Professor Stephan Leibfried
Professor Stephan Leibfried
Wir trauern um Stephan Leibfried, der völlig überraschend und für alle unfassbar mitten aus der täglichen Arbeit gerissen wurde.

Was er für uns persönlich, seine Kolleginnen und Kollegen, für die Institution SOCIUM, für die Universität Bremen bedeutet hat, ist in wenigen Sätzen nicht zu fassen. Seit 1974 Professor an der Universität Bremen, gehörte er 1979 zu den Gründern des interdisziplinären Forschungsschwerpunktes Reproduktionsrisiken, Soziale Bewegungen und Sozialpolitik, der zu einem Vorläufer des 1988 gegründeten, ebenfalls interdisziplinären Zentrums für Sozialpolitik (ZeS) wurde. Im ZeS baute er die Abteilung "Institutionen und Geschichte des Wohlfahrtsstaates" auf und er war dann 2015 mit dabei, als das ZeS Teil des neuen SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen wurde.

Stephan Leibfrieds Persönlichkeit ist mit wesentlichen Erfolgen der Bremer Sozialwissenschaften beim Gestalten von Forschungsprojekten und dem Einwerben von Drittmitteln verbunden. Er zählte zu den Initiatoren und Projektleitern des ersten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1989-2001 an der Bremer Universität finanzierten Sonderforschungsbereichs "Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf" (SFB 186) und gehörte zur Initiativgruppe um Michael Zürn und Bernhard Peters, die den von 2003 bis 2014 geförderten Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel" (SFB 597) aus der Taufe hoben. Ab 2004 war er zudem dessen Sprecher. Der jüngste Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" (SFB 1342), der seit Anfang dieses Jahres arbeitet, sah ihn schließlich als aktiven Ratgeber und hilfreichen Unterstützer.

Stephan Leibfried war mit dabei, als 2001 die Graduate School of Social Sciences (GSSS) mit Mitteln der VolkswagenStiftung als Gemeinschaftsinstitution von Universität Bremen und Jacobs University Bremen zur Ausbildung der sozialwissenschaftlichen Doktorandinnen und Doktoranden ins Leben gerufen wurde. Diese ging dann 2007 in die aus Mitteln der Exzellenz-Initiative geförderte Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) über. Auch an den dafür notwendigen Anträgen, die der Universität Bremen den begehrten Status einer Exzellenzuniversität erwarben, beteiligte er sich mit großer Intensität.

Stephan Leibfried hat die internationale Kooperation in den Sozialwissenschaften immer gefördert und gelebt, er war Gastprofessor an vielen in- und ausländischen Universitäten, zudem Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Sekretar deren Sozialwissenschaftlicher Klasse, Mitglied in den wissenschaftlichen Beiräten unter anderem des Wissenschaftszentrums Berlin und des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, Köln, sowie Träger des Schader-Preises 2014.

Wir, das SOCIUM, die BIGSSS, die Mitwirkenden in den sozialwissenschaftlichen Sonderforschungsbereichen, die Universität Bremen verlieren in ihm nicht nur einen unermüdlichen Ideengeber und universitären Forschungsmanager, sondern darüber hinaus einen Kollegen, der frühzeitig die soziologische und politikwissenschaftliche Bedeutung der Sozialpolitik erkannt und wichtige Impulse für deren Erforschung im Kontext der Europäischen Union geliefert hat. Dass er darüber hinaus immer die Bedeutung der Sozialpolitik für das tägliche Leben vieler Menschen im Blick hatte, macht seinen Tod für uns umso schmerzlicher. Wir trauern um einen außergewöhnlichen Menschen, Forscher und Kollegen, einen großen Anreger und lebensfrohen Menschen. Stephan Leibfried hätte nicht gewollt, dass wir ob seines Todes in unserer Arbeit innehalten. In der Erinnerung an diesen bedeutenden Kollegen bleibt uns seine Leistung Ansporn für die Zukunft.

Sprecher, Vorstände sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SOCIUM, BIGSSS, SFB 1342 sowie dem ehemaligen ZeS und den ehemaligen SFBs 186 und 597