücksichtigt werden
  • Dies bedeutet jedoch nicht, dass nationale Faktoren nicht mehr wichtig sind. Bei sozialpolitischen Entscheidungen sind nationale institutionelle Rahmenbedingungen und Akteure von zentraler Bedeutung
  • Die mechanismusbasierte Forschung kann das Zusammenspiel zwischen transnationalen und nationalen Akteuren und deren Einfluss auf die Gestaltung sozialpolitischer Ergebnisse plausibel nachzeichnen. Die Artikel identifizieren eine Vielzahl von Kausalmechanismen, die dieses Zusammenspiel erfassen können
  • Das Ergebnis sozialpolitischer Entscheidungen ist komplex und kann oft nicht durch einen einzigen Mechanismus erklärt werden. Die Untersuchung der Kombination und des möglichen Zusammenspiels mehrerer kausaler Mechanismen kann tiefer gehende Erklärungen liefern 
  • Das Konzept der Kausalmechanismen kann auch in vergleichenden Analysen angewendet werden
  • Mechanismen können induktiv in einem Fall aufgespürt und dann auf einen anderen Fall übertragen werden.


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Johanna Kuhlmann & Tobias ten Brink (2021). Causal mechanisms in the analysis of transnational social policy dynamics: Evidence from the global south. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12725

Armin Müller (2021). Bureaucratic conflict between transnational actor coalitions: The diffusion of British national vocational qualifications to China. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12689 

Johanna Kuhlmann & Frank Nullmeier (2021). A mechanism‐based approach to the comparison of national pension systems in Vietnam and Sri Lanka. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12691 

Kressen Thyen & Roy Karadag (2021). Between affordable welfare and affordable food: Internationalized food subsidy reforms in Egypt and Tunisia. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12710

Monika Ewa Kaminska, Ertila Druga, Liva Stupele & Ante Malinar (2021). Changing the healthcare financing paradigm: Domestic actors and international organizations in the agenda setting for diffusion of social health insurance in post‐communist Central and Eastern Europe. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12724

Gulnaz Isabekova & Heiko Pleines (2021). Integrating development aid into social policy: Lessons on cooperation and its challenges learned from the example of health care in Kyrgyzstan. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12669 

Anna Safuta (2021). When policy entrepreneurs fail: Explaining the failure of long‐term care reforms in Poland. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12714

Jakob Henninger & Friederike Römer (2021). Choose your battles: How civil society organisations choose context‐specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina. Social Policy & Administration. https://doi.org/10.1111/spol.12721


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Jakob Henninger, Dr. Friederike Römer
Jakob Henninger, Dr. Friederike Römer
Friederike Römer und Jakob Henninger haben untersucht, wie sich die Ziele von NGOs, die sich für Sozialleistungen für Migrant*innen engagieren, zwischen Demokratien und Autokratien unterscheiden. Die Ergebnisse erläutern sie im Interview.

"Choose your battles. How civil society organisations choose context‐specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina" heißt das neue Paper von Jakob Henninger und Friederike Römer, veröffentlicht in Social Policy & Administration. Was sie dabei genau untersucht und herausgefunden haben, erläutern sie in diesem Interview.

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Für alle, die das Paper noch nicht gelesen haben: Könnt ihr eure wichtigsten Ergebnisse in aller Kürze zusammenfassen?

Friederike Römer: In unserem Paper untersuchen wir, wie sich zivilgesellschaftliche Organisationen – also zum Beispiel Nichtregierungsorganisationen, aber auch Gewerkschaften – für den Zugang von Migrant*innen zu Sozialleistungen einsetzen. Wir vergleichen Argentinien mit Malaysia, und damit eine Demokratie mit einem Land, das zumindest bis vor kurzem als elektorale Autokratie eingestuft wurde. Wir haben uns gefragt: Welche Strategien verfolgen diese Organisationen? Genauer, welche Ziele setzen sie sich? Und wie werden sie aktiv? Dabei haben wir festgestellt, dass zwischen den beiden Fällen große Unterschiede bestehen: In Argentinien haben die Organisationen ambitioniertere Ziele verfolgt, nämlich die Inklusion von Einwander*innen in die ganze Bandbreite der Sozialleistungen – also auch solcher Leistungen, die keine vorherigen Versicherungsbeiträge erfordern. In Malaysia hingegen war das Engagement eher beschränkt auf bestimmte beitragsfinanzierte Leistungen. Die Inklusion etwa in das steuerfinanzierte Armutsbekämpfungsprogramm anzustreben, war nie Teil der Strategie.

