Wissenschaftsenatorin Eva Quante-Brandt
Wissenschaftsenatorin Eva Quante-Brandt
Der Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" präsentierte sein Forschungsprogramm der Bremer Fachöffentlichkeit. Senatorin Quante-Brandt hob die Bedeutung für den Wissenschaftsstandort hervor.

Der Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" (SFB 1342) hat am 1. Juni sein Forschungsprogramm der Fachöffentlichkeit präsentiert. Rund 100 geladene Gäste aus Universität, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft waren dazu ins Bremer Haus der Wissenschaft gekommen, um die Präsentation zu verfolgen und anschließend mit dem Team des SFB 1342 ins Gespräch zu kommen.

Zum Auftakt der Veranstaltung gratulierte Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt dem Team des SFB 1342 zum Erfolg des Antrags und der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Sie hob die Bedeutung der Sozialwissenschaften für den Wissenschaftststandort Bremen hervor und bezeichnete den SFB 1342 als "sozialwissenschaftliches Leuchtturmprojekt, das über die Grenzen Europas hinausstrahlt". Exzellente Forschung und Lehre, hohe internationale Sichtbarkeit und unmittelbarer gesellschaftlicher Nutzen der Forschung – in diesen Feldern werde der SFB einen Meilenstein setzen.

Anschließend gab SFB-Sprecher Herbert Obinger einen Überblick die Struktur und das Forschungsprogramm des SFB. In einem weltweiten Vergleich zeigt Obinger, dass die Einführung sozialpolitischer Programme zeitlich und räumlich stark variierte. "Warum gibt es diese großen Unterschiede in der Sozialpolitik? Das interessiert uns, das wollen wir erklären", sagte Obinger. Dafür untersuchen die am SFB beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur Einflussfaktoren innerhalb von Nationalstaaten, sondern auch internationale Verflechtungen wie Wirtschaftsbeziehungen, Migration, den Austausch von Ideen, den Einfluss internationaler Organisationen und zwischenstaatliche Gewaltbeziehungen.

Frank Nullmeier wies darauf hin, dass Gesellschaften bei sozialen Herausforderungen vor der grundsätzlichen Entscheidung stehen, ob sie auf diese ausgrenzend oder solidarisch, d.h. durch sozialpolitische Maßnahmen reagieren. In vielen Teilen der Welt habe es schon sehr früh Formen des Sozialschutzes gegeben, u.a. in Europa, Südamerika und Südostasien.

Der SFB 1342 konzentriert sich in der Analyse auf den Zeitraum 1880 bis 2020 und verfolgt dabei zum einen einen makro-quantitativen Ansatz, um die verscheidenen Bereiche von Sozialpolitik auf globaler Maßstabsebene zu erfasen und zu analysieren. Zentrales Element dieses Bereiches ist der Aufbau einer webbasierten, interaktiven Datenbank zur Sozialpolitik: das Global Welfare Information System (WeSIS). Zum anderen finden im Rahmen des SFB detaillierte Fallstudien auf Länderebene statt, um die Wirkungsweisen vielfältigster Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung von Sozialpolitik tiefenscharf zu untersuchen. Ziel dieses Projektbereichs ist die Entwicklung einer Theorie sozialpolitischer Entwicklungsdynamiken, die rein nationalstaatliche Narrative überwindet. Es werden die kausalen Mechanismen dingfest gemacht, die staatlich verantwortete Sozialpolitik aus der Interaktion zwischen nationalen Faktoren und inter- und transnationalen Verflechtungen entstehen lassen.


Kontakt:
Philipp Jarke
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58573
E-Mail: pjarke@uni-bremen.de