Dr. Nils DüpontDr. Nils Düpont
Nils Düpont im Gespräch über die Faszination Politikwissenschaft, Präferenzen von Autokraten und seine Aufgabe im Teilprojekt A01.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Politikwissenschaftler geworden wärest?

Ich weiß gar nicht, ob ich etwas Anderes hätte werden wollen. Ich habe schon in der Oberstufe - befeuert durch zwei gute Lehrer - Interesse an Politik entwickelt und dann konsequenterweise auch Politikwissenschaft studiert. Da war schnell klar, dass es nach dem Magisterabschluss weitergehen soll. Wenn ich aus heutiger Perspektive zurückblicke, denke ich manchmal: Vielleicht hätte man auch etwas ganz Anderes machen können; etwas Handwerkliches, Instrumentenbauer vielleicht. Ich finde es schön, dass mich mein Beruf vom Kopf her fordert. Aber an manchen Tagen besteht mein ganzes Tagwerk darin, dass ich fünf Zeilen programmiert habe. Das hat dann meine Arbeit zwar riesig nach vorne gebracht, aber wenn ich das anderen Leute erzähle … So gesehen wäre ein Handwerk, bei dem man etwas Greifbares produziert, etwas für mich gewesen. Aber die Frage hat sich nie gestellt.

Nach der Schule Politikwissenschaft zu studieren, ist das eine; was hat dich an dem Fach so fasziniert, dass du es zu deinem Beruf gemacht hast?

Politikwissenschaft erfordert eine ganz eigene Art zu denken, die mir gut liegt. Hinzu kam ein günstiges Umfeld. Ich habe eine Hausarbeit geschrieben und wurde gefragt, ob ich studentische Hilfskraft werden will. Damit kam das Interesse für Zahlen und die empirisch-analytische Politikwissenschaft hinzu. Ich habe mich in diesen Bereich eingelesen, und im Laufe der Zeit formt das, was man liest, ja auch die eigene Art zu denken. Durch diese Brille ist der Berufswunsch dann entstanden. Daher würde ich heute sagen: Ich interessiere mich für Politik, meine Denkweise dabei ist aber politikwissenschaftlich.
Was mich an Politik- und Sozialwissenschaften generell fasziniert: Trotz der immensen Unterschiede zwischen den Menschen kann man Ähnlichkeiten und Muster im Verhalten feststellen. Dadurch sind sich die Menschen doch viel ähnlicher, als sie selbst glauben wollen. Diese Muster aufzudecken, hat mich immer fasziniert: menschliches Verhalten zu erklären durch eine Handvoll Handlungsanweisungen oder Variablen. Natürlich ist menschliches Verhalten dadurch nicht determiniert, aber doch ein Stück weit prägt. Damit kann man eine Menge erklären.

Welche Aufgaben übernimmst du im SFB?

Ich bin aktuell dabei, meine genaue Rolle ein Stück weit selbst zu definieren. Aber es geht um den Themenkomplex der nationalstaatlichen Akteure in der Sozialpolitik. Sozialpolitik ist natürlich in internationale Verflechtungen eingebettet, aber am Ende sind es immer noch nationale Akteure, die entscheiden. In parlamentarischen Regierungssystemen sind es von Parteien gebildete Regierungen, in Autokratien oder Diktaturen sind es eben Autokraten oder Diktatoren. Die Frage ist: Wie stark wird das Handeln der Akteure von globalen Zusammenhängen beeinflusst? Ich sehe meine Rolle im SFB darin, die ideologische Vermessung der Welt anzugehen. Bislang lag bei solchen Fragen der Fokus auf hochentwickelten Industriestaaten. Die politischen Präferenzen der Regierungen ließen sich relativ leicht via Parteien bestimmen. Ich möchte nun Verfahren entwickeln, mit denen man die politischen Präferenzen der Akteure in anderen Systemen, wie Autokratien und Diktaturen, bestimmen kann. Dafür hoffe ich von den Informatikern im Teilprojekt Input zu bekommen: damit ich via Machine Learning Texte auswerten kann nach bestimmten Kategorien, die wir schon von den Industriestaaten kennen. Ich möchte dann überprüfen, ob wir die Kategorien auf Autokratien und Diktaturen übertragen können, oder ob wir da in komplett neuen Kategorien denken müssen.

Kannst du ein Beispiel geben?

Die politischen Akteure der westlichen Welt lassen sich auf einer großen Links-Rechts-Dimension verorten - mal die Debatte außer Acht gelassen, wie substanziell das noch ist. Aber funktioniert das auch für andere Weltregionen? Vielleicht klappt das noch mäßig für Südamerika, aber im asiatischen Raum ist die Frage, ob man ideologische Konfliktthemen nicht komplett neu denken muss. Meine Rolle wird sein, das aufzuarbeiten und damit wiederum innerhalb des A-Projektbereiches Input in die anderen Projekte zu liefern. Die Kolleginnen und Kollegen wollen ja sozialpolitische Entscheidungen erklären, und dabei spielen die nationalstaatlichen Akteure eine entscheidende Rolle.

Zur Person:
Dr. Nils Düpont ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik". Im Teilprojekt A01, das von Andreas Breiter, Ivo Mossig und Carina Schmitt geleitet wird, ist Nils Düpont am Aufbau des "Global Welfare State Information Systems (WeSIS)" beteiligt. Nils Düpont hat an der Universität Greifswald Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Skandinavistik studiert und mit dem Magister Artium abgeschlossen. Anschließend promovierte er im Fach Politikwissenschaft zum Thema "(Ir)Rational Choices? The Impact of Learning on Party Policy Moves". Vor seinem Wechsel zum SFB 1342 hat Nils Düpont am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen den Aufbau eines Masterzentrums vorangetrieben.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57060
E-Mail: duepont@uni-bremen.de