Jakob Henninger: Wir konnten zeigen, dass der Kontextfaktor „politisches System“ zumindest einen Teil dieser Unterschiede erklären kann. In beiden Ländern gibt es Aktivist*innen, die sich für die Inklusion von Migrant*innen einsetzen. Allerdings sind zivilgesellschaftliche Organisationen in Argentinien besser in politische Prozesse eingebunden. Sie hatten also andere Ressourcen und Möglichkeiten, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Aber auch die Art der Argumentation hat sich unterschieden: In Argentinien wird häufig auf Menschenrechte Bezug genommen, und diese werden im Sinne einer Gleichstellung zwischen Migrant*innen und der einheimischen Bevölkerung interpretiert. Bezüge auf Menschenrechte finden sich zwar auch in Malaysia – dort aber eher als Forderung, minimale Standards einzuhalten.

Ihr argumentiert, dass die CSOs ihre Ziele und ihre Aktivitäten in Abhängigkeit vom Regimetyp wählen. Könnte es nicht sein, dass sie ihre Ziele und Aktivitäten auch mit Blick auf die Werte und die allgemeine Stimmung in Bezug auf Migrant*innen in der Mehrheitsbevölkerung ausrichten? Worauf ich hinaus möchte: Wie stellt ihr sicher, dass der jeweilige Regimetyp ursächlich für die Unterschiede der CSO ist und nicht andere Faktoren, die ihr nicht untersucht habt?

Jakob Henninger: Natürlich unterscheiden sich diese beiden Fälle. Wichtig ist aber, dass sie sich auch in vielen entscheidenden Gesichtspunkten ähneln. Beide Länder haben eine lange Migrationsgeschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und die Gesellschaften bis heute prägt. Heutzutage gehören sie zu den Hauptempfängerländern von Migration in ihrer jeweiligen Region und manche Wirtschaftszweige sind stark abhängig von migrantischer Arbeit. Ebenso weisen die Sozialstaaten der beiden Länder Gemeinsamkeiten auf, auch wenn sie nicht gleich sind: Beide waren lange auf beitragsfinanzierte Leistungen fokussiert, haben aber jüngst vermehrt Leistungen eingeführt, die nicht von Beitragszahlungen abhängen. So können wir zumindest einige Faktoren als Erklärung für die Unterschiede ausschließen.

Basierend auf theoretischen Vorüberlegungen formuliert ihr in der Einleitung des Papers einige Erwartungen, sie sich dann durch die Empirie bestätigen (z.B. dass CSOs in Demokratien tendenziell das Ziel der Gleichstellung von Migrant*innen verfolgen, während sie CSOs in Autokratien tendenziell das Ziel der Sicherung der Grundbedürfnisse von Migrant*innen erreichen wollen). Gab es auch Dinge, die euch überrascht haben?

Friederike Römer: Wir hatten erwartet, dass sich die Aktivitäten der Organisationen deutlich unterscheiden. Wir hätten gedacht, dass sich die malaysischen Organisationen eher darauf konzentrieren, in Notsituationen konkrete Hilfe zu leisten, während die argentinischen Organisationen eher einen Fokus auf politische Interessenvertretung legen. Als wir aber die Selbstbeschreibungen der Organisationen analysiert haben, haben wir gemerkt, dass die Unterschiede auf den ersten Blick nicht sehr groß waren. Das hat uns überrascht. Beispielsweise gaben in beiden Ländern ähnlich viele Organisationen an, politische Interessenvertretung zu betreiben, oder als Rechtsbeistand für Migrant*innen aktiv zu sein. Bei genauerem Hinsehen sind dann aber doch Unterschiede zutage getreten: In Malaysia berichteten uns Aktivist*innen, wie schwierig es ist, überhaupt Treffen mit Vertreter*innen von Ministerien zu arrangieren. In Argentinien werden Arbeitsgruppen zu den Rechten von Migrant*innen mitunter direkt von den Ministerien organisiert und die Vertreter*innen der Zivilgesellschaft werden dazu offiziell eingeladen. Ähnlich interessant ist, was in den beiden Kontexten unter Rechtsbeistand zu verstehen ist. Während Organisationen in Malaysia dabei helfen, bestehendes Recht umzusetzen und etwa Forderungen für Entschädigungszahlungen an Arbeitgeber geltend zu machen, haben argentinische Organisationen zum Teil versucht, bestehendes Recht als verfassungswidrig zu markieren und letztendlich also gesetzliche Grundlagen zu ändern, etwa wenn es um das Recht auf Leistungen bei verminderter Erwerbsfähigkeit geht.

Eurer Paper trägt den schönen Titel „Choose your battles“ und deutet die Interpretation eurer Ergebnisse an. Könnt ihr darauf näher eingehen? Welche Rolle spielen z.B. die Elemente Effizienz (also dass CSOs nur realistisch erreichbare Ziele anstreben) und die Positionierung gegenüber Instanzen staatlicher Macht (u.a. drohende Repressionen/Auswirkung auf Finanzierungsquellen) bei der Wahl der Ziele und Aktivitäten der CSOs?

Jakob Henninger: Sowohl Überlegungen zu Effizienz wie auch die strategische Positionierung gegenüber staatlicher Macht sind wesentliche Faktoren, die Organisationen bei der Wahl ihrer Strategie beeinflussen. Den Organisationen stehen zum einen begrenzte Ressourcen zur Verfügung, sodass sie ihre Ziele priorisieren müssen. Daher überlegen sie sich genau, welche Probleme sie angehen und welche nicht. Zum anderen müssen sie darauf achten, dass ihre Vorschläge anschlussfähig sind – beides gilt für beide Kontexte.

Friederike Römer: In einem autokratischen Kontext wie Malaysia ist allerdings die Sorge vor repressiver Staatsgewalt ganz anders relevant, als das in Argentinien der Fall ist. Unsere malaysischen Interviewpartner*innen berichten davon, dass sie Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um sich und die Migrant*innen, mit denen sie arbeiten, zu schützen. In Argentinien dagegen sind konfrontative Strategien durchaus üblich. Hier würden wir wieder unterstreichen, dass die Ursache für diese Unterschiede im politischen Regime zu suchen ist.

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Lesen Sie das vollständige Paper (Open Access):

Jakob Henninger, Friederike Römer: Choose your battles. How civil society organisations choose context‐specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina. Social Policy & Administration, 2021, online first: https://doi.org/10.1111/spol.12721


Kontakt:
Jakob Henninger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
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E-Mail: jakob.henninger@uni-bremen.de

Dr. Friederike Römer
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Eloisa Harris, Jakob Henninger und Friederike Römer (v.l.n.r.)
Eloisa Harris, Jakob Henninger und Friederike Römer (v.l.n.r.)
Migrantische Arbeitskräfte sind mit großer wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert, schreiben Eloisa Harris, Friederike Römer und Jakob Henninger in einem Beitrag für Social Europe. Das Ausmaß variiert aber mit der Sozialpolitik der einzelnen Länder.

Harris, Römer und Henninger haben für ihre Analyse die Covid-19-Hilfsprogramme von Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Irland, Italien, Portugal und Schweden verglichen sowie deren bestehenden Sozialleistungen, zu denen migrantische Arbeitskräfte unter Umständen Zugang haben. 

Die bislang beschlossen Hilfsprogramme der Regierungen sind umfangreich, aber die Bedürfnisse der besonders gefährdeten migrantischen Arbeitskräfte scheinen bislang allenfalls eine untergeordnete Rolle zu spielen. 

Arbeitslosenhilfe ist meist an mehrjährige Beitragszahlungen geknüpft und schließt damit Wanderarbeitskräfte mit ihren temporären Arbeitsverhältnissen aus. Selbst Sozialhilfe ist in vielen Ländern keine Option, da dafür ein fester Wohnsitz im jeweiligen Land erforderlich ist. 

Einige Länder, schreiben Harris, Römer und Henninger, zahlten den migrantischen Arbeitskräften immerhin reduzierte Sozialleistungen angesichts der Covid-19-Pandemie.

Ein weiteres großes Problem für die migrantischen Arbeitskräfte sei, dass sie durch Arbeitslosigkeit ihre Aufenthalts- und Arbeitsberechtigung verlieren könnten. 

Den gesamten Beitrag "Covid-19 and migrant workers’ social rights" lesen Sie auf socialeurope.eu.


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Svenja Gödecke
Svenja Gödecke
Svenja Gödecke erzählt, wie sie sich auf ihre Doktorarbeit vorbereitet, warum Europa sie so fesselt und welche Aufgaben sie im Teilprojekt B04 übernimmt.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftlerin geworden wärest?

Gute Frage - ich habe ja erst im vergangenen Sommer meinen Masterabschluss gemacht. In den letzten Semestern meines Studiums hatte sich herauskristallisiert, dass ich auf jeden Fall in der Wissenschaft arbeiten möchte, zumal mich auch die Lehre sehr interessiert. Daher gab es für mich eigentlich keine Alternative. Mit einer kleinen Ausnahme vielleicht: In Brüssel habe ich ein Praktikum im Bereich Lobbying bei einem deutschen Wirtschaftsverband gemacht. Während des Praktikums konnte ich die EU "live" vor Ort erleben, statt über Verfahren und Akteure nur zu lesen. Das war sehr interessant, aber auch eine völlig andere Welt als die Arbeit an der Universität. In diesem Bereich zu arbeiten, hätte ich mir für eine gewisse Zeit auch vorstellen können. Währenddessen hätte ich aber trotzdem gern promoviert. Den Bezug zur Wissenschaft hätte ich auf keinen Fall verlieren wollen.

Du hast Europäische Studien und später Europäisches Regieren studiert. Warum diese räumliche Spezialisierung?

Den Bachelor Europäische Studien fand ich interessant, weil er interdisziplinärer ist. Ich konnte mein Interesse für Politik und Politikwissenschaft befriedigen und gleichzeitig unterschiedliche Sprachen lernen und juristische und wirtschaftliche Einblicke gewinnen. Hinzu kommt, dass ich die Entwicklung der Europäischen Integration und die Wirkungen der EU auf ihre Mitgliedstaaten besonders interessant finde. Es ist spannend zu sehen, wie aus dem Zusammenschluss von anfangs lediglich sechs Staaten ein international einzigartiges Gebilde wie die EU werden konnte - mit Kompetenzen in mittlerweile nahezu allen Politikbereichen. Dieses Interesse hat sich immer weiter gefestigt, sodass ich dann auch den Master Europäisches Regieren gemacht habe.

Was wird eine deine Aufgabe sein im SFB?

Ich bin eine von zwei Doktorandinnen bei Prof. Schmidt und ich werde mich mit der EU und dem Mercosur in Lateinamerika auseinandersetzen. Ich beschäftige mich mit der Arbeitsmigration und schaue, welche Festlegungen und Vereinbarungen es jeweils innerhalb der EU und dem Mercosur gibt, um später beispielsweise zu erklären, welche Rückwirkungen diese auf die Nationalstaaten haben.

Wie wirst du bei deiner Forschungsarbeit vorgehen?

Erst einmal muss ich mich sehr intensiv einlesen, denn mit dem Mercosur habe ich mich bislang noch nicht beschäftigt. Auch Arbeitsmigration ist ein relativ neues Feld für mich. Daher werde ich in der nächsten Zeit vor allem lesen, lesen, lesen. Dann kann ich entscheiden, wie es weitergehen wird. Wobei meine Arbeit höchstwahrscheinlich qualitativ sein wird: Ich werde Interviews mit Experten machen, vermutlich auch vor Ort in Lateinamerika und in Brüssel. Aber die Details sind noch offen.

Auf wie lange ist deine Doktorarbeit angelegt?

Mein Vertrag läuft drei Jahre. Die Doktorarbeit wird vermutlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres offiziell beginnen. So lange bereite ich mich durch Literaturrecherche bestmöglich vor.

Zur Person:
Nach ihrem Abitur im Jahr 2011 hat Svenja Gödecke an der Universität Osnabrück zunächst Europäische Studien mit dem Nebenfach Rechtswissenschaften studiert. Nach ihrem Bachelorabschluss machte sie den Master Europäisches Regieren. Ihre Masterarbeit, die sich mit der Europäisierung der Sportpolitik auseinandersetzt, wurde im März 2018 mit dem Alumni-Förderpreis Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück ausgezeichnet.


Kontakt:
Svenja Gödecke
Prof. Dr. Ralf Kleinfeld mit den Preisträgerinnen Caroline Mulert, Svenja Gödecke und Christina Hafkemeyer (v.l.). Foto: Utz Lederbogen
Prof. Dr. Ralf Kleinfeld mit den Preisträgerinnen Caroline Mulert, Svenja Gödecke und Christina Hafkemeyer (v.l.). Foto: Utz Lederbogen
Ihre Masterarbeit zu EU-Politik wurde von der Uni Osnabrück ausgezeichnet.

Unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Svenja Gödecke hat für ihre Masterarbeit den Alumni-Förderpreis Sozialwissenschaften 2017/2018 der Universität Osnabrück erhalten. Gödecke, die im Sommer 2017 in Osnabrück ihren Abschluss in Europäisches Regieren gemacht hat, befasste sich in ihrer Masterarbeit mit dem Thema „Die Europäisierung der Sportpolitik: Die Etablierung einer »EU-Sportpolitik« und die Auswirkungen der Europäisierung für EU-Mitgliedstaaten am Beispiel Deutschland“.

Svenja Gödecke arbeitet seit Oktober 2017 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS) der Universität Bremen. Im SFB 1342 arbeitet sie im Teilprojekt B04, in dessen Rahmen sie promovieren wird.

Die Universität Osnabrück würdigt herausragende Studienleistungen sowie soziales Engagement jährlich mit Förderpreisen. Im Akademischen Jahr 2017/2018 wurden insgesamt 31 Studierende, Absolventinnen und Absolventen ausgezeichnet.

Weitere Informationen:
Svenja Gödecke im Profil
Förderpreis der Uni Osnabrück: Preisträger und Stifter im Portrait


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Svenja Gödecke